Switzerland

Wie Schindler gegen das Coronavirus ankämpft

Die Corona-Pandemie hat unmittelbare Auswirkungen auf den Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Schindler. Fast 10% der Belegschaft arbeitet in China; mit einem Umsatzanteil von 14% ist es sein wichtigster Markt. Nun fehlen ihm deswegen «mehrere hundert Millionen Franken» Umsatz.

Der Schindler-Konzern bleibt trotz einem schwierigem Umfeld auf Wachstumskurs.

Der Schindler-Konzern bleibt trotz einem schwierigem Umfeld auf Wachstumskurs.

PD

In der Schweiz gibt es wohl kaum ein anderes Grossunternehmen, das so abhängig von China ist wie Schindler. Für den Luzerner Aufzugs- und Fahrtreppenhersteller ist China der wichtigste Markt. Im vergangenen Jahr hat er dort einen Umsatz von 1,55 Mrd. Fr. (+9%) erwirtschaftet oder fast 14% der Gesamteinnahmen. Mit 6500 eigenen Mitarbeitern und nochmals so vielen Auftragsfertigern, die vor Ort die Anlagen des Unternehmens installieren, sind auch sehr viele Schindler-Mitarbeiter von der Corona-Pandemie direkt tangiert. Derzeit befinde er sich jeden Morgen mit seinem Krisenteam in China telefonisch in Kontakt, erklärte Konzernchef Thomas Oetterli anlässlich der Publikation des Jahresergebnisses 2019.

Corona ist Chefsache

Oetterli kennt China sehr gut, er selbst war drei Jahre vor seiner Nomination zum CEO für Schindlers Chinageschäft verantwortlich. Das Land sei weitgehend zum Stillstand gekommen, auch alle Schindler-Fabriken seien zurzeit geschlossen, erzählt er. Auch die wichtigen Zulieferer sind ausgefallen. Ein Teil der Schindler-Belegschaft könne zwar von zu Hause aus arbeiten. Laut dem Finanzchef sind zum Glück nur wenige Angestellte mit dem Virus infiziert. Auch sei kein Todesfall zu beklagen. Oetterli geht davon aus, dass in den chinesischen Schindler-Fabriken die Arbeit im Laufe der nächsten Woche schrittweise wieder aufgenommen werden kann. Doch schon jetzt sei klar, dass der Monat Februar aus wirtschaftlicher Sicht weitgehend verloren sei und im März die Fertigung nur langsam wieder anlaufen werde.  

Aus heutiger Sicht geht das Unternehmen davon aus, dass wegen des Corona-Virus «mehrere hundert Millionen Franken» Umsatz fehlen werden. Laut Oetterli ist vor allem das erste Quartal «stark beeinträchtigt». Details wird das Unternehmen am 22. April publizieren. Der Finanzchef liess durchblicken, dass der Umsatzausfall 200 Mio. bis 300 Mio. Fr. betragen werde, genauer könne er dies nicht voraussagen. Alle diese Prognosen stützen sich auf der Annahme, dass sich die Lage bis Mai normalisiert hat. Die Wiederinbetriebnahme der Fabriken in China ist jedoch nur eine Facette des Problems, welches das Schindler-Management derzeit im Atem hält. Die eigenen Fertigungskapazitäten seien genügend gross, um zumindest einen Teil der verlorenen Einnahmen im Jahresverlauf wieder wettzumachen. Problemlos könnten im Sommer zusätzliche Schichten eingelegt werden, heisst es.

Zu längeren und schwerwiegenderen Engpässen könnte es jedoch in der Logistik und auf den Baustellen kommen. Weil der Materialtransport nur von gesunden Personen ausgeführt werden darf – zwecks Abklärung ist dafür eine zweiwöchige Quarantäne erforderlich – sind die Lieferketten derzeit unterbrochen. Schindler hat jedoch vorgesorgt und Hotels gemietet, in denen sich die betroffenen Mitarbeiter seit zehn Tagen unter Quarantäne befinden. Die Leute wären also ab kommender Woche einsatzfähig. Vorsorglich hat sich das Unternehmen mit mehr als einer Million Gesichtsmasken eingedeckt, das reiche bis Mitte Jahr.

Weil aber auch die Baustellen ruhen und die Wiederaufnahme wegen den Quarantäne-Vorschriften nur verzögert erfolgen kann, dürfte in China die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von Schindler noch längere Zeit gedämpft bleiben. Denn betroffen ist auch das Service- und Wartungsgeschäft der Firma. Man werde sich kulant zeigen, «wir lassen niemand im Stich». Was dies bedeutet, kennt Schindler aus den Sars-Zeiten. Als gewisse gute Kunden (Grosshotels) in Hongkong während der Epidemie keine mehr Gäste hatten, wurden ihnen die Wartungsgebühren um 20% bis 30% reduziert. Zu einer ähnlichen Geste könne es nun auch in dieser Krise kommen. 

Kettenreaktion

Der China-Dämpfer tangiert aber nicht nur Schindler, sondern die gesamte Branche. In der Region Asien/Pazifik werden zwei Drittel der weltweit neu installierten Anlagen errichtet. Und rund 40% der global installierten Basis befindet sich dort, wobei China einen Drittel davon ausmacht. Hinzu kommt, dass die meisten Komponenten für die Aufzüge und Fahrtreppen in China gefertigt werden. Damit wird nicht nur die einheimische Nachfrage gedeckt, sondern auch diejenige anderer asiatischer Länder sowie Australiens und der an der Westküste Südamerikas liegenden Länder. «Rund 70% aller Komponenten kommen aus einem Umkreis von 100 Kilometer um Schanghai», quantifizierte der Konzernchef das Klumpenrisiko dieser Branche. 

Trotzdem sei es bisher bei ihnen noch zu keinen Lieferverzögerungen gekommen; ab März könnte dies jedoch der Fall sein. Deshalb zapft das Unternehmen seine sekundäre Quellen in anderen Regionen an, und es hilft seinen chinesischen Lieferanten, so rasch als möglich die nötigen Bewilligungen für die Produktionsaufnahme zu bekommen. Schindlers weit verzweigtes Lieferantennetz erweise sich nun als Vorteil, meinte Oetterli. Wegen all dieser negativen Effekte geht das Unternehmen davon aus, dass sich in diesem Jahr nicht nur in Asien/Pazifik, sondern weltweit die Anzahl Neuanlagen zurückgehen wird. Im vergangenen Jahr nahmen die Neuinstallationen um 2% zu, in Asien/Pazifik stiegen sie um 3%.

Unveränderte Dividende

Wenig überraschend sind denn auch Schindlers Prognosen für das laufende Geschäftsjahr von China geprägt. In Lokalwährung gemessen wird für 2020 von einem stagnierenden, bestenfalls um 5% höheren Umsatz ausgegangen. Im vergangenen Jahr belief sich der Zuwachs auf knapp 6%, was das Unternehmen als Beleg nimmt, weitere Marktanteile gewonnen zu haben. Wie immer äussert sich das Unternehmen erst gegen Ende Juli, wenn die Semesterzahlen gezeigt werden, zur Ertragsentwicklung. Für Oetterli steht aber ausser Diskussion, dass China bald wieder «der grösste und stärkste Markt» sein wird. Deshalb sei es auch zu keiner Anpassung der Strukturen gekommen. «Wir reagieren nicht kurzfristig».

Das letztjährige Ergebnis entsprach knapp den Erwartungen der Finanzmärkte. Die vor zwei Jahren in Angriff genommene Initiative, durch eine modulare Fertigungsweise effizienter zu fertigen, laufe nach Plan. In der Berichtsperiode hätten damit 50 Mio. Fr. gespart werden können. Die gesamten Einsparungen von jährlich 200 Mio. Fr. würden im kommenden Jahr erreicht. Ständige Einsparungen sind auch erforderlich, um die Margen zu halten bzw. zu verbessern. Der starke Franken sowie höhere Aufwendungen für Rohmaterial und Löhne drücken auf die Rentabilität. Allein die Lohnsteigerungen beliefen sich 2019 auf 3%. Weil auch mehr Leute angestellt wurden, nahmen die Personalkosten um 7% zu. Dieses Jahr wird die Lohnsteigerung laut dem Finanzchef im ähnlichen Ausmass ausfallen. Die Dividende wird zum dritten Mal in Folge unverändert gehalten (4 Fr./Aktie). 

Schindler in Zahlen

Geldwerte in Mio. Fr. (IFRS)

2018 2019 +/-%
Auftragseingang 11669 12123 4
Umsatz 10’879 11’271 4
Betriebsergebnis Ebit 1’269 1’258 –1
Ebit-Marge (%) 11.7 11.2 -
Konzernergebnis 1’008 929 –8
Cashflow aus Geschäftstätigkeit 1’005 1’185 18
Eigenkapitalquote (%) 37.5 36.6 -
Nettoliquidität 2231 2046 –8
Personalbestand 64486 66306 3

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