Switzerland

«Sobald die Konkurrenten eine faire Chance haben, wird Google auf einen Schlag 20 Prozent seines Marktanteils verlieren»

Gabriel Weinberg macht Google und Co. mit seiner Suchmaschine DuckDuckGo immer mehr Konkurrenz. Im Gespräch erklärt er, wieso er auf den diskreten Umgang mit persönlichen Daten so viel Wert legt und warum er vehement für regulatorische Eingriffe ist.

Ist Google bei der Internetsuche bald nicht mehr das Mass aller Dinge?

Ist Google bei der Internetsuche bald nicht mehr das Mass aller Dinge?

Charles Platiau / Reuters

Manche interessante Geschichte beginnt an einem unscheinbaren Ort. Etwa in Paoli, einem Dorf nordwestlich von Philadelphia. Wer dort nach einer halbstündigen Fahrt aus dem Zug steigt, stösst hinter ein paar Läden, einem Diner, einem Autohändler sowie einer netten Dorfkneipe mit delikater Zwiebelsuppe und eindrucksvollem Biersortiment auf ein Bürogebäude, das von vorne aussieht wie ein kleines Schloss – und dort hat DuckDuckGo offiziell seinen Hauptsitz.

DuckDuck – wer? DuckDuckGo. Das ist eine alternative Internet-Suchmaschine, die im Gegensatz zum Platzhirschen Google zumindest so tut, als würde sie nicht alles wie ein «Datenstaubsauger» aufzeichnen, was sich auf ihrer Website und drumherum so tut.

Verwegen: mit einem Floss gegen den Supertanker

DuckDuckGo – der Name klingt vielleicht etwas verrückt. Und so hat es mit der Suchmaschine im Jahr 2008 auch angefangen. Damals kam der junge Programmierer Gabriel Weinberg nach dem Verkauf eines Startups für 10 Mio. $ auf die verwegene Idee, Google und C0. Konkurrenz zu machen. Der studierte Physiker hatte in der Provinz von Pennsylvania beobachtet, «wie die Suchmaschinenanbieter die Bewegung ihrer Nutzer im Internet verfolgen, die protokollierten Daten in grossem Stil an Vermarkter verkaufen und wie sie ihre Seiten personalisieren und mit Werbung überfrachten».

Er dachte, die Konsumenten würden das auf Dauer nicht akzeptieren, und wollte ihnen eine Alternative bieten. Seine Frau zweifelte zunächst an seinem Verstand, als er dann tatsächlich im Keller seines Hauses anfing, als Einzelunternehmer eine «diskrete Suchmaschine» zu entwickeln. Wie sollte jemand im Alleingang gegen eine Supermacht wie Google ankommen? Und dann auch noch mit diesem Namen, den er von «Duck, Duck, Goose», also einem Kinderspiel so ähnlich wie «Der Fuchs geht um» oder «Der fliegende Holländer», abgeleitet hatte?

«Simply Duck» – eine puristische Suchmaschine

Allerdings ist seine Vision bestechend. Sie klingt wie eine Hommage an die Anfänge des heutigen Internetriesen aus Mountain View. «Wir sammeln keine Informationen darüber, wie sich die Nutzer im Web bewegen, wir verknüpfen Ergebnisse nicht mit früheren Suchanfragen, wir halten keine relevanten Informationen zurück, und wir kleistern das Ganze nicht mit Werbeanzeigen zu», sagt der fast 42-Jährige im Gespräch. «Simply Duck» ist also eine puristische Suchmaschine, wie Google in seinen Anfangszeiten.

Damals hatte die Mundpropaganda vor allem unter gebildeten, meist technisch orientierten Personen zu enormem Wachstum geführt, und genau das scheint sich nun beim kleineren Konkurrenten zu wiederholen – wenn auch etwas langsamer. Geschwindigkeit hat bei diesem offensichtlich nicht oberste Priorität. «Wir sind seit 2014 profitabel, der Traffic wächst inzwischen exponentiell, und jüngst hatten wir mit 82 Mio. Suchanfragen unseren besten Tag», erzählt Weinberg mit stolzem Unterton.

Das klingt nicht nach besonders viel, schliesslich bewältigt Google das 40-Fache. Aber Zahlen sind manchmal wie Schall und Rauch. «Unser Marktanteil wird um bis zu 50% unterschätzt, weil wir Mechanismen unterdrücken, die zur Erfassung der Daten nötig wären», argumentiert der jugendlich wirkende Chef von DuckDuckGo und fügt an: «Wir verpassen noch viele potenzielle Nutzer – aber nicht etwa aufgrund der Qualität der Suchergebnisse, sondern weil es auf vielen Geräten noch zu umständlich ist, uns als Standard zu wählen.»

Gabriel Weinberg, Gründer und Chef der Suchmaschine DuckDuckGo

Gabriel Weinberg, Gründer und Chef der Suchmaschine DuckDuckGo

PD

Auf Anhieb zur entscheidenden Antwort

Die Suche liefere manchmal bessere und manchmal schlechtere Resultate als Google, jedoch sei die Qualität gut und konzentriert. «Wir wollen eine Suchmaschine haben, die die Leute schnell und pur nutzen können. Jede Anfrage führt für jeden zum selben Ergebnis, und um das zu erreichen, arbeiten wir mit bekannten Partnern wie Wikipedia, Yahoo, Bing, Wolfram Alpha, Yelp, Apple oder auch mit Yandex zusammen.» Wenige kuratierte Informationen sollen möglichst auf Anhieb zum Ziel führen.

«Wenn Sie bei der Ergebnisanzeige die ersten drei Links kontrollieren, haben Sie rund 90% der Suchanfragen im Griff», argumentiert Weinberg und ergänzt selbstkritisch, wer nur sporadisch hereinschaue, erhalte vielleicht einen falschen Eindruck vom Leistungsvermögen von DuckDuckGo. Aber alles in allem «machen wir eine enorme, aufgestaute Nachfrage nach unseren Diensten aus».

Solche Vorsätze klingen gut, wie aber verdient DuckDuckGo dann Geld? «Ganz einfach», erklärt Weinberg, «mit kontextuellen Werbeanzeigen. Sobald jemand etwa nach Kopfhörern oder nach einem Auto sucht, blenden wir entsprechende Angebote im Umfeld der Ergebnisanzeige ein.»

Bei Google sei das im Grunde genommen gleich. Nur verdiene der Internetmoloch das grosse Geld mit verhaltensbasierter Werbung. «Google und Facebook sammeln wie wild Daten, um immer genauere Profile von ihren Nutzern zu erstellen. Nach algorithmischen Verhaltensanalysen spielen sie ihnen zielgenau Werbematerial zu, was sie wiederum zum Kauf bestimmter Produkte verleiten soll. Der Erfolg dieser Methodik hat dem Rest des digitalen Werbemarktes fast den gesamten Sauerstoff entzogen», so Weinberg.

Google und Co. entziehen dem Werbemarkt den Sauerstoff

Und er hat gleich eine Lösung für das Problem. «Was gut wäre für den Schutz der persönlichen Daten, würde auch das digitale Werbegeschäft wiederbeleben. Sollten die Konsumenten mit einem Klick in ihrem Browser grundsätzlich zustimmen müssen (Opt-in), dass Informationen über ihr Verhalten im Internet von Facebook, Google und Co. erfasst und vermarktet werden, dann würde die Hälfte von ihnen genau das nicht tun. Damit würden sie auf einen Schlag als Zielobjekte für die verhaltensbasierte digitale Werbung ausfallen.»

Mit einem derartigen Opt-in liessen sich also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Auf der einen Seite würden persönliche Daten der Internetnutzer besser geschützt werden. Auf der anderen Seite könnten die grossen Internetkonzerne ihre Marktmacht nicht mehr so wie bisher ausspielen, indem sie die Konsumenten auf ihren Abenteuern im Internet auf Schritt und Tritt beobachten, die gewonnenen Informationen analysieren und das Resultat gegenüber der Werbeindustrie vermarkten.

«Denn derzeit kann im Wettbewerb um verhaltensorientierte Daten niemand mit Google und Facebook mithalten. Ändern sich jedoch die Spielregeln, kommen wieder andere Werbeunternehmen oder gar normale Softwareunternehmen ins Spiel.»

Google dominiert

Anteile am globalen Suchmaschinenmarkt (%)

Q1 2010Q2 2020020406080100

Gabriel Weinberg plädiert für regulatorische Vorgaben. «Die Konsumenten müssen auf ihren Geräten jede beliebige Suchmaschine mit einem Klick als Standard einrichten können», fordert er und geht noch einen Schritt weiter: «Die Internetsurfer sollen dem Betreiber einer Website durch das Umlegen eines Schalters im Browser verbindlich verbieten können, private Daten zu sammeln und zu verkaufen.» Um das «first party tracking» zu begrenzen, hat DuckDuckGo in den USA die Do Not Track Act von 2019 mit auf den Weg gebracht und zählt zu den Gründungsmitgliedern von Global Privacy Control, die sich um den Schutz privater Daten kümmert.

Renaissance für kontextbezogene Werbung?

«Wir können bei der Suche mit Riesen wie Google und Facebook mithalten, aber unser Marktanteil wird künstlich gedrückt. Sobald wir und andere Konkurrenten eine faire Chance haben, wird Googles Marktanteil aufgrund der aufgestauten Nachfrage ad hoc um etwa 20% fallen», schätzt Weinberg. Für die digitale Werbung gelte dasselbe. «Wenn Firmen wie Google und Facebook mit ihren verhaltensorientierten Methoden nicht mehr länger den gesamten Sauerstoff in diesem Marktsegment verbrauchen, wird die kontextbezogene Werbung eine Renaissance erleben.»

DuckDuckGo verkauft sich als Datenschutzunternehmen. Nachdem es vor zwölf Jahren mit der Entwicklung einer anonymen, sicheren Internetsuchmaschine angefangen hat, bietet es heute zusätzlich verschiedene Apps und Browser-Erweiterungen an, mit denen Internetsurfer ihre privaten, vertraulichen Daten schützen können. Die Firma beschäftigt derzeit knapp 120 Mitarbeiter, die in aller Welt verstreut sind. Am eigentlichen Hauptsitz in Paoli, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Philadelphia, sei kaum noch jemand anzutreffen, erzählt Gabriel Weinberg.

Er legt Wert auf seine Vorliebe für eine einfache, kleine und eher schlanke Organisationsstruktur und die Zusammenarbeit mit Partnern. «Diese Kombination versetzt uns in die Lage, auch grössere Investitionen zu stemmen, falls der Suchmaschinen- und der digitale Werbemarkt in Bewegung geraten sollten.» Apple zum Beispiel interessiere sich stark für neue Werbeformen. Gerüchte, wonach der Technologieriese an einer Übernahme von DuckDuckGo interessiert sein könnte, bezeichnet Weinberg «im Moment» als phantasievolle Spekulation. Einen Börsengang schliesst er langfristig nicht aus.

Kartellrechtliche Verfahren sind nötig

Mut macht ihm, dass sich immer mehr Konsumenten und Firmen auf den Schutz vertraulicher Daten fokussieren. Das eine oder andere Startup konkurriere mit Google oder Google Analytics, und «wir dürften im Laufe der Zeit mehr davon sehen». Allerdings seien in verschiedenen Marktsegmenten zweifellos kartellrechtliche Verfahren nötig, um sie für den Wettbewerb zu öffnen. Das gelte auf jeden Fall für die Internetsuche und für die digitale Werbung. «Die jüngsten Hearings in den USA und der Android-Fall in Europa zeigen, dass die Probleme nun aufgegriffen werden.» Gut sei, dass beide grossen amerikanischen Parteien mit im Boot seien. «Datenschutz und Kartellrecht – das sind tatsächlich die wenigen Bereiche, die die Republikaner und die Demokraten schon in der Vergangenheit zusammengebracht haben.»

Football news:

Arteta über Özil: es Ist immer traurig, wenn Eine solche Figur verschwindet
Alaba wechselt im Sommer zu Real Madrid. Ein Vertrag über 4 Jahre ist vereinbart, ein Gehalt von rund 11 Millionen Euro (Marca)
Stefano Pioli: In der Tabelle sehen wir uns im April an. Für Milan ist jedes Spiel das wichtigste
Zlatan Ibrahimovic: zusammen mit Mandzukic werden wir Milan-Gegner erschrecken. Nach dem 2:0-Sieg über Cagliari Calcio hat Milan-Stürmer Zlatan Ibrahimovic im Team von Neuzugang Mario Mandzukic einen Vertrag unterschrieben
Milan erzielte 43 Punkte in 18 Runden-das beste Ergebnis seit der Saison 2003/04. Das Team von Stefano Pioli führt die Tabelle der Serie A an, hat 43 Punkte in 18 spielen und liegt 3 Punkte vor dem Zweitligisten Inter Mailand
Aubameyang hat zum ersten mal in der Saison einen Doppelpack erzielt. Paris (dpa)-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang hat den ersten Assist für Arsenal geholt
Chelsea will Holland im Sommer kaufen und ist bereit, seinen transferrekord (the Athletic) zu brechen