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Swisscom-Blackout: «Der erneute Ausfall ist erschreckend»

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Rund einen Monat ist es her, seit die Swisscom den ersten Grossausfall des Jahres melden musste. Auch die Notruf-nummern waren damals betroffen. Nun kam es in der Nacht auf Mittwoch zu einem erneuten Ausfall. Wieder waren die Notrufzentralen nicht erreichbar. Dies sei erschreckend, findet Ralf Beyeler, Telekom-Experte bei Moneyland.

«Natürlich kann es bei jeder Technologie hin und wieder zu Ausfällen kommen. Beunruhigend ist aber, dass es bei der Swisscom nun schon wieder passiert ist», so Beyeler. Im heutigen Zeitalter sei es nicht mehr vertretbar, dass sich die Notfallzentralen auf nur einen Anbieter verlassen müssten. «Es ist an der Zeit, dass sich die Politik eine grundsätzliche Frage stellt: Wie stellen wir sicher, dass die Notrufzentralen immer erreichbar sind?»

«Das kann nicht die Lösung sein»

Eine mögliche Lösung ist laut Beyeler ein sogenannt redundantes System. Dabei würden die Leitungen bei einem Ausfall automatisch auf einen Drittanbieter umgeleitet. «Dies funktioniert bei der Notrufnummer 112 bereits. Hat ein Provider einen Ausfall oder befindet man sich in einem Funkloch seines Hauptanbieters, kann ein Notruf auch über ein konkurrenzierendes Netz abgesetzt werden», erklärt Beyeler.

Das bringt aber nur etwas, wenn auch die Verbindung vom entsprechenden Provider zur Notrufzentrale funktioniert. Da aber die Notrufzentralen nur über das Swisscom-Netz mit dem restlichen Netz verbunden sind und nicht etwa auch über Sunrise oder Salt, konnten auch über 112 abgehende Anrufe ihr Ziel wegen des Swisscom-Ausfalls nicht erreichen.

«Zwar haben die lokalen Behörden wie beispielsweise die Kantonspolizei Zürich über Twitter Handynummern angegeben, die im Notfall gewählt werden können, das kann aber natürlich nicht die Lösung sein», so Beyeler.

Direkt zum Polizeiposten

Mit Problemen der Alarmierung beschäftigt sich auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs). Mediensprecher Andreas Bucher erklärt, wie man sich während eines solchen Ausfalls in einem Notfall verhalten sollte: «Einige kantonale Behörden geben jeweils via die Website Alert.swiss und die App Alertswiss alternative Handynummern bekannt. Fallen diese auch aus, geht man bei einem Notfall am besten direkt und persönlich auf den nächsten Polizei- oder Feuerwehrposten.» Dies setzt natürlich voraus, dass die betroffene Person dazu noch in der Lage ist und die Zeit nicht allzu sehr drängt.

Käme es während eines solchen Ausfalls zu einem grösseren Notfall, von dem viele Bürger betroffen sind, würden ausserdem die krisenresistenten Systeme wie Radio und Sirenen zum Einsatz kommen. «Einige Kantone haben auch sogenannte Notfalltreffpunkte eingerichtet, die aufgesucht werden können», so Bucher. Das Babs sei aber daran, zusammen mit dem Bakom abzuklären, wie man die Notrufsysteme in Zukunft resistenter machen kann.

Auch die Swisscom will für die Zukunft Lösungen suchen: «Wir schauen das Problem mit den Notruforganisationen an und überprüfen gemeinsam mit ihnen ihre alternative Erreichbarkeiten. Wir sind in engem Austausch mit den Behörden und Organisationen und bedauern den Ausfall ausserordentlich», heisst es auf Anfrage.

(doz)