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Wachstum in Gefahr: Wie das Coronavirus die Wirtschaft beutelt

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von Dominic Benz - Die Krankheit verbreitet sich rasant. Was bedeutet das für die Schweizer Firmen? Und ist der Franken ein «sicherer Hafen»?

Weltweit taumeln die Börsen. Grund ist die weitere Ausbreitung des Coronavirus in asiatischen Ländern und in Europa – auch in der Schweiz. Was bedeutet das Virus für die Schweizer Wirtschaft? Und wie geht es jetzt mit den Börsen weiter? Die wichtigsten Antworten:

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Die Schweiz hat ihren ersten bestätigten Fall des Coronavirus. Die Nachricht löste an der Schweizer Börse am späteren Nachmittag eine Verkaufswelle los. «Der SMI reagiert mit deutlichen Abschlägen auf die weitere Ausbreitung des Coronavirus», sagt Jörn Spillman, Leiter Aktienstrategie bei der ZKB, zu 20 Minuten.
Zum Wochenstart sanken weltweit die Aktienkurse in den Keller. Zwischen 12 Uhr und 15 Uhr bewegte sich der Schweizer Leitindex seitwärts bei rund minus 1 Prozent. Mit der Meldung über den ersten ersten Coronavirus-Fall in der Schweiz sackten die Kurse schlagartig ab. Der SMI notierte um bis zu 2,5 Prozent im Minus und fiel auf ein Jahrestief. Schon am Montag notierten weltweit die Börsen mehrere Prozente im Minus. Damit hat das Virus mit Verzögerung die Aktienmärkte erreicht. Bisher dominierte die Sorglosigkeit: Die Kurse legten trotz Ausbreitung der Krankheit zu. In der Schweiz erklomm der SMI gar Rekordhöhen.
Für Jörn Spillmann ist klar: «Die Unsicherheit an den Märkten wird aber vorerst anhalten.» Einen erneuten massiven Rückschlag wie am Montag erwartet er aber nicht. Vieles hängt laut Spillmann davon ab, wie die europäischen Regierungen das Virus in den Griff bekommen. Je nach dem seien auch steigende Kurse möglich. «Wir die Ausbreitung des Virus eingedämmt, kann der Markt schnell nach oben reagieren.»
Die Anleger sind aus Angst vor dem Virus in Scharen in den als «sicheren Hafen» geltenden Franken geflüchtet: Gegenüber dem Euro ist die Währung auf den höchsten Stand seit über vier Jahren geklettert. Ein Euro kostet derzeit rund 1.06 Franken. Laut Experte Spillmann dürfte sich der Franken aber wieder leicht abschwächen. «Denn die Schweizer Währung gilt zwar als sicherer Hafen auch in Bezug auf das Virus, aber die zuletzt wieder besseren Wirtschaftsindikatoren in der Eurozone sprechen für eine Erholung des Euro.» Gegen eine weitere Franken-Aufwertung dürfte sich die Währungshüter stemmen. «Die Währung ist auf auf einem Niveau, wo die Schweizerische Nationalbank möglicherweise interveniert», sagt Spillmann.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass das Wachstum der globalen Wirtschaft wegen dem Virus um 0,1 Prozent geringer ausfällt. Grund die vielen Geschäfte und Fabriken in China, die vorübergehend geschlossen sind. Das bringt die globale Lieferkette durcheinander. Auch bei der ZKB geht man davon aus, dass das 1. Quartal «sehr schwach» verläuft. Die Verluste könnten allerdings wettgemacht werden. «Wenn sich die Produktion im 2. und 3. Quartal normalisiert, kann es ebenso zu einer schnellen Erholung kommen», sagt Jörn Spillman.
Laut Spillmann leiden vor allem Firmen, die nach China exportieren. Betroffen sind etwa Uhrenhersteller und andere Firmen der Luxusgüterindustrie. «Schon jetzt ist hier der Absatz in Asien geschrumpft», so der Experte. Die weltweite Mode- und Luxusbranche ist von China abhängig. Das Land generiert einen grossen Teil der globalen Nachfrage. Ebenso ist China ist ein wichtiger Produktionstandort. «Wenn mit China ein Glied der Lieferkette ausfällt, leidet auch der Rest der Welt», so Spillmann. Auch die Pharmaindustrie spürt den Ausfall der Produktion in China. «Das Land ist ein wichtiger Zulieferer Grundstoffen für Medikamente.» Einen Rückschlag erfährt laut Spillmann ebenso der hiesige Tourismus. «Die Chinesen bleiben nun zu Hause, da die Airlines Flüge von und nach China gestrichen haben.»
Für Pharmafirmen ist der Coronavirus nicht nur negativ. «Sie profitieren von der derzeit hohen Nachfrage nach Medikamenten», sagt Spillmann. Das grosse Los könnte vor allem die Firma ziehen, die das erste Medikament gegen das Virus entwickelt. Nahe dran scheint Gilead Sciences zu sein. Laut der Weltgesundheitsorganisation ist der Wirkstoff des US-Pharmakonzerns momentan der einzige, der helfen könnte. Die Aktien des Herstellers sind Anfang Woche um bis zu 8 Prozent gestiegen.