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Treibt Whatsapp mit seinem Ultimatum die Nutzer zu Threema und Co.? – Termin auf Mitte Mai verschoben

Die Aufregung um die neuen Nutzungsbedingungen ist laut Experten kaum gerechtfertigt. Sie ist der falsche Anlass, um die richtige Frage zu stellen.

Abgesehen von Nerds und Geeks dürfte die Mehrheit bei Whatsapp bleiben. Das Unternehmen hat am Freitag nach der heftigen öffentlichen Kritik das Ultimatum von 8. Februar auf 15. Mai verschoben.

Abgesehen von Nerds und Geeks dürfte die Mehrheit bei Whatsapp bleiben. Das Unternehmen hat am Freitag nach der heftigen öffentlichen Kritik das Ultimatum von 8. Februar auf 15. Mai verschoben.

Jaap Arriens / Imago

Whatsapp stellt seinen Nutzern ein Ultimatum. In diesen Tagen werden sie beim Öffnen der Smartphone-App aufgefordert, den neuen Nutzungsbedingungen zuzustimmen. Tun sie das bis zum 8. Februar nicht, wird ihr Whatsapp-Konto zwar nicht gelöscht. Aber ohne das Einverständnis können sie den mit Abstand populärsten Mitteilungsdienst nach Ablauf der Frist nicht mehr nutzen. In Zeiten, in denen Schulen und Kindertagesstätten via Whatsapp mit Eltern kommunizieren, wäre dies unangenehm.

Netzaktivisten raten davon ab, sich dem Ultimatum zu beugen. Sie sehen die Privatsphäre der Nutzer in Gefahr. Whatsapp könnte künftig mehr Daten mit dem Mutterkonzern Facebook austauschen, geben sie zu bedenken. Im Internet kursieren Aufrufe, Whatsapp zu löschen und auf Alternativen zu setzen. Der Tesla-Chef Elon Musk hat etwa via Twitter Werbung für die Konkurrenz-App Signal gemacht. Neu sind solche Aufrufe nicht. Im IT-affinen Milieu hat Whatsapp ohnehin einen zweifelhaften Ruf – besonders seit der Messenger 2014 von Facebook gekauft wurde.

Bemerkenswerter ist, dass die Aufrufe offenbar Wirkung zeigen. Gewöhnlich interessiert sich die Mehrheit der Normalbürger kaum dafür und stimmt neuen Nutzungsbedingungen routiniert zu. Doch das scheint diesmal anders zu sein. Darauf deuten die Download-Zahlen bekannter Whatsapp-Alternativen wie Signal, Telegram und Threema hin, die in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen sind. Doch sind die Befürchtungen überhaupt berechtigt?

Für Schweizer Whatsapp-Nutzer kann aus mehreren Gründen eher Entwarnung gegeben werden:

  • Der Inhalt der Nachrichten bleibt privat: Die Sorge, dass der Inhalt von Whatsapp-Nachrichten künftig mit Facebook geteilt wird, damit etwa zielgenauer personalisierte Werbeanzeigen geschaltet werden können, ist unbegründet. Die Chats und Anrufe sind «Ende zu Ende»-verschlüsselt. Das wird auch künftig so bleiben. Somit sind die Inhalte weder von Whatsapp noch von Facebook für Werbezwecke verwertbar. Das Gegenteil haben indessen die meisten Whatsapp-Kritiker auch gar nie behauptet.
  • Die Änderung beschränkt sich auf den Kontakt mit Firmen: Werden künftig der Standort des Endgeräts oder die Information, mit welchen Personen man in Kontakt ist, an Facebook übermittelt? Ja und nein. Für gewisse Zwecke geschieht dies bereits heute. Dass mit der neuen Datenschutzrichtlinie deutlich mehr Metadaten zwischen Whatsapp und Facebook hin- und hergeschoben werden dürfen, scheint hingegen nicht der Fall sein. Denn die Kommunikation mit Freunden oder Bekannten betrifft die Änderung laut Whatsapp gar nicht. Es gehe einzig um den Kontakt mit Unternehmen. Die Nutzungsbedingungen präzisierten, welche Daten künftig genutzt werden könnten, wenn Private Nachrichten an Drittfirmen schickten. Ob sie dies überhaupt täten, sei ihnen überlassen. Mit anderen Worten: Wer via Whatsapp keine Firmen kontaktiert, für den ändert sich nichts. So stellt es zumindest die Facebook-Tochter dar.
  • Für Europäer ändert sich kaum etwas: Ein Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) zeigt sich gegenüber der NZZ aus einem anderen Grund relativ unbesorgt. Die Schweiz gehört zwar nicht zur EU, aber aus Whatsapp-Sicht zur Region Europa. Schweizer Nutzer gehen deshalb einen Vertrag mit einer Tochtergesellschaft in Irland ein. Diese ist auch verantwortlich für den Umgang mit den Daten. Das ist laut dem Edöb entscheidend: «Die irische Datenschutzbehörde hat erwirkt, dass Facebook-Unternehmen Daten nicht ohne Zustimmung zu Marketingzwecken verwenden dürfen.» Facebook versichere in den neuen Nutzungsbestimmungen explizit, dass die Daten nicht für eigene Zwecke bearbeitet würden – ausser für die Statistik oder die Verbesserung der Sicherheit. Da in den Nutzungsbestimmungen zudem explizit auf die irische Datenschutzbehörde hingewiesen werde, sehe der Edöb «die Datenweitergabe an Facebook-Unternehmen als beschränkt».
  • Vor allem ein kommunikatives Eigentor: Sachlich scheint die Aufregung um die neuen Nutzungsbedingungen kaum gerechtfertigt zu sein. Jean-Claude Frick, Digitalexperte beim Vergleichsdienst Comparis, teilt diese Einschätzung. Er sagt: «Die Aufregung zeigt, wie extrem schlecht der Ruf von Facebook ist. Konkret ändert sich für Schweizer Nutzer eigentlich nichts.» Die Diskussion habe die Nutzer daran erinnert, dass hinter Whatsapp Facebook stehe. «Und viele Leute trauen diesem Konzern einfach nicht.» Dass eine kryptisch formulierte Änderung nach mehreren Datenskandalen für Wirbel sorgen würde, war vorhersehbar. «So gesehen ist sie vor allem auch ein kommunikatives Eigentor», sagt Frick. Auch das Vertrauen des Edöb in Facebook scheint nicht sonderlich gross zu sein. Er werde Whatsapp für Schweizer Nutzer auf die gemachten Aussagen behaften, teilt ein Sprecher mit.
  • Die Skepsis ist nicht unbegründet: Also alles nur ein Sturm im Wasserglas? Nein, findet auch der Comparis-Experte Frick: «Die Bedenken sind trotzdem berechtigt. Mittelfristig ist es das Ziel von Facebook, die Messenger von Whatsapp, Instagram und Facebook zu vereinheitlichen.» Dass Facebook die Daten verschiedener Plattformen gerne verknüpfen würde, liegt auf der Hand. Je mehr und je bessere Daten der Konzern hat, umso zielgenauer kann er Werbeanzeigen schalten. Zudem versucht Facebook die chinesische Allzweck-App Wechat zu kopieren. Der wichtigste Grundstein dafür ist die Zahlungsfunktion, an der Facebook derzeit arbeitet. Laut dem Facebook-Chef Mark Zuckerberg soll künftig eine Zahlung via Whatsapp so einfach sein wie das Versenden eines Fotos. Das mag zwar für die Nutzer komfortabel sein. Klar ist aber auch, dass die Nutzer für diese Annehmlichkeiten mit (noch) mehr Daten bezahlen dürften.
  • Wer eine Alternative zu Whatsapp sucht, wird problemlos fündig: Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden schwört auf Signal. Das spricht eigentlich für sich: Der Messenger, hinter dem eine gemeinnützige Stiftung steht, achtet besonders stark auf die Privatsphäre seiner Nutzer. Nicht nur die Nachrichten sind verschlüsselt, sondern auch die Absender. Auch beim Schweizer Mitteilungsdienst Threema geniesst Datenschutz oberste Priorität. Anders als bei Signal muss bei Threema keine Telefonnummer hinterlegt werden, damit man ein Konto einrichten kann. In Gegensatz zu Whatsapp und Signal ist der Dienst allerdings nicht gratis: Er kostet beim Download einmalig drei Franken.
  • Der Whatsapp-Ausstieg ist nicht einfach: Die Download-Zahlen von Threema, Signal und Co. sollten nicht überbewertet werden, sagt Jean-Claude Frick von Comparis: «Entscheidend ist, welchen Messenger die Leute im Alltag brauchen. Abgesehen von Nerds und Geeks dürfte die Mehrheit bei Whatsapp bleiben.» Wer den Whatsapp-Gruppenchat des Fussballvereins auf Threema oder Signal verschieben will, muss jedes Mitglied von einem Wechsel überzeugen. Ökonomisch gesehen spielt hier der Netzwerkeffekt für Whatsapp: Die Attraktivität eines Messengers nimmt mit der Zahl anderer Nutzer zu. Der beste Mitteilungsdienst ist nutzlos, wenn ihn nur wenige auf ihrem Smartphone installiert haben. Zusammengefasst lässt sich etwa folgendes Fazit ziehen: Die Änderung der Whatsapp-Nutzungsbedingungen scheint der falsche Anlass zu sein, um eine berechtigte Frage zu stellen.

WhatsApp verschiebt Einführung der neuen Datenschutzregeln auf Mitte Mai

(dpa) Whatsapp verschiebt die Einführung der neuen Datenschutzregeln um gut drei Monate. Jetzt sollen die neue Datenschutzrichtlinie erst vom 15. Mai an gelten, wie WhatsApp am Freitag mitteilte. WhatsApp beklagte die Ausbreitung falscher Informationen darüber, die man bis Mitte Mai verstärkt ausräumen wolle.

Laut WhatsApp geht es bei den Änderungen vor allem darum, bessere Möglichkeiten für Kommunikation mit Unternehmen zu schaffen. An der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der Chat-Inhalte nur für die teilnehmenden Nutzer, aber nicht einmal für Whatsapp selbst im Klartext sichtbar sind, werde nicht gerüttelt. Es gehe auch nicht um eine erweiterte Datenweiterleitung an Facebook. Ausserhalb der EU fliessen Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten – allerdings bereits seit 2016.

Whatsapp ist mit mehr als zwei Milliarden Nutzern der weltweit erfolgreichste Chatdienst, gefolgt vom Facebook Messenger (1,3 Milliarden).

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