Switzerland

Städte wollen Velofahrern und Fussgängern mehr Platz verschaffen

Die Corona-Pandemie hat das Velofahren und den Fussverkehr boomen lassen. Den Rückenwind wollen zwanzig Schweizer Städte nutzen, um diesen Fortbewegungsarten mehr Platz im öffentlichen Raum zu geben – auch auf Kosten der Autos. 

Genf richtete in kurzer Frist wegen Corona neue, breitere Velostreifen ein.

Genf richtete in kurzer Frist wegen Corona neue, breitere Velostreifen ein.

Martial Trezzini / Keystone

Die Corona-Pandemie hat viele Leute dazu gebracht, sich aufs Velo zu schwingen oder zu Fuss zu gehen. Obwohl man weitgehend auf die nähere Umgebung zurückgebunden war, wurden in den Wochen des Lockdowns massiv mehr Kilometer auf zwei Rädern oder zwei Füssen zurückgelegt, während der öffentliche Verkehr gemieden wurde und das Auto oftmals in der Garage blieb. Insbesondere im städtischen Nahbereich zeigte sich deutlich, dass viele Menschen das Velo als Transportmittel wiederentdeckten und dass das Zu-Fuss-Gehen in den Städten in weiten Kreisen beliebter wird.

Diesen Schub wollen die Schweizer Städte nutzen, um den zwei platzsparenden, leisen und  gesundheitsfördernden Fortbewegungsarten dauerhaft mehr Gewicht zu geben. Die Corona-Krise habe die wirklichen Potenziale des Zu-Fuss-Gehens und des Velofahrens deutlich gemacht, teilte die Städtekonferenz Mobilität (SKM) mit, in der 20 der 54 Schweizer Städte zusammengeschlossen sind. «Aus dem ungewollten Feldversuch gilt es die entscheidenden Erfahrungen mitzunehmen und den Rückenwind zu nutzen», sagte der Luzerner Stadtrat und SKM-Präsident Adrian Borgula an einer Videokonferenz, an der er zusammen mit den Amtskollegen von Zürich, Bern, Basel, Neuenburg und Freiburg ein Positionspapier der Städte zum Velo- und Fussverkehr vorstellte. Heute müssten sich Fussgänger sowie Velofahrende vielerorts mit «Restmengen des Strassenraums» zufrieden geben. Dies müsse sich ändern. Die zwei elementaren Fortbewegungsarten müssten einen grösseren Anteil an den Verkehrsflächen erhalten. 

Parkplätze aufheben

Das Velo ist laut der SKM nach Tram und Bus das effizienteste Verkehrsmittel, um auf wenig Fläche viele Leute durch die Städte zu bringen. Es brauche aber durchgängige, sichere und wegen der steigenden Zahl von Velofahrenden, Elektrovelos, E-Trottinetts und  neuartigen Gefährten wie Velotaxis und Cargo-Bikes auch breitere Velowege. «Wenn wir unsere Städte erreichbar halten wollen, müssen wir gewisse Flächen freispielen für den Fuss- und Veloverkehr». Das sind in erste Linie Parkierungsflächen, sagte Borgula. Gut akzeptiert werde, wenn die Aufhebung von Parkfeldern der Verkehrssicherheit diene und in Begegnungszonen. Es sei nicht so, dass die Städte die Leute zum Velofahren erziehen wollten, sondern umgekehrt, dass die Leute mehr Velo führen und deshalb mehr Platz verlangten, betonte der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels. In Schweizer Städten stehe dem Auto in aller Regel aber nur eine Spur pro Richtung zu Verfügung. Deshalb könne praktisch nur beim ruhenden Verkehr Raum gewonnen werden. Der urbane Verdichtungsprozess gehe zwangsläufig dahin, Parkplätze aus dem öffentlichen Raum unterirdisch in private Areale zu verlegen. 

«Die Velos wurden zu lange vernachlässigt in der Verkehrsplanung», kritisierte auch der Zürcher Stadtrat Richard Wolff. Den Platz wolle man aber nicht anderen klimaverträglichen Verkehrsträgern wegnehmen, also nicht bei den Trottoirs oder bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. «Deshalb bleibt uns nichts anderes, als die Velo-Infrastruktur auf Kosten von Parkplätzen und Fahrspuren zu verbessern.» Zudem sei Tempo 30 generell in den Innenstädten ganz wichtig für die Förderung des Velos, sagte Wolff. Denn dadurch werde der Unterschied der Geschwindigkeiten zwischen Autos und Velos geringer und das Velofahren sehr viel angenehmer und sicherer. 

Mehr Geld und verbindliche Fristen

Die Städtekonferenz Mobilität begrüsst das Veloweggesetz, das der Bund nach der überwältigend deutlichen Annahme des Verfassungsartikels zur Velowegförderung vor anderthalb Jahren ausgearbeitet und Mitte Mai in die Vernehmlassung geschickt hat. Die darin vorgesehene Planungspflicht biete Gewähr, dass nicht nur Fuss- sondern auch Velowege zusammenhängend und grenzüberschreitend geplant würden. Dies sei vor allem in Agglomerationen wichtig. Das Ziel durchgehender und sicherer Velowege dürfe jedoch nicht auf die lange Bank geschoben werden, wie es bei den Fuss- und Wanderwegen der Fall gewesen sei. Um den Vollzug sicherzustellen, müsse der Bund eine konkrete Frist für die Umsetzung durchgehender Netze setzen. «Fünf bis zehn Jahre für die Umsetzung müssten eigentlich reichen», sagte Borgula.

Zudem fordert die SKM, dass der Bund sein finanzielles Engagement im Rahmen von Agglomerationsprogrammen zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs verstärkt, um die Realisierung von attraktiven Fusswegen und Velorouten inklusive Abstellplätze zu beschleunigen. Welche Summen sich die Städte dabei vorstellen, liess die SKM offen, unter anderem weil bei den Agglomerationsprojekten eine genaue Zuordnung der Mittel zu einzelnen Verkehrsträgern nicht einfach möglich sei. Statt wie heute jährlich 390 Millionen Franken könnte der Bund jedoch 445 bis 560 Millionen Franken für den Agglomerationsverkehr zur Verfügung stellen, was eine erhebliche Beschleunigung für Investitionen in den Fuss- und Veloverkehr bewirken würde.

Ferner verlangen die Städte, dass der Bund unbürokratisch Pilotprojekte ermöglichen soll, welche gute Lösungen anschaulich machen. Bei Autobahnanschlüssen und -zubringern in Städten und Agglomerationen, die auch wichtige Achsen für den Fuss- und Veloverkehr sind, soll er darauf hinwirken, dass dort den Bedürfnissen der zu Fuss Gehenden und Velofahrenden entsprochen wird.

Neben durchgehenden Routen sind im öffentlichen Raum auch mehr Abstellplätze für Velos und Aufenthaltsräume für Fussgängerinnen und Fussgänger vorzusehen – beide Faktoren sind laut SKM für die Attraktivität dieser Fortbewegungsarten wesentlich. Hier sind auch Normen anzupassen. Zudem sollen Verbindungen des Fuss- und Veloverkehrs sowie Mietvelos wenn immer möglich in Apps eingebunden werden, die Transportketten aus verschiedenen Verkehrsträgern vermitteln. Sie können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass alle Fortbewegungsarten ihre Stärken entfalten können.

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