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Switzerland

Stets für dieselbe Firma arbeiten – dem neuen Chef von Georg Fischer macht dies nichts aus

Der Süddeutsche Andreas Müller hat es in 25 Jahren bis an die Spitze des Schaffhauser Industriekonzerns geschafft. An Herausforderungen habe es ihm nie gefehlt.

Fertig verpackte Produkte der Sparte Piping Systems werden bei Georg Fischer in Schaffhausen für den Abtransport bereit gestellt.

Fertig verpackte Produkte der Sparte Piping Systems werden bei Georg Fischer in Schaffhausen für den Abtransport bereit gestellt.

Gaetan Bally / Keystone

Andreas Müller kann sich noch gut erinnern, wie er vor einem Vierteljahrhundert an seinem ersten Arbeitstag die Pforte bei GF Piping Systems in Schaffhausen durchschritt. Der heutige Konzernchef von Georg Fischer (GF) war damals erst 25 Jahre alt und frisch von einem Trainee-Aufenthalt bei einer anderen Firma in den USA nach Europa zurückgekehrt. «Man musste ein Empfangsbüro mit einer Sichtscheibe passieren. Die Büros verteilten sich entlang von langen Fluren, die Mitarbeiter waren meist zu zweit platziert, höchstens einmal zu dritt oder zu viert.»

Aufgefrischte Büros

Inzwischen hat sich viel am Schaffhauser Hauptsitz der Konzernsparte Piping Systems verändert, die Röhrensysteme für Kanalisationsleitungen, Kreuzfahrtschiffe oder Anlagen der Erdöl- und Erdgasindustrie produziert. GF hat dort soeben rund 20 Mio. Fr. in einen umfassenden Umbau investiert, um Platz unter anderem für moderne Grossraumbüros sowie ein Trainingszentrum für Kunden und Mitarbeiter aus aller Welt zu schaffen. Stolz präsentiert Müller den direkt in der Eingangszone eingerichteten neuen Showroom und den – im Obergeschoss gelegenen – Co-Working-Bereich, der heutzutage offenbar in keinem modernen Bürogebäude mehr fehlen darf.

Andreas Müller, Konzernchef von Georg Fischer

Andreas Müller, Konzernchef von Georg Fischer

PD

Und der Firmenchef, arbeitet dieser nun ebenfalls Schulter an Schulter mit seinen engsten Mitarbeitern, oder verfügt er noch über ein traditionelles Einzelbüro? Müller, dessen Arbeitsplatz sich in der nur eine Busstation von GF Piping Systems entfernten Konzernzentrale befindet, sagt, er habe noch ein eigenes, «einfach eingerichtetes» Büro. Der CEO stellt dort, soweit es der Platz erlaubt, Besuchern gerne eine kleine Auswahl der jüngsten Innovationen des Industriekonzerns vor. Laufend Neuheiten hervorzubringen und zu den Technologieführern in den einzelnen Absatzmärkten zu zählen, ist Müller ein grosses Anliegen. Nur so könne eine Firma, die weltweit starkem Konkurrenzdruck ausgesetzt sei, auch langfristig erfolgreich sein und wachsen. GF stellt ausser Röhrensystemen auch Gussteile für Autos sowie Werkzeugmaschinen her.

Seit seinem Antritt als Konzernchef im vergangenen April legt Müller auch viel Wert auf eine offene Kommunikation. Um die Information der rund 15 000 Mitarbeiter zu fördern, richtet er sich vermehrt in Videobotschaften an die Belegschaft. Er besuche zudem in hoher Frequenz Konzerngesellschaften, unterstreicht Müller. Dies setzt eine intensive Reisetätigkeit voraus, ist GF doch mit 140 Tochterfirmen in insgesamt 33 Ländern aktiv. Häufig auf Achse zu sein, macht dem Süddeutschen, der aus Radolfzell stammt, indes nichts aus. Er reise auch privat gerne, betont er. Bei der Ferienplanung sei es natürlich sehr bereichernd, auf lokale Kontakte zurückgreifen zu können. Vor zwei Jahren unternahm Müller mit seiner Familie eine ausgedehnte Reise nach China und Hongkong. Auf Empfehlung lokaler Mitarbeiter hätten sie Orte besucht, die sie ohne deren Hilfe selber wohl nie entdeckt hätten.

Pionierarbeit in China

Gefragt, ob er in all den Jahren nie das Bedürfnis verspürt habe, für eine andere Firma zu arbeiten, antwortet Müller entschieden mit Nein. Es sei ihm bei GF nie langweilig geworden. Müller, der sich in Konstanz an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung zum Betriebswirt hatte ausbilden lassen, begann seine Karriere in der Division Piping Systems als Produktmanager für Fabrikate aus dem Kunststoff Polypropylen. Kurz darauf wurde er für zwei Jahre nach China geschickt, um in der Rolle eines Finanzverantwortlichen das Asiengeschäft für die Sparte aufbauen zu helfen. Er leistete Pionierarbeit zu einer Zeit, in der GF Piping Systems in China noch kaum präsent war. Stolz verweist Müller darauf, dass der damals initiierte chinesische Produktionsstandort heute mit 1 Mrd. Fr. Umsatz knapp einen Viertel zum Konzernerlös beitrage.

Zur Jahrtausendwende wurde der Manager ein zweites Mal von Schaffhausen ins Ausland entsandt. Von 2000 bis 2002 sorgte er als lokaler Geschäftsführer dafür, dass GF Piping Systems in Australien Fuss fasste. Schon am Anfang seiner Laufbahn unternehmerisch tätig zu sein, hat Müller stark geprägt und ihm wohl auch intern frühzeitig grossen Respekt verschafft. Er habe im Verlauf seiner Karriere immer wieder Gesellschaften gegründet und interessante Projekte begleitet, sagt der Konzernchef. Anders als Manager in manchen Grossfirmen habe er nicht auf jedem Posten eine schon etablierte Organisation im Rücken gehabt, sondern habe vielfach erst Aufbauarbeit verrichten müssen. Auch dies erkläre, weshalb er sich bei GF stets ausreichend herausgefordert gefühlt habe.

Vom Finanz- zum Konzernchef

Vor seiner Ernennung zum Konzernchef war Müller während acht Jahren Finanzchef der Division Automotive (heute Casting Solutions, Gussteile). Ab 2017 war er für die Finanzangelegenheiten der gesamten Gruppe zuständig. Nicht überraschend hält der Manager die Tätigkeit als Finanzchef für einen idealen Weg, um sich für das höchste Amt in der Geschäftsleitung vorzubereiten. Anders als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren sei vom Finanzchef einer Firma heutzutage eine hohe «Business-Affinität» gefordert. Ähnlich wie bei GF führten Finanzchefs heute vielerorts auch operative Einheiten, beispielsweise den Einkauf oder die IT-Abteilung. Er sei zudem in der glücklichen Lage gewesen, seinen Vorgänger Yves Serra während zweieinhalb Jahren eng begleiten zu können.

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