Switzerland

Wer heilt, hat recht – auch die Komplementärmedizin will im Kampf gegen das Coronavirus mitmischen

In der Schweiz hat die Komplementärmedizin viele Fans. Einige fordern sogar, die «sanfte Medizin» müsse in der nationalen Corona-Task-Force vertreten sein. Eine gute Idee? Ganz und gar nicht, findet unser Kolumnist.

Illustration Pascal Staub

In der wöchentlichen Rubrik «Hauptsache, gesund» werfen die Autorinnen und Autoren einen persönlichen Blick auf Themen aus Medizin, Gesundheit, Ernährung und Fitness.

Es ist ein offenes Geheimnis: Ich bin kein Fan der Komplementärmedizin. Als ausgebildeter Arzt bin ich der Meinung, dass dem kranken Menschen mit den besten zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln und Therapien geholfen werden sollte. Was das Beste ist, kann heute etwas anderes sein als noch vor ein paar Jahren. Denn der medizinische Fortschritt ist enorm. Das zeigt sich gerade in der Corona-Krise, wo täglich neue Resultate aus Therapiestudien eintreffen. Umso erstaunlicher ist es, dass jetzt auch Komplementärmediziner «ihre Hilfe» gegen das neue Virus anbieten wollen.

So hat mich unlängst einer per E-Mail auf die Vorzüge seines Fachgebiets hingewiesen – zu präventiven wie auch therapeutischen Zwecken. Und am Sonntag konnte ich in einem Inserat in der Sonntagspresse lesen, dass Vertreter der Komplementärmedizin in die nationale Corona-Task-Force aufgenommen werden sollten. «Gaht’s no?», dachte ich und musste laut lachen. Doch der Schreiber meinte es nicht lustig. Und auch die Fans der Komplementärmedizin verstehen bei solchen Fragen keinen Spass.

«Wer heilt, hat recht», sagen diese Leute gerne. Und in diesem Punkt haben sie sogar recht. Selbst der Medizinnobelpreisträger Rolf Zinkernagel sagte einmal im Gespräch: «Der Patient interessiert sich in erster Linie dafür, ob ein Medikament wirkt. Auf welchem Weg es seine Wirkung erzielt, interessiert ihn nicht – oder höchstens in zweiter Linie.» Anders als der Patient müssen sich Arzt und Wissenschafter aber für den Wirkmechanismus interessieren. Wie sonst könnten sie Therapien verbessern?

Der Glaube an eine Wirkung kann nachweislich Berge versetzen: homöopathische Globuli.

Der Glaube an eine Wirkung kann nachweislich Berge versetzen: homöopathische Globuli.

Imago

Ob eine Therapie wirkt oder nicht, lässt sich heute in klinischen Studien zuverlässig ermitteln. Dieser Sachverhalt wird von Komplementärmedizinern gerne bestritten. Lieber faseln sie von der Individualität des Patienten und der Komplexität der Erkrankung, die nur in der Komplementärmedizin mit einer ganzheitlichen – oder noch schlimmer: holistischen – Therapie angegangen werde. Wenn ich das höre, frage ich mich immer: Wann ist eine Therapie ganzheitlich? Wenn der Therapeut neben den körperlichen Beschwerden noch den Stress am Arbeitsplatz erfragt? Oder muss er dafür auch die Qualität der Beziehung zur Schwiegermutter kennen? Oder gar den Funktionszustand jeder einzelnen Körperzelle des Patienten?

Wie auch immer. Die Wirksamkeitsprüfung hat für Homöopathie und Co. ein niederschmetterndes Ergebnis erbracht: Ihre Methoden wirken zwar – aber nicht besser als Placebo. Komplementärmedizin ist damit ähnlich wirksam wie Beten oder Handauflegen. Damit gehört die Komplementärmedizin ins Reich des Glaubens. Das spricht nicht gegen die Religion (solange ihre Vertreter nicht auf den bewiesenen Gott beharren), aber gegen die Komplementärmedizin. Denn anders als bei der Religion gibt es hier eine bessere Alternative: die wissenschaftliche Medizin.

Oder wie es der bedeutende Berner Arzt Rolf Adler schon vor Jahren gesagt hat: «Es gibt nur eine Medizin. Entweder etwas wirkt, oder es wirkt nicht. Im ersten Fall ist es Medizin, im zweiten Fall nicht.» In diesem Verständnis gibt es keine alternative oder komplementäre Medizin, sondern nur Medizin und Nicht-Medizin. Dass Patienten mit Covid-19 Medizin brauchen, dürften selbst Komplementärmediziner nicht bestreiten.

Bereits erschienene Texte der Rubrik «Hauptsache, gesund» finden sich hier.

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