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Zweite Runde der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen: Ein Land ohne Hochburgen wird sichtbar

Am Sonntag bestimmten die Wähler im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland in Stichentscheiden zahlreiche Oberbürgermeister und Landräte. Die SPD, die im ersten Wahlgang besonders gebeutelt wurde, hält Dortmund und verliert Düsseldorf.

Ein Wahlplakat von Andreas Kossiski, der für die SPD das Kölner Rathaus erobern wollte. Kossiski unterlag der Amtsinhaberin Henriette Reker.

Ein Wahlplakat von Andreas Kossiski, der für die SPD das Kölner Rathaus erobern wollte. Kossiski unterlag der Amtsinhaberin Henriette Reker.

Imago

Fragt man deutsche Sozialdemokraten, ob die SPD noch eine Volkspartei sei, erhält man immer häufiger ausweichende Antworten. «Eine Partei ist dann eine Volkspartei, wenn sie versucht, ein breites Spektrum an Themen zu beantworten», sagte etwa Rolf Mützenich, der Chef der SPD-Fraktion im Bundestag, kürzlich dieser Zeitung. Man könnte eine Volkspartei allerdings auch anders definieren: Als eine politische Bewegung, die über Hochburgen verfügt, also über Orte und Regionen, in denen sie Mehrheiten praktisch auf sicher hat.

An solchen fehlt es der SPD mittlerweile selbst in Nordrhein-Westfalen, Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland, das vor wenigen Jahrzehnten noch in seiner Gänze als sozialdemokratische Hochburg bezeichnet werden konnte. Am Sonntag ging dort die zweite Runde der Kommunalwahlen über die Bühne, Stichwahlen in 102 Gemeinden und elf Landkreisen standen an. Vor zwei Wochen, bei den Wahlen der Stadt- und Kreistage, hatte die CDU ihren landesweiten Wähleranteil ungefähr gehalten, während die SPD um zirka sieben Prozentpunkte eingebrochen war und die Grünen etwa acht Punkte dazugewonnen hatten.

Die SPD verteidigt Dortmund, aber nur knapp

Das Hauptaugenmerk am Sonntag lag vor allem auf den 15 Grossstädten, in denen ein Oberbürgermeister bestimmt wurde. Das Bild fiel dabei für die Sozialdemokraten weit weniger katastrophal aus, als manche befürchtet hatten, was freilich auch daran lag, dass die Partei nach dem ersten Wahlgang vor allem auf Schadensbegrenzung hoffte. In Dortmund, wo seit 1946 sozialdemokratische Bürgermeister regieren, gewann der SPD-Kandidat Thomas Westphal gegen Andreas Hollstein von der CDU, dies allerdings mit 52 zu 48 Prozent recht knapp.

Andreas Hollstein nach dem ersten Wahlgang am 13. September. Am Sonntag schaffte es der CDU-Mann nicht, das Dortmunder Rathaus zu erobern.

Andreas Hollstein nach dem ersten Wahlgang am 13. September. Am Sonntag schaffte es der CDU-Mann nicht, das Dortmunder Rathaus zu erobern.

Anja Cord / Imago

Dass die SPD mit dem richtigen Personal sogar Rathäuser neu erobern kann, zeigte sich in Mönchengladbach, wo der Amtsinhaber von der CDU nicht mehr antrat. Hier siegte der SPD-Kandidat Felix Heinrich deutlich über einen favorisierten CDU-Mann. Auch in der 180 000-Einwohner-Stadt Hamm im Ruhrgebiet gelang den Sozialdemokraten ein Coup: Hier löst der SPD-Kandidat Marc Herter einen langjährigen CDU-Amtsinhaber ab.

CDU-Siege in Köln und Düsseldorf

In der Landeshauptstadt Düsseldorf erlitt die SPD dagegen eine Schlappe: Der Amtsinhaber Thomas Geisel musste sich mit 45 Prozent der Stimmen dem CDU-Kandidaten Stephan Keller geschlagen geben, der auf 54 Prozent kam. Für die Christlichdemokraten fiel der Wahlabend durchwachsen aus: Wo sie gemeinsam mit den Grünen Kandidaten aufgestellt hatten, siegten diese häufig, so etwa in Köln, wo sich die parteilose Amtsinhaberin Henriette Reker deutlich gegen den SPD-Kandidaten Andreas Kossiski durchsetzte und in Wuppertal, wo der Christlichdemokrat Uwe Schneidewind den Amtsinhaber Andreas Mucke von der SPD entthronte.

Die parteilose Politikerin Henriette Reker, die von der CDU und den Grünen unterstützt wurde, bleibt Oberbürgermeisterin von Köln.

Die parteilose Politikerin Henriette Reker, die von der CDU und den Grünen unterstützt wurde, bleibt Oberbürgermeisterin von Köln.

Horst Galuschka / Imago

Wo allerdings grüne Kandidaten gegen solche von der CDU antraten, behielten die Grünen oft die Oberhand. In Aachen, der Heimatstadt des christlichdemokratischen Ministerpräsidentin Armin Laschet, setzte sich die Grünen-Politikerin Sibylle Keupen deutlich gegen einen CDU-Kandidaten durch. In Bonn wiederum gelang es der grünen Kandidatin Katja Dörner, den Christlichdemokraten Ashok-Alexander Sridharan aus dem Rathaus zu verdrängen. In Münster schlug allerdings der Amtsinhaber Markus Lewe von der CDU einen grünen Herausforderer, wenn auch eher knapp. In Mülheim an der Ruhr wiederum gelang der CDU eine Überraschung: Hier gewann ihr Kandidat Marc Buchholz deutlich gegen die frühere niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn von der SPD - und dies ganz ohne grüne Unterstützung.

Die Lehren, welche die Parteien aus den Stichentscheiden ziehen konnten, könnte man folgendermassen zusammenfassen: Eigentliche Hochburgen gibt in der heutigen deutschen Parteienlandschaft immer weniger, und in der komfortabelsten Position befinden sich derzeit oft die Grünen. Allzu viel sollte man in die Ergebnisse vom Sonntag ohnehin nicht hineinlesen, denn abgesehen davon, dass es sich um Personenwahlen handelte, lag die Beteiligung deutlich unter 50 Prozent.

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