Switzerland

«Wegen Viren zu gefährlich»: Polizei lässt Blaufahrer nicht mehr blasen

Wer mit ein, zwei Gläsern zu viel auf Schweizer Strassen unterwegs ist, läuft derzeit deutlich weniger Gefahr, in einer Polizeikontrolle hängen zu bleiben. «Wir können aktuell keine Atemtest-Kontrollen bei Verdacht auf Alkohol am Steuer durchführen», bestätigt Ralph Hirt, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich.

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Der Grund ist das Ansteckungsrisiko. Bei der Kontrolle muss der betroffene Autofahrer über einen längeren Moment konstant in ein Röhrchen pusten. Dabei werden Speichel oder eben Tröpfchen freigesetzt. Diese gelangen an den Automaten oder verteilen sich in der Luft. «Mit den grassierenden Coronaviren ist das einfach zu gefährlich. Wir verzichten deshalb auf den Einsatz dieser Geräte», erklärt Hirt weiter. Die Gesundheit stehe an erster Stelle.

Desinfizieren allein reicht nicht

Mit diesem Entscheid steht die Kantonspolizei Zürich nicht allein da. In der Ostschweiz hat sich auch die Kapo St. Gallen für diesen Schritt entschieden. «Wir haben den Einsatz dieser Geräte sehr intensiv geprüft», sagt Mediensprecher Florian Schneider. «Aber auch wir sind zum Schluss gekommen, dass wir derzeit, wenn immer möglich, darauf verzichten.»

Und das trotz strikter Hygienemassnahmen. Schneider: «Die Mundstücke werden immer ausgewechselt, die Geräte laufend desinfiziert. Wenn eine betrunkene Person in der Situation daran saugt, statt zu blasen, bleibt aber einfach ein gewisses Risiko.»

Alkoholunfälle sind tödlichste Unfallkategorie

Das Aussetzen der Alkohol-Blastests war auch innerhalb der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten ein grosses Thema, wie deren Präsident Stefan Blättler bestätigt. Auf die Frage, ob das jetzt für Blaufahrer ein Freipass sei, sagt er deutlich: «Nein, sicherlich nicht! Erstens hat immer noch der Alkoholkonsum einen Einfluss auf das Fahrverhalten und nicht die Tests. Andererseits gibt es immer noch die Blutalkoholprobe, die bei begründetem Verdacht durchgeführt werden kann.»

Bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) hat man Verständnis für die ausserordentliche Situation. Sprecher Marc Kipfer geht davon aus, dass es wegen der geschlossenen Bars und Restaurants und des geringeren Verkehrs allgemein zu weniger Unfällen kommt. Grundsätzlich seien Alkoholkontrollen aber sehr wichtig: «Alkoholunfälle gehören zu den tödlichsten Unfallkategorien», sagt Kipfer. Gerade die Erwartung, kontrolliert zu werden, führe dazu, dass sich weniger Leute in alkoholisiertem Zustand ans Steuer setzen.

Auch bei Road Cross, der Stiftung für Verkehrssicherheit, kann man die Massnahmen der Polizei nachvollziehen. «Die Sicherheit der Polizistinnen und Polizisten geht vor», sagt Mike Egle, Leiter Marketing und Kommunikation. «Die Verkehrssicherheit ist allerdings ebenfalls wichtig. Deshalb wäre zunächst gut zu prüfen, ob Kontrollen mit geeigneten Schutzmassnahmen durchführbar wären. Sollte die aktuelle Situation länger andauern, wäre es sicher wichtig, einen geeigneten Atemtest zu entwickeln.»

Schweizweit einheitliche Regelung fehlt

Eine schweizweit einheitliche Regelung gibt es im Fall der Atemluftkontrolle nicht. Die Zuständigkeit liegt bei den kantonalen Korps. Auch die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten verzichtete auf eine Empfehlung.

Während Zürich die Geräte aktuell ganz beiseitelegt, lassen St. Gallen und Bern die Tests in Ausnahmefällen zur schnellen Beweissicherung bei schweren Vergehen noch zu. Mediensprecher Schneider von der Kapo St. Gallen: «Ganz aushebeln können wir den Rechtsstaat ja auch nicht.»

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