Switzerland

«Sorgfaltspflichten verletzt» – eine Rüge an die Bank Syz zeigt, welch schmalen Grat die Schweizer Banken betreten, wenn sie Kunden in Schwellenländern suchen

Weil Europäer zu wenig Geld einbringen, drängen Privatbanken vermehrt nach Lateinamerika und Afrika. Wer dabei nicht aufpasst, gerät rasch mit dem Geldwäschereigesetz in Konflikt.

Die Bank Syz hat bereits selbständig Massnahmen eingeleitet, um ihre Geldwäschereikontrolle zu verbessern.

Die Bank Syz hat bereits selbständig Massnahmen eingeleitet, um ihre Geldwäschereikontrolle zu verbessern.

Denis Balibouse / Reuters

Die Finanzmarktaufsicht (Finma) hat die Genfer Privatbank Syz gerügt, weil sie mehrfach gegen Geldwäschereibestimmungen verstossen hat. Die Bank hat bei einem sehr bedeutenden Kunden aus Angola zum einen zu wenig genau abgeklärt, weshalb sein Vermögen plötzlich stark gestiegen ist. Dies, obwohl die Bank wusste, dass der Kunde politisch exponierten Personen (PEP) nahesteht und sie bei ihren Geldwäschereiabklärungen zu erhöhter Sorgfalt verpflichtet ist. Zum anderen hat die Bank Syz bei mehreren grossen Transaktionen des Kunden – gemäss Finma teilweise über mehrere Dutzend Mio. Fr. – keine oder zu wenige Abklärungen getroffen, um Geldwäscherei vorzubeugen.

Massnahmen schon ergriffen

Die Bank Syz teilt mit, dass sie der Einhaltung der Vorschriften gegen Geldwäscherei grösste Bedeutung zumesse. «Leider haben sich die eingerichteten Verfahren für eine bestimmte Geschäftsbeziehung als unzureichend erwiesen.» Der Sprecher der Bank betont auf Anfrage, dass die Finma damit keine generelle Kritik an den Kontrollsystemen der Bank übe. Man habe zudem bereits aus eigenem Antrieb Massnahmen eingeleitet, um die Systeme zu verbessern. Wie diese Vorkehrungen genau aussehen, wollte die Bank nicht weiter ausführen, «aus Vertraulichkeitsgründen».

Tatsächlich anerkennt die Finma, dass die Bank Syz den Verdachtsfall der zuständigen Behörde gemeldet und interne Massnahmen getroffen hat, «die geeignet scheinen, den ordnungsgemässen Zustand wiederherzustellen». Ob diese Massnahmen griffen, werde ein unabhängiger Beauftragter im Rahmen der üblichen Aufsicht kontrollieren. Die Finma hat das Enforcement-Verfahren, das sie bereits im Februar aufgenommen hatte, mit der jetzigen Rüge abgeschlossen.

Gemessen an der Tonalität im Schreiben der Finma ist der jetzige Fall denn auch nicht zu vergleichen mit der scharfen Rüge, welche sie Julius Bär im Februar wegen jahrelanger Verstösse gegen die Geldwäschereibestimmungen erteilt hatte.

Für die Privatbank ist die Rüge dennoch unschön. Der jetzige Problemfall geht auf das Jahr 2015 zurück, als die Bank Syz die hiesigen Aktivitäten und Kunden der Royal Bank of Canada übernommen hatte. Es handelte sich vor allem um Kundschaft aus Lateinamerika und Afrika, zu ihr zählte auch der reiche angolanische Geschäftsmann. Er gehörte zu den wichtigsten Kunden der Bank Syz, die Ende 2019 knapp 25 Mrd. Fr. an Vermögen verwaltete.

Zwischen Hammer und Amboss

Die Rüge wirft ein Schlaglicht auf die schwierige Lage der Schweizer Vermögensverwalter: Auf der einen Seite kämpfen sie seit Jahren mit schwachen und abnehmenden Gewinnmargen. Das Ende des Bankgeheimnisses und die Einführung des automatischen Informationsaustauschs mit zahlreichen Ländern führten dazu, dass es den Privatbanken deutlich schwerer fällt als früher, mit ihrer traditionellen Klientel etwa aus Europa viel Geld zu verdienen.

Früher konnten ausländische Kunden mit einem Schweizer Bankkonto einen grossen Gewinn für sich erzielen, wenn sie ihr Vermögen vor den Steuerbehörden versteckten. Sie nahmen überhöhte Bankgebühren daher klaglos hin. Heute verlangen steuerehrliche Kunden bessere Konditionen von ihrer Bank. Da kein Mantel der Verschwiegenheit mehr über die Bankbeziehung gebreitet werden muss, können die Kunden auch viel leichter zur Konkurrenz wechseln. Und diese ist lebhaft: Noch immer gibt es rund hundert Privatbanken in der Schweiz, die um das Vermögen reicher Schweizer und Ausländer buhlen; von anderen Finanzplätzen ganz zu schweigen. Das drückt auf die Margen, ebenso wie das seit Jahren anhaltende Niedrigzinsumfeld.

Viele Schweizer Privatbanken haben seit dem Ende der alten Bankenwelt noch kein anderes tragfähiges Geschäftsmodell gefunden und schlagen sich mehr schlecht als recht durch, wie Studien von Beratungsunternehmen regelmässig zeigen. Es liegt auf der Hand: Je schwächer ein Institut finanziell aufgestellt ist, desto grösser ist die Versuchung, bei einem wichtigen Kunden eine Fünf gerade sein zu lassen.

Manche Banken sind auf der Suche nach Erträgen und Wachstum in den letzten Jahren nach Lateinamerika, Afrika oder in den Nahen Osten vorgestossen – unter anderem die Bank Syz. Daran ist nichts Verwerfliches. Doch ist in korruptionsanfälligen Ländern die Gefahr, einen «unsauberen» Kunden aufzunehmen, grösser als hierzulande. Bedeutende Vermögen entstehen oft nicht (nur) dank Fleiss und Talent, sondern auch dank engen Beziehungen zur politischen Führung.

Das Schweizer Geldwäschereigesetz verlangt deshalb, dass die Banken auch bei Geschäften mit Personen, die den PEP «aus familiären, geschäftlichen oder persönlichen Gründen erkennbar nahestehen», besondere Sorgfalt walten lassen. Doch wer ist bloss ein flüchtiger Bekannter des Präsidenten, wer ist sein guter Freund? Es braucht gute Kenntnisse über ein Land, um solche Unterscheidungen zu treffen; die Compliance-Abteilung einer Bank muss deren Expansionsdrang gewachsen sein.

Mehr Kontrollen, mehr Meldungen

Der Finma ist dieser Run auf Schwellenländer nicht verborgen geblieben. Ab 2016 verstärkte sie ihre Aufsicht und forderte die Banken auf, vermehrt verdächtige Transaktionen und Kundenbeziehungen zu melden. Bei einer Reihe grösserer Geldwäschereiskandale – um den Staatsfonds 1MDB in Malaysia, um die Erdölfirmen Petrobras in Brasilien und PDVSA in Venezuela – waren damals auch Schweizer Institute involviert, was den Finanzplatz in einem schlechten Licht dastehen liess.

Dieser Ruf zählt einiges, denn auf internationaler Ebene hat sich der Kampf gegen Geldwäscherei verschärft: Die Financial Action Task Force on Money Laundering führt regelmässig Länderexamen durch, in welchen die Schweiz in letzter Zeit weder positiv noch negativ besonders auffiel. Ins letzte Drittel abzurutschen, wollen die Behörden und die Banken aber tunlichst vermeiden; das Reputationsrisiko wäre schlecht fürs Geschäft.

Der Aufruf der Finma fruchtete, die Zahl der Geldwäschereimeldungen hat seit 2016 stark zugenommen. Im Zuge der neuesten, durch ein Medienkonsortium bekanntgemachten Lecks (FinCen Files) ist indes vermehrt die Frage aufgeworfen worden, ob die Schweizer Geldwäscherei-Meldestelle zu schwach dotiert sei, um die Flut an Verdachtsmeldungen überhaupt zu bewältigen. Dieses Problem liegt indes ausserhalb des Einflussbereichs einer einzelnen Bank.

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