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Wie sich Attila Hildmann vom Vegan-Koch zum Verschwörungstheoretiker wandelte

Attila Hildmann während einer Demonstration vor dem Deutschen Reichstag im Mai dieses Jahres. Bild: EPA

Wie sich Attila Hildmann vom Vegan-Koch zum Verschwörungstheoretiker wandelte

Imke Gerriets / watson.de

Der Trubel um den Deutschen Vegan-Koch Attila Hildmann reisst nicht ab. Mit seinen Verschwörungstheorien hat er unzählige Kritiker, aber auch viele Anhänger seiner Thesen auf den Plan gerufen. Derzeit ermittelt sogar die Brandenburger Kriminalpolizei gegen ihn. Per Twitter teilten die Beamten kürzlich mit: «Wegen der öffentlichen Androhung von Straftaten haben wir Anzeige von Amts wegen aufgenommen.»

Die Deutsche Polizei schrieb zu der Frage, ob sich Hildmann antisemitisch oder volksverhetzend geäussert habe: «Die Prüfungen im Zusammenhang mit Attila Hildmann sind noch nicht abgeschlossen.» Besonders in der Telegram-Gruppe des 39-Jährigen wurde unter Verschwörungstheoretikern zuletzt immer wieder von einem angeblichen geplanten Völkermord durch Impfungen gegen das Coronavirus und von einem «zionistischen Regime unter Merkel» und Bill Gates gesprochen.

Hildmann betonte auf Social Media, dass er kein Wort von dem zurücknehme, was er gesagt hätte. Er organisierte in den vergangenen Wochen mehrfach Autokorsos und Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen.

Auch von den jüngsten Entgleisungen einmal abgesehen, erntete der Vegan-Koch für sein öffentliches Auftreten schon in der Vergangenheit immer wieder Negativ-Schlagzeilen. Ob sein Auftritt bei «Schlag den Star», seine verbale Attacke gegen eine Journalistin, die seinen Burger bemängelte oder seine Festnahme mit einem anschliessenden Drogentest – watson zeigt in einer Chronologie, wie sich Hildmann vom gefeierten Vegan-Koch zu einer Galionsfigur der Verschwörungstheoretiker wandelte.

2009: Der Startschuss seiner Karriere

Attila Hildmann wurde einst zum Veganer, nachdem sein Adoptivvater einen Herzinfarkt erlitten hatte. Der Koch machte dessen Fleischkonsum für das tragische Schicksal verantwortlich. 2009 schrieb er dann sein erstes veganes Kochbuch. Seine Erfolgswelle sollte schliesslich im Jahr 2012 losgetreten werden. Attilas Buch «Vegan for Fun» wurde vom Vegetarierbund Deutschland als Kochbuch des Jahres ausgezeichnet.

Seitdem ist Hildmann ein besonders beliebter Gast in diversen TV-Sendungen. Ob zum Talk mit Stefan Raab, Maischberger oder Bettina Böttinger: Er galt als absoluter Shootingstar unter Deutschlands veganen Köchen.

Seine Popularität sicherte ihm schliesslich einen Platz bei der RTL-Show «Let's Dance» im Jahr 2016. Auch nach seiner Teilnahme war er in weiteren TV-Produktionen zu sehen. Zudem eröffnete er kurze Zeit später einen Imbiss in Berlin-Charlottenburg, ein weiterer folgte in Kreuzberg.

2015/2016: Attila Hildmann äussert sich zur Flüchtlingskrise

Attila Hildmann hat sich im Zuge der damaligen Flüchtlingskrise in Europa folgendermassen geäussert: «Integration ist in Deutschland ein heikles Thema aufgrund der deutschen Vergangenheit, was zu einer aktuellen Selbstverstümmelung deutscher Werte und Kultur führt.» Dieser Beitrag hat ihn schon damals mit rechten Ansichten in Verbindung gebracht und wurde in der Öffentlichkeit heftig kritisiert.

Auf seinem Facebook-Account schrieb er 2016 weiter: «Unser Land wird von Kriegstreibern regiert!» Hildmann betonte, dass er nichts mit Parteipolitik zu tun hätte, denn er würde sich von keiner Partei repräsentiert fühlen. Aus diesem Grund würde er eben auch nicht wählen gehen. Seine Äusserungen gerieten erneut ins Kreuzfeuer der Kritik.

2017: Auftritt bei «Schlag den Star»

Der Vegan-Koch trat im Mai 2017 bei «Schlag den Star» gegen Comedian Luke Mockridge an. Während der Sendung fiel der Koch vor allem mit seinem arroganten Auftreten negativ auf. Den Zuschauern gefiel das überhaupt nicht und so machten sie ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken Luft. Da wurde es schon komplett zur Nebensache, dass Hildmann die Show mit 70 zu 50 Punkten gewann.

Der Koch pöbelte daraufhin selbst im Netz: «Natürlich habe ich ein bisschen quergelesen, was hier gestern während der Sendung abging und möchte mich selbst bei den ganzen Flachwichsern für die vielen Kommentare bedanken.» Doch damit war noch lange nicht Schluss. Er sagte weiter:

Zum Schluss erklärte er noch: «Damit müsst ihr leider leben und so scheisse, wie ihr mich findet, finde ich euch mindestens auch.»

Schon hier zeigte sich in Ansätzen, dass Hildmann zu verbaler Gewalt neigt. Damit ging es auch 2017 weiter.

2017: Burger-Gate und Verbal-Attacke auf eine Journalistin

Der «Tagesspiegel» schrieb im Oktober 2017 über seinen Berliner Imbiss eine nicht ganz so wohlwollende Restaurantkritik. Dort hiess es unter anderem:

«Wer im Imbiss einkehrt, den der Fleischverächter im Frühjahr in Charlottenburg eröffnete, meint, eine Fritteuse zu betreten. Kein Zweifel, hier wird gern in Öl gebadet. Der Tofu zum Beispiel, der den pikanten Thaisalat (kleine Portion 5.90 Euro) krönt. Ändert auch nichts an der Gummikonsistenz. Oder die Süsskartoffeln, eher klebrig statt knusprig. Dazu gibt’s Ketchup. Die vegane Mayo schmeckt künstlicher als das Naturprodukt aus Ei und Öl.»

Für Attila Hildmann war das eindeutig zu viel. Mit wüsten Beschimpfungen griff er die zuständige Redakteurin des Artikels auf Facebook an und sprach ein Hausverbot aus. Zudem erklärte er, dass er vor «das 'Tagesspiegel'-Gebäude kotzen» möchte. Doch damit war noch nicht Schluss:

Das Hausverbot nahm er übrigens kurze Zeit später wieder zurück und lud Journalisten in besagten Imbiss zum Testessen ein. Doch die Einladung brachte ihm neuen Ärger. Der Grund: Hildmann posierte auf der Einladung mit einer Pumpgun. Dafür wurde er von der Polizei vorgeladen. Auch sein Erscheinen samt Kälbchen, Ziege und einem Schlachtermesser sorgte im Zuge seiner Frage «Wer bringt das Tier um?» anstatt für Staunen nur für Kopfschütteln.

2018: Festnahme und Drogentest

Attila Hildmann sorgte 2018 mit einer Polizeikontrolle in Berlin für weiteres Aufsehen. Auf Instagram schilderte er den Vorfall damals so: «Ich hatte einen kleinen Zwischenfall wegen Falschparkens.»

Was folgte, seien der Einsatz von fünf Polizeiwagen, ein Drogentest und Handschellen gewesen. Seine Handgelenke seien von dem Vorfall laut eigener Aussage ordentlich geschwollen gewesen. Zu einem Foto von besagtem Vorfall schrieb er dann schliesslich: «Niemand wird mich brechen. Irgendwann regiere ich dieses Land, einschliesslich der Exekutive.»

Er sei behandelt worden wie ein Schwerstkrimineller, erklärte Hildmann. Und weiter: «Ich habe mir natürlich nichts gefallen lassen». Er fragte sich, was mit der echten Kriminalität sei. Mehrere Polizeiwagen seien wegen Falschparkens gekommen. Währenddessen wären allerdings Tausende von Menschen, die die Polizei gerufen hätten, vertröstet worden, schrieb Hildmann damals.

Im Zuge der Corona-Demos wurde Attila Hildmann erneut festgenommen und kassierte eine Strafanzeige. Er verstiess gegen das Versammlungs- und Infektionsschutzgesetz. Pöbeleien, Verbalattacken und umstrittenes Gedankengut liessen den einstigen gefeierten Star für vegane Ernährung erst anecken und sich schliesslich mitten in der Verschwörungstheoretiker-Szene wiederfinden. Nun ermittelt sogar der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz gegen ihn. Ein tiefer Fall eines grossen Talents.

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