Switzerland

UBS-Präsident Axel Weber rechnet vor: Corona-Krise kostet 675 Milliarden – pro Quartal!

An der Coronavirus-Epidemie krankt längst nicht mehr nur die chinesische Wirtschaft. UBS-Präsident Axel Weber (62) warnt in einem Interview mit der US-Nachrichtenagentur Bloomberg davor, die Folgen der Krise auf die Weltwirtschaft zu unterschätzen. «Es wird eine ganze Reihe von Auswirkungen geben, die über das erste Quartal hinausgehen werden», glaubt Weber.

Seinen Schätzungen zufolge werde das globale Wachstum von 3,5 auf 0,5 Prozent massiv sinken, wobei China im ersten Quartal eine negative Wachstumsrate verzeichnen werde.

Panik an den Börsen

Ökonomen haben die weltweite Wirtschaftsleistung für das Jahr 2020 auf rund 90 Billionen Dollar geschätzt. Das war noch vor Ausbruch der Epidemie. Verlangsamt sich also das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Quartal von 3,5 auf 0,5 Prozent, wie Weber schätzt, dann brechen 675 Milliarden Dollar des globalen BIP weg. Also etwa gleich viel wie wenn die Schweizer Wirtschaft ein ganzes Jahr lang stillstehen würde!

Mit der rasanten Ausbreitung des Virus in Italien brach gestern an den europäischen und US-Börsen eine regelrechte Panik aus. Der Schweizer SMI sackte um 3,6 Prozent auf 10'712 Punkte ab. Die Aktien des Personalvermittlers Adecco brachen um 6,7 Prozent ein. Rund fünf Prozent büssten der Elektrotechnikkonzern ABB sowie die Grossbanken UBS und Credit Suisse ein. Vom Abwärtssog erfasst wurden auch der deutsche Dax und der Dow-Jones-Index.

Im Gegensatz dazu glänzte die Krisenwährung Gold. Das Kilo Edelmetall stieg am Mittag auf 53'236 Franken und erreichte damit den höchsten Stand seit sieben Jahren. Nicht nur der Kilopreis steigt, besonders gefragt waren auch Indexfonds, die mit physischem Gold gedeckt sind (ETFs).

Nur noch wenige Desinfektionsmittel

Inzwischen machen sich die Unterbrüche in den globalen Lieferketten auch in Schweizer Regalen bemerkbar. «Erste Hersteller melden Engpässe, Verspätungen und höhere Preise», schreibt das Migros-Onlinewarenhaus Digitec Galaxus auf seiner Website. Atemschutzmasken seien grösstenteils ausverkauft. Desinfektionsmittel und Fieberthermometer habe man noch einige an Lager, aber auch hier zeichneten sich Lieferschwierigkeiten ab.

Bosch habe bei seinen Elektrowerkzeugen Lieferverzögerungen gemeldet, heisst es weiter. iPhones seien kaum mehr an Lager. Digitec Galaxus: «Apple, Samsung und Amazon haben Lieferverspätungen bei Tablets gemeldet, ohne ein Ende des Engpasses zu nennen.»

Zuerst würden italienische Früchte und Gemüse ausbleiben

Was Produkte aus unserem südländischen Nachbarland betrifft: Knapp zehn Prozent aller Importe der Schweiz kommen aus Italien. Mit einer Blockade des Warenverkehrs rechnet derzeit noch niemand. Sowohl Coop als auch Migros geben an, die Lage täglich neu zu beurteilen. Falls die Südgrenze geschlossen wird, dürften laut einem Zürcher Grossimporteur, der Waren an die Detailhändler liefert, zuerst Früchte und Gemüse aus Italien, dann Frischmilchprodukte knapp werden.

Nach Karnevals und Sportevents könnte auch der Autosalon in Genf abgesagt werden. Die Geneva International Motor Show hofft weiter auf die Durchführung, richtet sich aber nach den Vorgaben der Gesundheitsbehörde des Kantons Genf.