Switzerland

«Schweizer Eishockey kompakt»: Zug demütigt die ZSC Lions wie seit 26 Jahren nicht mehr – Andy Bathgate brachte NHL-Glamour in die Leventina

Der EHC Visp zeichnet für die erste Trainerentlassung der Saison im Schweizer Eishockey verantwortlich. Und ein ehemaliger Kloten-Coach wird in Finnland aus finanziellen Gründen freigestellt. Legendäres, Kurioses und Aktuelles gibt es in «Schweizer Eishockey kompakt».

Auf nzz.ch/sport finden Sie während der Eishockeysaison an dieser Stelle täglich Legendäres, Kurioses, Aktuelles und Einordnungen aus den höchsten Schweizer Eishockeyligen – alles wohlgeordnet und kurz nach der Schlusssirene aktualisiert.

Ludovic Waeber wird vom EVZ entzaubert – in der zweiten Partie gegen die Zuger kassiert der ZSC-Goalie gleich acht Gegentore.

Ludovic Waeber wird vom EVZ entzaubert – in der zweiten Partie gegen die Zuger kassiert der ZSC-Goalie gleich acht Gegentore.

Urs Flueeler / Keystone

2736 Zuschauer. Tore : 6. McLeod 1:0, 6. Leuenberger 2:0, 19. Albrecht (Schlumpf) 3:0, 24. Simion (Hofmann, Kovar) 4:0, 26. Sigrist (Noreau) 4:1, 27. Geisser 5:1, 31. Thürkauf (Bachofner, Stadler) 6:1, 43. McLeod (Stadler) 7:1, 51. Simion 8:1, 59. Pettersson (Hollenstein, Andrighetto / Ausschlüsse Cadonau, Albrecht) 8:2. – Der EVZ verpasst den Zürchern eine selten gesehene Ohrfeige. Mit sechs Toren Unterschied schlug er diesen Gegner letztmals im Januar 1994 (10:4). Die Zürcher erhalten einen unerwartet harten Schuss vor den Bug: Hier ist ein Gegner, der ihnen die Limiten aufzeigt.

Das ist uns aufgefallen: Andere Bühne, gleiches Drehbuch: Wie tags zuvor im Hallenstadion geht der EVZ früh 2:0 in Führung. Doch diesmal nicht wegen zu vieler Strafen auf Seite der Zürcher, sondern weil die Lions fahrig sind – und bis zum Ende bleiben. Man fragt sich, wo die Lernkurve ist, wenn eine Mannschaft zum zweiten Mal innert 24 Stunden gegen den gleichen Gegner den Start verschläft. Die ZSC Lions sehen gerne zuerst einmal zu, wie der Gegner auftritt, stellen sich darauf ein und drücken dem Geschehen allmählich ihren Stempel auf. Wenn der Gegner jedoch die Qualität des EV Zug hat, funktioniert dieses Prinzip nicht. Es funktioniert diesmal sogar noch schlechter als beim 3:6 am Donnerstag. Die Zürcher hinken dem Geschehen ständig hinterher, derweil dem EVZ alles gelingt.

Die Folge: ein munteres Scheibenschiessen, mit dem 6:1 bei Spielmitte ist längst alles entschieden. Der Abend gerät zur Zürcher Demütigung erster Güte. Der ZSC wird von Zug entzaubert, das gilt auch für Ludovic Waeber im Tor. In zwei Anläufen gegen den mutmasslich härtesten Titelrivalen haben die Zürcher eine schmerzvolle Lektion erhalten: Sie sind nicht dort, wo sie gerne wären. Es gibt eine Mannschaft, die ihnen die Limiten aufzeigen kann, und dies in einer so unerwarteten Klarheit, die sie zum Nachdenken anregen muss: 15 Gegentore in 120 Minuten. Vielleicht gelangen die vorangegangen vier Siegen in Serie zu leicht. Der EVZ hat die Lions brutal auf den Boden zurückgeholt. Am Dienstag in Ambri wird man sehen, wie gut sie sich davon erholt haben. (pic.)

Nach über tausend NHL-Spielen wechselte Andy Bathgate zu Ambri-Piotta.

Nach über tausend NHL-Spielen wechselte Andy Bathgate zu Ambri-Piotta.

Bruce Bennett / Getty

gen.

Die Stippvisite von Joe Thornton beim HC Davos trägt einen Hauch der NHL in die National League. Bis die Vorbereitung auf die neue Saison in Nordamerika beginnt, trainiert und spielt der mittlerweile 41-jährige Kanadier mit Schweizer Pass mit den Bündnern. Danach wird er sich den Toronto Maple Leafs anschliessen, bei denen er am Freitag einen Einjahresvertrag unterschrieben hat.

Dass NHL-Spieler in der Schweiz Pausen überbrücken oder ihre Karrieren ausklingen lassen, ist heute nicht mehr aussergewöhnlich. Anfang der 1970er Jahre war das noch eine Sensation. Umso grösser waren die Schlagzeilen, als sich Andy Bathgate 1971 dem HC Ambri-Piotta anschloss. Der damals 39-jährige Kanadier kam mit der Erfahrung aus über tausend NHL-Spielen für die New York Rangers, die Toronto Maple Leafs, die Vancouver Canucks, die Detroit Red Wings und die Pittsburgh Penguins in die Leventina und machte den kleinen Weiler südlich des Gotthards auf einen Schlag berühmt.

Selbst die «New York Times» schickte einen Korrespondenten ins Tessiner Bergtal und publizierte eine grosse Geschichte über die neue Heimat des Spielers, der zuvor während zwölf Jahren für die New York Rangers gespielt hatte.

Eingefädelt hatte den aufsehenerregenden Deal Jiri Kren, der damals für Ambri spielte und versprach, während des Sommers in Übersee die Augen nach einem Spieler offen zu halten, der Ambri helfen könne. Dass der Tscheche dann aber gleich einen der grössten Stars aus den Ferien mitbrachte, überraschte selbst seine Tessiner Freunde.

Bathgate war nicht nur ein Stanley-Cup-Sieger und Gewinner der Hart-Trophy, mit der die Liga jeweils den wertvollsten Einzelspieler der Saison auszeichnet. Er galt auch als einer der Erfinder des Slapshots, und als einer der ersten Spieler spielte er mit einer gebogenen Stockschaufel, die man damals «Banane» nannte.

Gleich im ersten Spiel in Kloten erzielte Bathgate vier Tore zum 8:3-Sieg für Ambri. In 21 Saisonspielen sammelte er 35 Skorerpunkte. Trotzdem verpasste Ambri den Sprung in die Finalrunde, verteidigte seinen Platz in der Nationalliga A gegen Sierre und Visp aber problemlos. Bathgate trat nach einer Saison im Tessin zum ersten Mal zurück, spielte später im Winter 1974/75 noch einmal für die Vancouver Blazers in der längst aufgelösten Western Hockey Association. 1978 wurde er in die Hockey Hall of Fame aufgenommen. Am 26. Februar 2016 verstarb Bathgate, 83-jährig, in seiner kanadischen Heimat. Er litt unter Parkinson und Alzheimer. In der Leventina bleibt er unvergessen.

gen.

Andres Ambühl erzielte beim 9:2-Sieg des HC Davos gegen die Rapperswil-Jona Lakers den dritten Hattrick in seiner National-League-Karriere. Doch das ist weit vom Rekord entfernt. Der Kanadier Normand Dupont schoss für den EHC Biel zwischen 1984 und 1991 in 23 Spielen drei oder mehr Tore. Der erfolgreichste noch aktive Spieler ist der Freiburger Julien Sprunger mit sechs Hattricks.

Spieler mit den meisten Hattricks

in der National League

SpielerNormand Dupont (EHC Biel)23Peter Jaks (HC Ambri-Piotta)21Andrei Chomutow (Fribourg-Gottéron)19Donald Laurence (EV Zug)17Dale McCourt (HC Ambri-Piotta)15Kelly Glowa (Sierre)12Mike Richard (ZSC Lions, Olten, Rapperswil-Jona)12

Hier noch in Diensten des EHC Kloten: Pekka Tirkkonen im Herbst 2016.

Hier noch in Diensten des EHC Kloten: Pekka Tirkkonen im Herbst 2016.

Christoph Ruckstuhl/NZZ

  • Sparmassnahmen. Pekka Tirkkonen, von 2016 bis Oktober 2017 Coach des EHC Kloten, ist in Finnland beim Erstligisten JYP entlassen worden. Der Grund liegt nicht im sportlichen Misserfolg – das Team aus Jyväskylä gewann zuletzt zwei Mal in Folge und liegt im Tabellenmittelfeld –, sondern in finanziellen Überlegungen. Der Klub kämpft aufgrund der Corona-Pandemie mit Schwierigkeiten, mit Tirkkonen wurde auch der Assistent Ari Santanen Opfer der Sparmassnahmen; die Spieler verzichten bis Ende Jahr auf einen Teil ihres Salärs. (nbr.)
  • Alatalo in Visp entlassen. Drei Wochen nach dem Saisonstart erlebte das Schweizer Eishockey am Mittwoch die erste Trainerentlassung. Matti Alatalo, 61, wurde im EHC Visp verabschiedet. Der Walliser Traditionsklub galt in der Swiss League als eine Art Transfersieger und stieg mit entsprechend hohen Erwartungen in die Saison. Doch im vierten Jahr unter Alatalo, dem ehemaligen Coach der GCK Lions, misslang der Saisonstart; zuletzt unterlag Visp zu Hause nach einem befremdenden Auftritt dem sehr bescheidenen EHC Winterthur, und Visp verlor am Dienstag auch in Olten. Die Resultate sind zumindest teilweise mit Verletzungspech zu erklären. Visp fehlen der Nummer-1-Goalie Reto Lory, der wichtigste Verteidiger Luca Camperchioli und mit Mark Van Guilder inzwischen auch einer der beiden Ausländer. Der Klubführung riss der Geduldsfaden trotzdem. Ad interim übernimmt der unverwüstliche Sportchef Bruno Aegerter den Trainerjob, der Alatalo 2017 eingestellt hat. (nbr.)

Football news:

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