Switzerland

Wie Schneesport und Après-Ski diesen Winter doch möglich sein sollen

Mit Erlebnisferien und Schutzkonzepten will Schweiz Tourismus die Wintersaison retten. Trotzdem muss die Branche mit einem Milliardenverlust rechnen.

Auf den Schweizer Tourismus kommt eine schwierige Wintersaison zu.

Auf den Schweizer Tourismus kommt eine schwierige Wintersaison zu.

Simon Tanner / NZZ

Wer diesen Winter in einem Schweizer Hotel übernachtet, dürfte im Zimmer anstatt der üblichen Schokolade ein Fläschchen Desinfektionsmittel finden. Denn die kommende Wintersaison steht ganz im Zeichen der Pandemie. Mit einem stärkeren Fokus auf den Erlebnistourismus versucht nun der Branchenverband Schweiz Tourismus, die Wintersaison noch zu retten.

Die Kampagne «my first time» wirbt mit 100 ungewöhnlichen Erlebnissen wie Schlittenfahrten mit Huskys oder Vollmond-Paragliding. Neue Gäste, aber auch erfahrene Wintersportler sollen ihr «erstes Mal» erleben. Die Kampagne ist eine Fortsetzung der im Juni lancierten «Ich brauche Ferien»-Kampagne und wird von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Wirtschaftsminister Guy Parmelin unterstützt. Das Werbebudget beträgt 22 Millionen Franken.

Schwieriges Jahr für Tourismus

Die Schweizer Bergbahnen, die Hotellerie und die Gastronomie leiden stark unter der Planungsunsicherheit und dem Wegfall von internationalen Gästen. Die letzte Wintersaison musste wegen der Reisebeschränkungen abrupt beendet werden, und die Sommersaison lief nur zögerlich an. Erst ab Mitte Juni stieg die Nachfrage an, und vor allem Schweizer Gäste verbrachten Ferien in den Bergregionen und dem Tessin. Den Wegfall der Gäste aus dem Ausland konnten sie trotzdem nicht kompensieren. Die Zahl der Logiernächte von Gästen aus dem Ausland brach in der Sommersaison gemäss der Konjunkturforschungsstelle (KOF) um 40 Prozent ein.

Wenig optimistisch stimmt auch die Prognose für die kommende Wintersaison. Die KOF geht von einem Rückgang der Logiernächte um 30 Prozent aus. Sollte die Zahl der Neuansteckungen weiter ansteigen, ist gar von 50 Prozent die Rede. Insgesamt rechnet die KOF für das Jahr 2020 mit einem Verlust von 10 Milliarden Franken für die Branche. Wie im Sommer ist der Schweizer Tourismus auf inländische Gäste auch im Winter angewiesen. Laut dem Branchenverband haben sich die Betriebe angepasst: Rund die Hälfte der Hotels setzt auf kulante Stornierungsbedingungen, 30 Prozent der Hotels haben die Kapazität reduziert. Etwa 20 Prozent bieten neue Angebote im Bereich Erlebnistourismus an.

Planungsunsicherheit scheint es nicht nur bei den Betrieben zu geben. Auch die Kundschaft hält sich bis jetzt zurück. Gemäss einer Umfrage des Branchenverbands liegt der Buchungsstand der Bergbetriebe für die Weihnachtsferien 19 Prozent unter dem letztjährigen Stand. Für die Sportferien 2021 sind es gar 28 Prozent unter dem Niveau von 2020.

Skischulen bleiben geöffnet

Neben der Kampagne hat Schweiz Tourismus am Montag Schutzmassnahmen und -konzepte vorgestellt, welche die Winterferien sicher machen sollen. Beispielsweise achte man bei Wintersportschulen darauf, dass sich die Schneesportler an verschiedenen Treffpunkten besammeln. Damit soll sichergestellt werden, dass unter den Gruppen keine Durchmischung stattfindet. Kleine Skigebiete dürften diese Massnahmen einfacher umsetzen können als die Wintersport-Hotspots.

Die Bergbahnen werden zudem die Besucherströme stärker lenken, damit keine dicht gedrängten Schlangen vor den Skiliften entstehen. Dafür habe man zusätzliches Personal rekrutiert, mehr Platz für Wartezonen geschaffen und diese nach Möglichkeit ins Freie verlegt. Europaweit sind die Schweizer Bergbahnen derzeit die einzigen, die in Betrieb sind.

Auch Après-Ski gibt es diesen Winter, allerdings gelten dieselben Schutzmassnahmen wie in allen Restaurants der Schweiz. Damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, hätten Bergrestaurants zusätzlich Zelte aufgestellt. Grosse Gruppen müssten sich zuvor anmelden. Ein Restrisiko bleibe, so räumen Vertreter von Schweiz Tourismus ein. Aber die Schweiz habe «keine problematische Après-Ski-Kultur» wie anderswo.

«Swiss Way» funktioniere

Die Schweiz geht beim Wintertourismus einen Sonderweg. Österreich ist noch bis mindestens am 6. Dezember im Lockdown; der Saisonstart für die Skigebiete ist auf Mitte Dezember geplant. Auch in Deutschland wurde der Saisonstart bis kurz vor Weihnachten verschoben. Italien und Frankreich haben ihre Skipisten bis auf weiteres geschlossen. Ein ähnlich drastischer Schritt kommt für Schweiz Tourismus nicht infrage. Eine Stabilisierung der Fallzahlen sei in der Schweiz glücklicherweise sichtbar. Gemäss Schweiz Tourismus funktioniert der «Swiss Way».

Dennoch schaut der Branchenverband nicht nur zuversichtlich in die Zukunft. Er rechnet damit, dass es nicht die letzte Saison unter dem Einfluss der Corona-Pandemie sein wird. Die Nachfrage von Gästen aus Übersee dürfte gemäss Prognosen auch in zwei Jahren erst bei 60 Prozent des Vorkrisenniveaus liegen. Wie stark der kommende Sommer von der Krise betroffen sein wird, hängt laut Schweiz Tourismus vor allem davon ab, ob bereits ein Impfstoff auf dem Markt sein wird.

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