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Von Dollars und Doppelmoral

Als im Februar der 54. Superbowl ausgetragen wurde, kam es zu einer Premiere: Erstmals durfte die Tourismusdestination Las Vegas einen TV-Werbespot schalten. Eigentlich sagt das alles aus über die Beziehung zwischen der National Football League (NFL) und dem Sündenpfuhl in Nevada: Sie war kompliziert, gestört durch Missverständnisse und verblüffender Doppelmoral. Der NFL war es jahrzehntelang einigermassen gleichgültig, wenn ihre Spieler häusliche Gewalt ausübten, andere Verbrechen begingen oder nach der Karriere wegen gesundheitlicher Probleme schmerzvolle Tode starben. Die grossen Getränkehersteller durften bei jeder Gelegenheit für Alkoholika werben.

Aber Vegas war tabu, die Stadt hätte ja den ach so familienfreundlichen Anstrich der Liga gefährden können. Noch 2013 weigerte sich die NFL, in Las Vegas schon nur ein Testspiel auszutragen – sie fürchtete, auf die Partie könnte gewettet werden. Das zeugte von einer im Internetzeitalter fast rührend bemerkenswerten Realitätsverweigerung: Alleine 2018 wurden in den USA 95 Milliarden Dollar auf American-Football-Partien gesetzt – bei illegalen Anbietern.

Lange gab es nur ein Farmteam im Baseball

Inzwischen hat die Liga – sehr amerikanisch – entschieden, dass ihr das Geld doch wichtiger als die Moral ist: Sie erlaubte den Oakland Raiders den Umzug nach Las Vegas. Und sie lässt sich inzwischen auch von der Caeasars-Palace-Gruppe sponsern, einem Casinoanbieter. Auch im boomenden Fantasy-Sports-Geschäft, bei dem man virtuelle Teams zusammenstellen kann und je nach Leistung im realen Leben Punkte erhält, mischt die Liga mit. Mit Fantasy Sports werden aktuell in den USA acht Milliarden Dollar umgesetzt, gerade die NFL ist bei den Konsumenten sehr populär.

So kommt es, dass in Las Vegas gedeiht, wofür die Stadt lange eine Wüste war: der Profi-Mannschaftssport. Vegas war die Bühne von grossen Boxkämpfen – Mike Tyson biss hier 1997 Evander Holyfield ins Ohr – aber in den Publikumssportarten hatte die Stadt lange wenig zu bieten; eigentlich nur ein Baseball-Farmteam.

Nun aber blickte die Nation am Sonntagabend gebannt ins 650 Millionen Dollar teure Allegiant Stadium, einen Steinwurf vom weltberühmten Strip gelegen; in «America’s Game of The Week», dem Spiel der Woche, empfingen die Raiders die Tampa Bay Buccaneers um den Quarterback Tom Brady. Die Partie ging verloren, gleich mit 20:45, aber für den Teambesitzer Mark Davis war der Umzug aus dem strukturschwachen Oakland an der Westküste nach Nevada unabhängig von sportlichen Rückschlägen ein Jackpot: Als die Versetzung nach Las Vegas 2016 erstmals ein Thema wurde, war sein Team mit 1,43 Milliarden gelistet, am zweitwenigsten der NFL. Heute beziffert «Forbes» den Wert auf 2,9 Milliarden, die Wertsteigerung ist atemberaubend, die Traumfabrik Vegas macht es möglich.

In der ersten Saison im Stanley-Cup-Final

Das Scheinwerferlicht in der Stadt gehört neben den abgehalfterten Entertainern derzeit ganz den Raiders; sie sind das neue, glänzende Spielzeug dieses Orts, der immer neue Wege findet, der Masse das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass Vegas als Sportstadt funktioniert, beweisen seit 2017 die Vegas Golden Knights. Sie sind das jüngste Expansionsteam der NHL – 2021/22 werden die Seattle Kraken nachziehen. Die Golden Knights waren so durchschlagend erfolgreich, dass die NHL die Lizenzgebühr von 500 auf 650 Millionen angehoben hat. Vegas schaffte es in der Premierensaison in den Stanley-Cup-Final und hat sich atemberaubend schnell als Premiumorganisation etabliert.

Nach dem Massaker vom Oktober 2017 als ein Amokschütze 58 Menschen ermordete, gaben die Golden Knights der Region ein Zusammengehörigkeitsgefühl, eine Stimme, ihre Heimspiele hatten etwas Identitätsstiftendes. Und bei den Anhängern der Gastteams sind Auswärtsspiele bei den Golden Knights eine gute Entschuldigung für ein rauschhaftes Wochenende in Las Vegas.

Es hatte ja diese Befürchtung gegeben, dass die Spieler den Versuchungen der Stadt nicht widerstehen könnten, dass ein Skandal den nächsten jagt, wenn man die Profis in den Stripclubs sichtet. Aber sie rühren von einer antiquierten Weltsicht – und negieren, dass die Metropolregion Las Vegas aus mehr besteht als dem Strip. Die 15 Autominuten von Las Vegas entfernte Stadt Henderson, wo etwa die Golden Knights trainieren, hat 290000 Einwohner.

Viele Sportprofis wohnen dort, der Ort ist das heimliche Herz der Region, die Überdrehtheit des Strips weit weg. Auch die NFL hat das inzwischen realisiert: dass Vegas nicht nur aus Neonlichtern, Hochzeitskapellen, Casinos und Lasterhäusern besteht. Und dass sich hier auch jenseits der Roulettetische richtig Geld verdienen lässt.

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