Switzerland

Zukunfstrauschen – was kann Aarau von Zürich lernen?

Aarau und Zürich im Gespräch – wie bereiten wir unsere Stadt für die Zukunft vor? Zu diesem Thema findet am Dienstagabend eine Podiumsdiskussion in der Aeschbachhalle statt. In welchen Bereichen ist eine Kleinstadt wie Aarau überhaupt vergleichbar mit Zürich? Welche Erfahrungen vom grossen Nachbarn können für uns wertvoll sein oder sind die Rahmenbedingungen beider Städte zu unterschiedlich? Mein Fragenkatalog ist um einiges länger. Und so werde ich erwartungsvoll im Publikum sitzen und den Diskutierenden aufmerksam zuhören.

Stadt findet nicht nur in den urbanen Schweizer Zentren wie Zürich, sondern vor unserer Haustüre statt. Welche Optimierungspotenziale und Entwicklungsperspektiven gibt es für Aarau? Die Thematik der Stadtentwicklung umtreibt denn auch viele. Das Projekt «Zukunftsraum» geniesst eine hohe Priorität auf der politischen Agenda. Da lohnen sich einige Gedanken dazu – weit vor der entscheidenden Volksabstimmung.

Aarau und die umliegenden Gemeinden funktionieren, so wie sie aktuell organisiert sind, eigentlich gut. Handlungsbedarf besteht nicht unbedingt. Wenn alles so bleiben würde, wie es heute ist, müsste man sich tatsächlich fragen, ob ein solches Projekt wie der «Zukunftsraum» Sinn macht.

Wirft man aber einen Blick in die Zukunft, wird schnell klar, dass verschiedenste grosse Herausforderungen für unsere Gesellschaft bereits vor der Tür stehen. Digitalisierung, nachhaltige Mobilität und Energieversorgung, Überalterung, Bevölkerungswachstum und damit verbunden die Verdichtung, sind alles Themen, die auch auf kommunaler Ebene grosse Veränderungen bringen werden

Soll nun jede Gemeinde für sich selbst an die Arbeit gehen oder wäre es nicht besser, wenn wir uns zusammentun und in einem grösseren, urbanen Raum Lösungen andenken und umsetzen? Vieles erscheint mir nur möglich, wenn wir es miteinander versuchen.

So verlangen zum Beispiel die Megatrends Individualisierung oder der demografische Wandel für die Stadtgesellschaft optimierte Rahmenbedingungen – man denke nur an die wachsende Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen oder die zunehmende Zahl von Patchworkfamilien und Singlehaushalten. Letztere machen in Aarau über 40% aus.

Für die Verwaltung ist die interne Digitalisierung mit einer flächendeckenden Einführung von Online-Diensten und papierlosen Prozessen eine ressourcenintensive Herausforderung. Man muss diese für den Bürger so effiziente und angenehme Dienstleistungen nicht in jeder Gemeinde neu erfinden.
Auch eine gezielte Nutzung von Innovationen und neuen Technologien zur Lösung verkehrstechnischer und allgemein klimarelevanter Probleme wird gemeindeübergreifend eher möglich und effizienter sein. Das Schaffen einer Infrastruktur für E-Mobilität in der ganzen Agglomeration wird einen Verbund ohne lange Entscheidungswege notwendig machen.

In vielen Wirtschaftszweigen wird wegen der Digitalisierung ein Strukturwandel erwartet. Das Gleiche gilt für den Arbeitsmarkt. Damit wird sich die wirtschaftliche Basis von Aarau und den umliegenden Gemeinden in vielschichtiger Weise verändern – etwa die Art, wie hier Dienstleistungen erbracht und Güter produziert werden, oder die am Arbeitsmarkt nachgefragten Qualifikationen. Dies hat auch Folgen für die heimische Wirtschafts-, Standort- und Bildungspolitik.

Die Lebensqualität in und um Aarau wird zu Recht vielseitig gelobt. Damit das so bleibt, müssen visionäre Antworten auf die erwähnten Fragen gefunden werden – einige vielleicht schon am Dienstagabend.

*Martina Suter (55) ist Unternehmerin, Präsidentin des Kreisschulrats und Vizepräsidentin der FDP Aarau.