Switzerland

Vergiftungen: Tox-Zentrum verzeichnet erstmals wieder Rückgang der Beratungen

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über die Telefonnummer 145 39'217 Beratungen durchgeführt, über 36'300 Beratungen zu Giftkontakten und 2870 prophylaktischer Natur, wie Tox Info Suisse am Mittwoch mitteilte. Das waren insgesamt knapp fünf Prozent weniger Beratungen als im Vorjahr.

Über die Jahre hinweg hat die Zahl der Beratungen aber zugenommen. So wurden im 2019 knapp 15 Prozent mehr Beratungen verzeichnet als noch vor zehn Jahren, wie es weiter heisst.

Die grösste Anzahl an schweren und tödlichen Vergiftungen, die 221 Erwachsene und zehn Kinder oder Jugendliche betrafen, sei auf Drogen, Gifttiere und mit Medikamente zurückzuführen. Fünf der sieben Todesfälle gingen gemäss Tox Info Suisse auf das Konto der Medikamentenvergiftungen, und je einer war durch ein Herbizid beziehungsweise durch ein Kosmetikum bedingt. Von den schweren Fällen seien 72 Prozent durch Medikamente und 14 Prozent durch Genussmittel und Drogen verursacht worden.

Knapp 18'000 Giftkontakte hätten Kinder betroffen, meist im Vorschulalter. Fast 90 Prozent der gut 26'900 unbeabsichtigten Vergiftungen seien im häuslichen Milieu geschehen. Bei den knapp 4800 beabsichtigten Intoxikationen seien zwei Drittel im Rahmen von Suizidversuchen aufgetreten.

Durch die vermehrte Verbreitung der Oberflächen- und Händedesinfektionsmittel sei es seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erwartungsgemäss zu einem Anstieg der Expositionen mit diesen Produkten gekommen.

So habe sich seit Anfang März 2020 die Anzahl der Beratungen zu Desinfektionsmitteln mehr als verdreifacht. Durch die Inhaltsstoffe mit Ethanol, Propanol oder Isopropanol seien rauschartige Zustände möglich, schreibt Tox Info Suisse.

Ein weiteres Problem stellten die seit mehr als 15 Jahren in Vielzahl vorhandenen synthetischen Cannabinoide auf dem Drogenmarkt dar. Seit vergangenem Jahr würden diese Stoffe bei Substanzanalysen in Cannabisproben vermehrt auch in der Schweiz gefunden.

Da die Wirkung dieser Drogen sich in Intensität und Qualität von natürlichem Cannabis deutlich unterscheide, komme bei der Giftberatung gelegentlich der Verdacht auf, dass synthetische Cannabinoide im Spiel seien. Leider sei bei keinem dieser Fälle analytisch danach gesucht worden.

Mit 733 Fällen habe die Zahl der Pilzvergiftungen im letzten Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Dies liege einerseits am hohen Pilzaufkommen wegen der günstigen Witterung. Andererseits scheine sich aber auch das Pilzesammeln zunehmender Beliebtheit zu erfreuen. Trotz der gestiegenen Anzahl Fälle sei die Zahl de gefährlichen Vergiftungen mit amatoxinhaltigen Pilzen (meist Knollenblätterpilze) in etwa unverändert geblieben. Trotzdem könne nur dringend auf die Notwendigkeit hingewiesen werden, selbst gesammelte Pilze durch eine Pilzkontrolleur identifizieren zu lassen.

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