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Switzerland

Türke (36) stach zweifache Mutter nieder – sie überlebte: «Er wartete auf meinen letzten Atemzug»

Achtmal sticht Alkan O.* (36) am 30. Juli 2016 mit einem Taschenmesser mit einer 9,8-Zentimeter-Klinge auf Evîn S. (46) ein: Einmal beinahe ins Herz, dreimal in den Oberbauch, die restlichen Stiche treffen Oberschenkel, Arm und Hand.

Das Opfer, das trotz zwei Litern Blut im Bauchraum und Luft in der Brust überlebte, sagt am Montag vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland: «Er stach wortlos zu.»

Es war eine Tat mit Ankündigung. Der Türke zog ein Jahr zuvor mit seiner Tochter (damals 12) zu seiner neuen Partnerin, die ebenfalls zwei Töchter hat. Doch der Haussegen in der Patchworkfamilie hängt von Anfang an schief: Die Mädchen verstehen sich nicht, der neue Mann im Haushalt ist aggressiv, wirft beim Essen auch mal in der Wut den Tisch um.

Vergewaltigt, geschüttelt, gewürgt

Seine Partnerin misshandelt er regelmässig, schüttelt und würgt sie, vergewaltigt sie mehrmals im gemeinsamen Schlafzimmer. In der Anklageschrift steht, dass er sich weder durch ein Nein noch durch Tränen vom erzwungenen Sex abhalten liess.

Die Töchter der Frau bemerken nichts von den Sexualdelikten – aber von der Gewalt. Im Gerichtssaal sagt Kiraz* (21), eine Tochter der Geschädigten: «Ich zog mich in mein Zimmer zurück, wenn sie stritten, deshalb bekam ich nicht viel mit. Doch einmal erzählte meine kleine Schwester, sie hätte gesehen, wie er unsere Mutter würgte. Und ich bemerkte auch die Abdrücke an ihrem Hals.»

Stalking und explizite Morddrohungen

Nach einem Jahr macht Evîn S. Schluss: Alkan O. muss ausziehen. «Meine Mutter wollte die Trennung», sagt die ältere Tochter im Gerichtssaal. «Sie sagte mir, dass er aggressiv war und sie zu viel kontrollierte. Er liess sie auch nicht mehr rausgehen.»

Evîn S. schildert: «Ich durfte nicht einmal mehr mit meinen Freundinnen einen Kaffee trinken gehen. Wenn ich zur Arbeit ging, rief er an, um zu wissen, ob ich angekommen sei. Auch mein Geld hatte er unter Kontrolle – ich hatte keinen Rappen mehr.» Doch vor allem wegen ihrer Mädchen habe sie sich getrennt. «Sie hielten es zu Hause nicht mehr aus, assen nicht mehr mit uns am Tisch und wollten ausziehen. Da wusste ich, dass sich was ändern muss.»

Doch der Türke kann die Trennung nicht verkraften. Er stalkt sie telefonisch, lauert ihr Zuhause auf und droht, sie umzubringen und dabei «keine halben Sachen» zu machen. Er wolle ihr die Kehle durchschneiden oder ihr das Genick brechen. Evîn S. geht zur Polizei – doch diese rät ihr bloss, sich zu melden, wenn etwas vorfalle.

Am Tag der Tat setzt sich der Türke auf eine Bank direkt neben dem Parkplatz seiner Ex. Als sie mit dem Auto vom Einkaufen zurückkehrt und ins Haus geht, holt er sie an der Tür ein.

«Er hat darauf gewartet, dass ich meinen letzten Atemzug mache»

Das Opfer erzählt, er habe einfach zugestochen. «Ich habe etwas Warmes gespürt, das Blut, das rausgelaufen ist. Ich habe mit der Hand versucht, darauf zu drücken.» Sie habe mit Armen und Ellenbogen noch versucht, ihr Herz zu schützen.

Als sie zu Boden geht, bückt sich Alkan O. zu ihr herunter, kommt auf ihre Augenhöhe. «Er hat darauf gewartet, dass ich meinen letzten Atemzug mache», so Evîn. Weil sie befürchtet, dass er ihr nun den letzten Stoss ins Herz versetzen würde, tritt sie ihn zwischen die Beine. Da ergreift der Täter die Flucht.

Während der Tat befindet sich die ältere Tochter in der Wohnung. Als ihre Mutter klingelt und in die Gegensprechanlage schreit, wählt Kiraz den Notruf, rennt die Treppe runter. Kiraz: «Alles war voller Blut: Der Boden und meine Mutter.» Unter Tränen erzählt die 21-Jährige: «Ich habe sie gehalten. Sie hatte die Augen zu und atmete fast nicht mehr.» Alkan O. war bereits verschwunden. Dann seien Ambulanz und Polizei eingetroffen.

Töchter sind traumatisiert

Die zweifache Mutter sagt vor Gericht, dass sie glaubt zu wissen, weshalb Alkan O. sie töten wollte. «Er sagte einmal während eines Trennungsstreits, wenn er mich nicht haben könne, solle mich auch kein anderer haben.» Sie sei froh, die Tat überlebt zu haben. «Ich fühle mich sehr stark und bin froh, dass ich heute die ganze Wahrheit sagen kann.»

Doch ihren Töchtern gehe es nicht gut. «Die Ältere zieht sich zurück und hat null Vertrauen zu Menschen. Die Jüngere hat Depressionen und ist oft aggressiv. Doch ich unterstütze sie, bin stark für sie.»

Der Beschuldigte stritt vor Gericht alles ab – sowohl die Gewalt, als auch die Vergewaltigungen und das Stalking. Dem Opfer gab er eine Mitschuld an der Messer-Attacke, weil es geschrien und ihn angeblich beschimpft hatte. «Sie hatte mich provoziert», sagte der Türke. Trotzdem bereue er die Tat. «Seither ist mein Leben und das meiner Tochter kaputt. Aber ich bin froh, dass sie überlebt hat.»

Staatsanwaltschaft und Verteidiger werden ihre Anträge am Dienstag stellen. Der Türke befindet sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug. Das Urteil fällt am Mittwoch.

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