Switzerland

«Schweizer Eishockey kompakt»: Pascal Schaller verwertete Bykows Assists und wurde zur Gottéron-Legende – doch populär machten ihn die Makel

Der ZSC erringt gegen die SCL Tigers einen Pflichtsieg und gedenkt eines seiner grössten Funktionäre. Legendäres, Kurioses und Aktuelles gibt es in «Schweizer Eishockey kompakt».

Auf nzz.ch/sport finden Sie während der Eishockeysaison an dieser Stelle täglich Legendäres, Kurioses, Aktuelles und Einordnungen aus den höchsten Schweizer Eishockeyligen – alles wohlgeordnet und kurz nach der Schlusssirene aktualisiert.

Pascal Schaller (rechts) profitierte bei Gottéron von der Vorarbeit seiner russischen Sturmpartner Slawa Bykow (Mitte) und Andrei Chomutow.

Pascal Schaller (rechts) profitierte bei Gottéron von der Vorarbeit seiner russischen Sturmpartner Slawa Bykow (Mitte) und Andrei Chomutow.

Arno Balzarini / Keystone

gen. Es war nur eine Fussnote, eine Randnotiz in einem Match, der zumindest in der Deutschschweiz keine hohen Wellen warf: Beim 4:2-Sieg gegen Ambri-Piotta spielte für Fribourg-Gottéron erstmals ein gewisser Timotée Schaller, 18 Jahre alt und Stürmer. Schaller durfte gerade einmal 64 Sekunden aufs Eis. Entsprechend klein blieb sein Einfluss. Am Dienstag beim 1:6 in Lausanne sass er 60 Minuten lang auf der Bank.

Schaller ist einer von vielen jungen Spielern, die in der Liga Fuss zu fassen versuchen. Sein National-League-Debüt wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn er nicht in grosse Fussstapfen träte: Timotée Schaller ist der Sohn von Pascal Schaller, der in den 1990er Jahren für den Gottéron-Anhang fast schon Kultstatus erlangte. In seiner besten Saison sammelte er in 47 Spielen 70 Skorerpunkte, was einem Schnitt von beinahe 1,5 Punkte entsprach. Selbst Wayne Gretzky hätte da den Hut gezogen, wenn er es denn erfahren hätte.

Schaller Senior war fraglos talentiert, profitierte aber auch vom aussergewöhnlichen Umstand, an der Seite von Slawa Bykow und Andrei Chomutow stürmen zu dürfen. Auf der steilen Stehrampe der St-Léonard witzelte man, neben den beiden Überrussen hätte selbst ein Beleuchtungskandelaber seine Skorerpunkte gemacht. Von Zeit zu Zeit schoss er eine perfekte Vorgabe seiner Eismeister auch meilenweit am Tor vorbei. Doch gerade diese menschlichen Makel neben so viel russischer Perfektion machte ihn in Freiburg populär. Letztlich war und ist er ein Sohn der Stadt.

Schallers Popularität in Freiburg wurde erst auf eine ernsthafte Probe gestellt, als er sich in seiner zweiten Karriere als Trainer ausgerechnet dem Erzrivalen aus Bern andiente, mit den SCB-Novizen gewann er 2011 den Meistertitel. Man verschwieg diesen Erfolg und verzieh Schaller erst, als er in den Schoss der Freiburger Familie zurückkehrte.

Vater Schaller spielte später noch einmal mit seinem Status als Kultfigur, als er ernsthaft erwog, Timotée von Gottéron zum SCB umzusiedeln, weil er dort mehr Entwicklungspotenzial für seinen talentierten Sohn sah. Das war insofern erstaunlich, als Schaller mittlerweile selber als Trainer beim Freiburger Nachwuchs arbeitete. Schaller Junior widerstand dem Sakrileg und wechselte stattdessen nach Schweden zu den Malmö Redhawks. Das war diplomatisch weniger heikel und sportlich wohl auch besser.

Lust auf weitere Legenden? Hier geht es zu den gesammelten Legenden der Woche.

50 Zuschauer – Tore : 7. Pettersson (Noreau / Ausschluss Berger) 1:0. 39. Sigrist (Krüger) 2:0. 57. Sturny (Grossniklaus) 2:1. – Vierter Sieg in Folge für die Zürcher, die am Schluss aber noch schwer unter Druck geraten. Das Team ist resultatmässig auf Kurs, die Leistungen allerdings überzeugen nicht richtig. Die Lions stehen an der Spitze, auch weil Lausanne gegen Gottéron mit 6:1 gewinnt, allerdings haben sie mehr Spiele ausgetragen als ihre beiden Verfolger.

Das ist uns aufgefallen: Einträchtiges Schweigen im Hallenstadion. Langnauer wie Zürcher erweisen Simon Schenk die letzte Reverenz anlässlich ihres ersten Aufeinandertreffens in dieser Saison. Schenk verstarb im Frühling nach Komplikationen mit dem Herzen, aber bisher gab es keine Gelegenheit, seiner gemeinsam zu gedenken. Schenk war im Emmental, seiner Heimat, wie später in Zürich über viele Jahre prägend. Er lotste den Goalie Ari Sulander ins Hallenstadion und war der Architekt des Aufstiegs des ZSC vom ewigen Sorgenkind zum Meisterteam. Dabei schadete Walter Freys dickes Portemonnaie freilich auch nicht, aber Schenk war ein schlauer Fuchs, der seine Mannschaften mit Gespür zusammenstellte.

Bei den SCL Tigers ist in Corona-Zeiten nun allerdings so wenig Flüssiges vorhanden, dass auch ein gewiefter Manager, wie Schenk einer war, keine Wunder vollbringen könnte. Überleben heisst die Devise. Und so verläuft auch dieses Spiel zum grossen Teil. Die Gäste tun, was sie glauben tun zu müssen: fast nichts. Erst im letzten Drittel wagen sie etwas, und siehe da, sie können die Zürcher sogar immer wieder unter Druck setzen. Aber zu diesem Zeitpunkt laufen sie bereits einem Rückstand hinterher, der nur deshalb nicht höher als 0:2 lautet, weil die Zürcher bei all ihrer Überlegenheit im Abschluss bemerkenswert ineffizient sind. Man fragt sich: Warum tritt Langnau nicht schon viel früher mutig auf? Da wäre mehr als nur der späte Anschlusstreffer möglich gewesen, der die neunte Niederlage im elften Spiel auch nicht verhindert.

Die Zürcher wiederum gewinnen zum vierten Mal in Serie und zum dritten Mal seit ihrer Quarantäne. Aber was sie tun, überzeugt nur bedingt. Diese Mannschaft muss mehr zu zeigen imstande sein: mehr Kaltblütigkeit, mehr Entschlossenheit. Simon Schenk hätte am Auftritt beider Teams wohl keine besondere Freude gehabt. (pic.)

Auch in Zukunft sind in der Altjahreswoche alle Augen auf den Spengler-Cup gerichtet.

Auch in Zukunft sind in der Altjahreswoche alle Augen auf den Spengler-Cup gerichtet.

Melanie Duchene / Keystone

nbr. Am 28. Dezember duelliert sich der HC Davos mit Ambri-Piotta. Eigentlich ist daran nichts erstaunlich, in der Altjahreswoche wird in Davos ja seit fast einem Jahrhundert Eishockey begangen, am Spengler-Cup, und wie schon 2019 wären heuer Davos und Ambri die Schweizer Vertreter gewesen. Doch die 94. Austragung haben die Organisatoren absagen müssen, das Turnier fällt der Pandemie zum Opfer – stattdessen trägt der HCD drei Meisterschaftsheimspiele aus.

Seit längerem stand im Raum, dass dies das neue Normal wird: National-League-Partien während des Spengler-Cups – die Davoser Macher mussten sich überlegen, ob sie sich die Abgaben für den Schutz dieser Termine noch leisten wollen. Der HCD entrichtet einen Obolus an die übrigen Vereine, damit die Liga pausiert und dem Spengler-Cup in jener Woche fast ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilwird. 800 000 Franken lassen sich die Veranstalter dieses Privileg kosten, viel Geld. 2021 endet der Vertrag mit der Liga, im HCD gab es Gedankenspiele, ihn nicht zu verlängern. Doch nun ist der Entscheid gefallen, die Vereinbarung wird voraussichtlich um fünf Jahre zu identischen Konditionen fortgeführt. Grundsätzlich bleibt auch die Spengler-Cup-Teilnahme der Nationalmannschaft denkbar, in Olympiajahren; das Turnier von 2018 war für die Organisatoren ein Erfolg gewesen.

So attraktiv die Termine in der Altjahreswoche auch für die restlichen Vereine wären: Wahrscheinlich ist es für das Schweizer Eishockey eine gute Nachricht, dass es weitergeht mit dieser Kompromisslösung. Der Spengler-Cup ist nicht nur ein Branchentreffen, sondern auch eine internationale Institution, die geschwächt worden wäre, würde die National League einfach weiterspielen. Längst ist es zur Tradition geworden, dass man zwischen den Feiertagen nach Davos schielt und sich am oft ungezügelten Offensivspektakel erfreut.

Und wer mit dem marketinglastigen Schauturnier nichts anzufangen weiss, dem bieten sich im Unterland ja Alternativen: Die gemeinhin unterschätzte zweithöchste Liga, die Swiss League, absolviert jeweils zwei Vollrunden.

Gottérons Coach Christian Dubé hat kürzlich das Duo Julien Sprunger/Andrei Bykow wiedervereinigt. Die beiden spielen seit Menschengedenken für Freiburg; der heutige Captain Sprunger (34) debütierte 2002/03, Bykow (32) zwei Jahre später. Zahllose Trainer haben sie in der letzten Dekade gemeinsam stürmen lassen und wieder getrennt, aktuell stürmt das Duo wieder zusammen. Weil Klubtreue heutzutage eher kleingeschrieben wird, sind Sprunger/Bykow das mit Abstand produktivste National-League-Duo der letzten 10 Jahre, sie kommen auf 66 Tore, bei denen einer der beiden für den anderen assistiert hat. Und sie werden ihre Führung in den kommenden Monaten weiter ausbauen. (nbr.)

Die produktivsten Duos der letzten 10 Jahre

1. Julien Sprunger/Andrei Bykow Gottéron 66 Tore
2. Tommi Santala/Denis Hollenstein Kloten 41
Marc Wieser/Perttu Lindgren Davos 41
Lino Martschini/Josh Holden Zug 41
Benjamin Plüss/Julien Sprunger Gottéron 41
6. Fredrik Pettersson/Linus Klasen Lugano 37
7. Mark Arcobello/Simon Moser Bern 34
8. Mark Arcobello/Thomas Rüfenacht Bern 32
9. Denis Hollenstein/Vincent Praplan Kloten 30
10. Reto Suri/Lino Martschini Zug 29
Roman Wick/Ryan Shannon ZSC Lions 29
Reto Suri/Josh Holden Zug 29

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Andrea Pirlo: In meiner 1.Saison bei Juve waren wir hinter Milan zurück, haben aber den Titel geholt. Unser Ziel war es, in die nächste Runde zu kommen, und wir haben erfolgreich mit einer Mannschaft gespielt, die in dieser Saison in der Meisterschaft erfolgreich ist. Wir hatten es dank der anfangs richtigen Einstellung leichter zu spielen
Der Schiedsrichter hatte sich zweimal geirrt. De Gea drängte, und bei unserem abgebrochenen Tor gab es kein Foul. Sulscher über Sheffield Wednesday: Wir hatten immer Ballbesitz, aber wenn man zwei offensive Tore kassiert, ist es immer schwierig. Wir haben nicht genug gefährliche Momente geschaffen, um genug Tore zu erzielen
Wir haben nicht gut genug gespielt, wir haben nicht auf dem Niveau gespielt, auf dem wir in den letzten Wochen agiert haben. Wir haben dem Gegner zwei Tore beschert