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Weitermachen wie bis anhin ist für CVP-Präsident Pfister keine Option mehr

Die Partei führt in den kommenden Monaten eine Befragung bei rund 80 000 Mitgliedern und Sympathisanten durch. Die Ergebnisse werden zeigen, wohin der Weg für die CVP gehen soll, wie Pfister an der Delegiertenversammlung der Partei vom Samstag sagte.

CVP-Präsident Gerhard Pfister kündigte am Samstag seine erneute Kandidatur fürs Präsidentenamt an.

CVP-Präsident Gerhard Pfister kündigte am Samstag seine erneute Kandidatur fürs Präsidentenamt an. 

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Es war die Formel des Tages: «Wenn wir es machen wie immer, kommt es heraus wie immer.» CVP-Präsident Gerhard Pfister sagte sie gleich dreimal in seiner Rede vom Samstag in Frauenfeld. Die Botschaft, dass es nun eine grundlegende Kursänderung brauche, um nicht weiter an Boden zu verlieren, sollte bei den zahlreichen Delegierten der Versammlung wirklich verfangen.

Der engagierte Auftritt Pfisters machte eines deutlich: 2020 soll für die CVP das Jahr der Reformen werden. Er versprach der Partei zwar nicht gerade Blut, Tränen und Schweiss. Doch schwörte er die Partei darauf ein, dass die anstehenden internen Reformen nicht ohne Misstöne über die Bühne gehen werden: «Ich bin bereit, auch das Unangenehme, Schmerzhafte zu tun, auch neue Wege zu gehen», sagte Pfister, der am Samstag auch gleich seine Kandidatur für eine weitere Runde als Parteipräsident ankündigte.

Befragung von 80 000 Sympathisanten

Ein wichtiger Schritt bei der Neuerfindung der Mittepartei ist die am Freitag vom Parteivorstand beschlossenen Basisbefragung. Die Parteimitglieder, aber auch Menschen, die nicht zur CVP gehören, sich aber für die Positionen der Partei interessieren, sollen der Parteiführung zeigen, wie eine zukunftsfähige Zentrumspolitik aussehen könnten.

Diese Befragung von rund 80 000 Mitgliedern und Sympathisanten soll gleichzeitig die Frage beantworten, wie weit der Name der Partei, oder die Aussen-Wahrnehmung der CVP als Ganzes eine Rolle spielen beim Entscheid, die Partei zu wählen, oder eben nicht. Indirekt dürfte es also eine Art Plebiszit zum C im Namen sein. Die Diskussion darüber, ob dieses für die Weiterentwicklung der Partei Chance oder Bürde ist, ist unlängst wieder aufgeflammt. Ganz zum Leidwesen Pfisters, der diese Diskussion lieber zuerst im kleine Kreis diskutiert hätte, wie er am Samstag sagte. 

Allein auf weiter Flur

Die Partei will nach Jahren des Niedergangs in der Wählergunst wieder wachsen. Eine erneuerte CVP soll dies auch ausserhalb der traditionellen Stammlanden tun. In den vier grössten Kantonen der Schweiz hält die Partei gerade mal 3 von 94 Nationalratssitzen. Ein Umstand, der sich für Pfister nun ändern soll: «Warum findet ein Viertel der Zugerinnen und Zuger unsere Politik gut, aber viel weniger Zürcherinnen und Zürcher?» 

Einer, der dies eigentlich wissen müsste, ist Philipp Kutter, Zürcher CVP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Wädenswil. Kutter, dessen Gemeinde an den Kanton Zug grenzt, sagt: «Ich mache viel die Erfahrung, dass Leute mir sagen: Jetzt habe ich Smartvote ausgefüllt und die CVP stand ganz oben.» Wählen würden sie die Partei dann aber doch nicht.

Ein Dilemma, von dem an diesem Tag auch andere CVP-Exponenten erzählen. Kutter begrüsst es deshalb, dass die Partei nun eine Erneuerung sucht. Seiner Erfahrung nach werde es in den grossen Zentren des Landes vor allem über konkrete politische Projekt möglich sein, neue Wählerschichten anzusprechen. Die punktuelle Einbindung von potenziellen Wählern sollen die noch immer bestehenden, kulturellen Vorbehalten gegenüber der CVP abbauen helfen. Ob dafür auch das C aus dem Parteinamen verschwinden muss, ist für Kutter noch offen. Wie so vieles anderes auch bei der Mittepartei.