Switzerland

«So kickt die Schweiz»: Der FCZ gewinnt mit neuem Trainer, ein Spieler aus der Challenge League bringt Resolutheit — und GC erzielt einen versöhnlichen Siegtreffer

Weil sich nun nebst dem FC Basel auch der FC Sion in Quarantäne befindet, können am Wochenende nur drei der fünf angesetzten Super-League-Partien stattfinden. Wissenswertes, Legendäres und Spannendes zum Schweizer Fussball gibt es ab sofort in «So kickt die Schweiz».

Auf nzz.ch/sport finden Sie an dieser Stelle täglich Legendäres, Statistisches und Aktuelles aus der höchsten Schweizer Fussballliga – alles wohlgeordnet und kurz nach Schlusspfiff aktualisiert. Willkommen bei «So kickt die Schweiz».

Einstand geglückt: Der FCZ gewinnt unter Massimo Rizzo erstmals.

Einstand geglückt: Der FCZ gewinnt unter Massimo Rizzo erstmals.

Gian Ehrenzeller / Keystone

1396 Zuschauer. – Tore: 6. Sobiech 0:1. 41. Tosin 0:2. 68. Ceesay 0:3. 74. Schmied 1:3. 78. Kramer 1:4. — Der erste Sieg der Zürcher in dieser Meisterschaft war zweifellos verdient, und doch zeigte der Match auch, dass der Weg zum angestrebten Selbstverständnis noch weit sein könnte. Es kann auf lange Sicht nicht die Ambition des FCZ sein, sich in der Offensive vor allem auf das Lauern zu konzentrieren. Und hätten die Vaduzer in manchen Situationen ihr Spiel schneller verlagert, hätten sie den Gast vor Probleme stellen können.

Das ist uns aufgefallen: Könnte es sein, dass das Glück des FC Zürich ist, dass der Trainer Ludovic Magnin einen Plan in einer Schublade vergass, als er vor drei Wochen sein Büro räumen musste? Wer das Team im Vaduzer Rheinpark sah, könnte auf eine solche Idee kommen. Denn sein Nachfolger Massimo Rizzo, mindestens Chefcoach ad interim, behalf sich im Kellerduell einer Strategie, zu der schon Magnin gerne gegriffen hatte, wenn sich der FCZ in der Tabelle in Bedrängnis befand. Sie lautet: Sich einigeln, auf Fehler des Gegners warten, schnell kontern. Mit diesem Plan haben die Zürcher in der vergangenen Saison die St. Galler Meisterträume zerstört.

Nun mag es seltsam anmuten, wenn ein selbsternannter Spitzenklub wie der FCZ gegen den Underdog der Liga zu diesen eher uninspirierten Mitteln greift – aber die Taktik von Rizzo ging vollends auf, auch weil sein Team in der ersten Halbzeit effizient war. Aus den ersten zwei ernsthaften Chancen resultierten zwei Tore: Benjamin Kololli zirkelte einen Corner auf Lasse Sobiech, und der lange Deutsche demonstrierte seine Kopfballstärke. Kurz vor der Pause war es dann Aiyegun Tosin, der einen Konter abschloss. Voran ging eine starke Balleroberung des aus der Challenge League verpflichteten Ousmane Doumbia. Das 3:0 fiel fast nach dem gleichen Muster. Auch diesem Tor lag ein erfolgreiches Forechecking Doumbias zugrunde. Seine Widerstandskraft und Resolutheit tut dem FCZ gut. Die fehlende Leidenschaft war bei Magnins Dernière das grösste Manko gewesen. (ac.)

2380 Zuschauer. – Tore: 45. Gjorgjev 1:0. 48. Pollero 1:1. 90. Schmid 2:1.– GC kann nach zuletzt zwei Niederlagen wieder gewinnen. Der Aufstiegskandidat brauchte dafür mehr Glück und Geduld, als ihm lieb sein konnte.

Das ist uns aufgefallen: Es ging den Grasshoppers bis zur 90. Minute nicht besonders gut. Der Saisonstart war ihnen mit drei Siegen zwar gelungen, aber jetzt sahen sie wieder aus, wie sie nicht aussehen wollen: wie ein zusammengetrommeltes Ensemble, das gerade wenig Spass am Zusammenspielen zu haben scheint. Zum Glück konnten sich die Zürcher Fans an einem alten Feindbild abmühen und den Schaffhauser Goalie David Da Costa auspfeifen, der früher lange für den FC Zürich gespielt hatte. Aber eigentlich hätte der Unmut eher der eigenen Mannschaft gelten sollen, die sich zuerst mit ihrem Stand-Fussball zu langweilen schien und dann viel zu wenig unternahm, um nach zuletzt zwei Niederlagen wieder ein Spiel zu gewinnen.

Der eingewechselte Dominik Schmid verhinderte kurz vor Schluss mit einem versöhnlichen Distanzschuss, dass GC nicht früh in der Saison in eine Sinnkrise gerät. Die Grasshoppers sind nun punktgleich mit Lausanne-Ouchy Leader in der Challenge League. Aber wie ein Spitzenteam spielten sie meistens nicht. Der Trainer João Carlos Pereira sagte: «Wir waren am Anfang sehr nervös, konnten uns aber mit zunehmender Spieldauer steigern.» (fcl.)

bko. Am Wochenende werden bloss drei der fünf angesetzten Super-League-Partien stattfinden: Vaduz - Zürich und Lugano - St. Gallen am Samstag, YB - Luzern am Sonntag. Basel - Lausanne und Sitten - Servette fallen hingegen aus, da sich die Teams des FC Basel und des FC Sion zurzeit in Quarantäne befinden.

Im Verlaufe der Woche haben diverse Kantone auf die steigenden Corona-Infektionszahlen reagiert und beschlossen, Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zu verbieten. Was die Richtlinien bei Sportveranstaltungen anbelangt, folgten die Westschweizer Kantone Genf, Waadt, Freiburg, Neuenburg und Jura am Freitag den bereits geltenden Bestimmungen in den Kantonen Bern, Wallis, Basel-Stadt und Baselland, die die Massnahmen bereits in den vergangenen Tagen verschärft hatten. Während in Genf, Waadt und Freiburg weiterhin bis zu 1000 Zuschauer in die Stadien dürfen, sind in Neuenburg, Jura sowie im Kanton Bern seit dem Freitag gar keine Zuschauer mehr zugelassen. Im Match zwischen den Young Boys und dem FC Luzern vom Sonntag wird daher Geisterstimmung herrschen.

Eine andere Handhabung wählten nebst Zürich die Kantone Aargau, St. Gallen und Tessin. In diesen Kantonen sind in den Stadien vorderhand weiterhin mehr als 1000 Zuschauer zugelassen, sofern die Schutzkonzepte eingehalten werden können.

Wenn es heute heisst, ein Fussballer umkurve die Gegner wie Slalomstangen, so muss dieser Ausdruck für Pierre Littbarski (links) erfunden worden sein.

Wenn es heute heisst, ein Fussballer umkurve die Gegner wie Slalomstangen, so muss dieser Ausdruck für Pierre Littbarski (links) erfunden worden sein.

Imago

bsn.

Am Wochenende gastiert der FC Zürich beim FC Vaduz, es ist eine Reise, die nicht alle Schweizer Fussballfans begrüssenswert finden – das Ländle in der Super League? Lieber nicht. Dabei geht vergessen, dass die Liechtensteiner vor gut zehn Jahren eine besondere Attraktion boten: eine Figur des Weltfussballs, die dreimal einen WM-Final erreicht hatte, Pierre Littbarski. 1982 und 1986 (als Ersatz) hatte er das Endspiel mit Deutschland verloren, 1990 gewann er.

Littbarski gehörte zu den Everybody’s Darlings seiner Fussballgeneration, eine Legende, weil klein, flink, wendig, Everybody’s Dribbler auch. Wenn es heute heisst, ein Fussballer umkurve die Gegner wie Slalomstangen, so muss dieser Ausdruck für Littbarski erfunden worden sein.

Zuvor hatte er in Australien, Iran und Japan gearbeitet – und jetzt Liechtenstein? Als ihn die NZZ an einem kalten Märztag 2009 in Liechtenstein besuchte, sagte Littbarski, er verstehe nicht, warum viele Leute sagten, «Litti» und das Ländle, das sei ein Missverständnis. Zu diesem Zeitpunkt hatte er aus zehn Spielen sieben Punkte gewonnen und in der Winterpause sieben neue Spieler verpflichtet, aus den Ligen Japans und Australiens, aus Deutschland, aus Island. Littbarski sagte, am liebsten hätte er Henrik Larsson engagiert, den ehemaligen Starstürmer von Celtic Glasgow und Barcelona. «Larsson, das war ein Traum», sagte Littbarski damals.

Danach siegte der FC Vaduz in der Super League unter Littbarski nur noch einmal, es folgten etliche torreiche Niederlagen, 0:5, 0:6, 1:5, gegen den FCZ 3:5, Ende Saison stieg der Klub ab. Ein knappes Jahr später musste Littbarski nach einer weiteren Pechsträhne in der Challenge League gehen. Am Tag nach der Entlassung schrieb das «Liechtensteiner Vaterland», Littbarski sei im Ausland und sei telefonisch nicht erreichbar gewesen – bis 20 Uhr habe ihn nicht einmal der Vizepräsident über die Entlassung informieren können. Es klang nach einem Missverständnis.

Littbarski war als Legende gekommen und ging als normaler erfolgloser Fussballtrainer. Bald darauf kam er im VfL Wolfsburg unter, in einem Klub, für den er, die kleine Wühlmaus, als Spieler viel zu gross gewesen wäre. Wolfsburg hatte noch in der Oberliga gespielt, als Littbarski in den WM-Finals gestanden war. Aber Littbarski ist geblieben, zuerst als Co-Trainer, interimistisch als Cheftrainer (fünf Spiele, vier Niederlagen), später als Scout. Ende Juli 2018 verkündete Wolfsburg, Littbarski sei der neue «VfL-Markenbotschafter». Er sei in 25 Jahren zwanzigmal umgezogen, sagte Littbarski einst zu einer TV-Reporterin, bei dem Wechsel nach Wolfsburg habe sich seine Familie gesagt: «Wir wollen mal jetzt irgendwo länger bleiben.»

«Litti» und das Ländle – vielleicht war es doch kein Missverständnis. Sondern bloss die letzte Station auf dem Weg zur Ruhe.

krp.

Seit vergangener Woche ist das Transferfenster auch in der Schweiz geschlossen. Die Super-League-Klubs haben 15,7 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben und mit Transfers gut 47 Millionen eingenommen. Das sind die zehn teuersten Transfers des Sommers mit Bezug zur Super League.

in Millionen Euro

SpielerOmar Alderete (vom FC Basel zu Hertha BSC)6,5Simon Sohm (vom FC Zürich zu Parma)6,5Jonas Omlin (vom FC Basel zu Montpellier)6Jordan Lotomba (von YB zu Nizza)6Kaly Sene (von Juventus Turin zum FC Basel)4,5Arthur Cabral (von Palmeiras São Paulo zum FC Basel)4,4Roger Assalé (von YB zu Dijon)4Andi Zeqiri (von Lausanne-Sport zu Brighton & Hove)4Bastien Toma (vom FC Sion zu Genk)3,7Cedric Itten (vom FC St. Gallen zu Glasgow Rangers)3

Unter den Klubs hat der FC Zürich während der letzten Transferperiode am meisten Geld verdient. Die Zürcher haben Simon Sohm an Parma sowie Kevin Rüegg an Hellas Verona verkauft. Einen negativen Transfersaldo weist kein Verein auf, das zementiert das Bild der Super League als Ausbildungsliga.

in Millionen Euro

FC ZürichYBFC St. GallenLausanne-SportFC SionFC LuzernFC BaselFC LuganoServetteFC VaduzKlub8,47,754,253,853,72,60,670,0500

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