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Schweizer Reisende dürfen wieder in die USA – doch es droht der grosse Check-in-Schreck

Die Vereinigten Staaten von Amerika öffnen ihre Türen für Touristen ab dem 8. November. Doch manchen Passagieren droht, dass sie ihre Flüge kurzfristig verpassen. Schuld daran ist die Willkür der US-Behörden, wie ein konkreter Fall zeigt.

Benjamin Weinmann / ch media

Wer nach San Francisco reist, sollte sich am besten eine Blume in die Haare stecken - so lautete der Rat von Sänger Scott McKenzie. Doch USA-Touristen wissen: Will man in die Vereinigten Staaten von Amerika einreisen, reicht ein floraler Schmuck nicht aus. Das Zauberwort lautet ESTA - kurz für Electronic System for Travel Authorization (Deutsch: Elektronisches System für Reiseautorisierung).

Die USA sind bald wieder offen für Schweizer Touristen - doch beim Check-in droht der Reisefreude ein Dämpfer.

Die USA sind bald wieder offen für Schweizer Touristen - doch beim Check-in droht der Reisefreude ein Dämpfer.

Bild: keystone

Das ausgefüllte ESTA-Formular ist Pflicht bei der Passkontrolle für Reisende aus Ländern wie der Schweiz, die am so genannten Visa-Waiver-Programm mitmachen. Dabei müssen teils bizarr anmutende Fragen beantwortet werden, wie zum Beispiel ob man je Mitglied einer Terrororganisation oder an einem Genozid beteiligt war. Dann werden noch 14 Dollar fällig – und in der Regel erfolgt innert weniger Minuten die Autorisierung per Mail. Ein Standardprozess eigentlich.

Der Schock kommt per E-Mail

Doch es kann auch anders verlaufen – insbesondere im Hinblick auf die Wiederöffnung der USA ab dem 8. November für ausländische Gäste, die komplett geimpft und getestet sind. Es droht der grosse Frust. Dies zeigt der Fall eines Schweizers, der mit einer US-Amerikanerin verheiratet ist, und im August nach Kalifornien fliegen wollte. Das ESTA-Formular hatte er einige Wochen vor dem Abflug erfolgreich beantragt, es war über Monate hinaus gültig.

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Doch am Morgen des Abflugtags der Schock: Der Passagier erhält eine E-Mail mit der Nachricht, dass sein ESTA-Formular ausgelaufen sei. Ein Grund wird nicht angegeben. Also füllt er auf die Schnelle ein neues Online-Formular aus, doch die rasche Antwort bleibt aus. Beim Check-in am Flughafen Zürich dann die Abweisung beim Check-in – ohne ESTA, kein Boarding. Er solle ins andere Terminal. Dort stehe ein Sicherheitsagent mit den US-Behörden in Kontakt.

Das lange Warten beim Sicherheitsagenten

Der Stresspegel steigt. Der Sicherheitsagent kontaktiert die Behörden in den USA, schickt per Scan alle nötigen Dokumente und beschreibt den Fall. Für eine Beruhigung sorgt er allerdings nicht: «Bis wir eine Antwort erhalten, kann es 15 Minuten oder auch mehrere Stunden dauern, wir haben keine Kontrolle darüber.» Die Aussicht, den Flug zu verpassen, wird reeller. Die Koffer werden umgepackt, sodass die Ehefrau wenigstens alleine die Reise antreten könnte.

Dann die Erleichterung: Der Passagier erhält per E-Mail die Autorisierung seines erneuerten ESTA-Antrags. Doch den Sicherheitsagenten kümmert das wenig, denn er habe nun einen neuen Fall eröffnet. Ohne Antwort aus den USA sei eine Boarding-Erlaubnis nicht möglich. Und so wird aus der Erleichterung ein noch grösserer Stress. Jede Minute fühlt sich wie eine Stunde an. Das Warten dauert an. Und dann, kurz vor der definitiven Resignation, grünes Licht aus den USA. Der Sicherheitsagent gibt sein Ok, und die Reise klappt in letzter Sekunde.

US-Botschaft gibt sich bedeckt

Der geschilderte Fall ist keine Ausnahme. «Uns ist bekannt, dass ESTA seitens der US-Behörden teilweise annulliert werden», sagt Swiss-Sprecherin Elena Stern. Sie verweist an die US-Behörden. Doch die amerikanische Botschaft in Bern liefert keine klärenden Antworten.

«Die US-Behörden kontrollieren die Buchungen von USA-Reisenden sehr genau und restriktiv», sagt Nathalie Berchtold, Sprecherin der Firma Swissport, die an den Flughäfen für Airlines wie die Swiss den Check-in-Prozess übernehmen. Die ESTA-Problematik ist nicht neu, doch während der Pandemie hätten die USA die Überprüfungen, die teils stichprobenhaft durchgeführt werden, verschärft: «Wir verzeichnen bei den von den US-Behörden vorgeschriebenen Kontrolle vor dem Boarding einen höheren Aufwand.» Eine Begründung für eine allfällige Abweisung eines Passagiers kommunizierten die US-Behörden nicht. «Der Prozess ist für uns und die Airlines nicht transparent.»

Die Autorisierung erfolgt nicht immer rechtzeitig

Laut Berchtold sind häufig vor Ort am Flughafen telefonische Abklärungen direkt bei den US-Einreisebehörden nötig. Und ohne die Freigabe aus den USA ist ein Boarding unmöglich. «Das kommt in Zürich derzeit beinahe täglich vor.» Denn teilweise erfolge das Feedback aus Amerika erst nach mehreren Stunden, wenn der Flug bereits in der Luft ist.

Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold.

Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold.

Bild: zvg

Das lässt aufhorchen. Denn aktuell lassen die USA nach wie vor nur eigene Bürgerinnen und Bürger ins Land, sowie deren Familienangehörige und Reisende mit Ausnahmeerlaubnissen. Und nur schon damit bilden sich beim Boarding lange Schlangen für die Dokumentenkontrolle. Droht ab dem 8. November also ein Chaos?

Grösserer Kontroll-Aufwand für Swissport

«Dass es zu längeren Schlangen kommen könnte, können wir nicht ausschliessen», sagt Berchtold. «Wir rechnen mit einem erhöhten Kontroll-Aufwand bei USA-Flügen, da vermehrt Schweizer sowie Europäer in die USA reisen werden und die Covid-Bestimmungen individuell geprüft werden müssen.» Die aufwendigen Abklärungen mit den US-Behörden würden an einem eigens dafür geschaffenen Spezialschalter vorgenommen. «Da andere Flüge im Winter weniger häufig durchgeführt werden, können wir dieses Personal zusätzlich für USA-Flüge einsetzen.»

Stand heute empfehle man den Reisenden nach wie vor, drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu erscheinen, sagt Berchtold. Trotzdem bestehe auch dann die Möglichkeit, dass im Falle von zusätzlichen, von den USA verordneten Abklärungen nicht alle Passagiere die Reiseerlaubnis rechtzeitig erhielten. Wie viele Fälle von Passagier-Blockierungen es dieses Jahr bereits gegeben hat, sagt sie nicht.

In diesem Fall muss man als Passagier hoffen, dass es zumindest am nächsten Tag Platz auf dem nächsten Flieger hat. Immerhin verlangt die Swiss dafür laut einer Sprecherin keine Umbuchungsgebühr. Doch bis dahin dürfte die Lust auf Blumenschmuck im Haar längst verflogen sein.