Switzerland

Schweizer Designerinnen lassen ihre Taschen in Südamerika nähen – zu fairen Löhnen: Diese Mode macht indigene Frauen stark

Die Tasche mit dem Schlangenmuster wird mit einem einzigen Faden gehäkelt. «Das Handwerk der Wayuu-Frauen hat mich schon immer fasziniert», erzählt Katherine Klemenz (42). «In den farbigen Mustern verweben die Indigenen die Mythen ihres Volks.» Um dieses Kunsthandwerk zu unterstützen, hat sie vor sechs Jahren den Verein Mama Tierra (zu Deutsch Mutter Erde) gegründet mit dem Ziel, indigene Frauen zu stärken und zu fördern. Inzwischen werden die Taschen und Accessoires aus Südamerika in Edel-Boutiquen von Bern bis Paris verkauft.

Lebensgrundlage für Indigene

Was hierzulande ein modisches Accessoires ist, bedeutet im unwirtlichen Grenzland La Guajira zwischen Venezuela und Kolumbien eine Lebensgrundlage für Indigene, insbesondere für die Frauen: «Die Wayuu leben in einer matrilinearen Gesellschaft, die Grossmutter ist die wichtigste Person im Dorf.» Denn die Frauen tragen die grösste Verantwortung innerhalb ihrer Gemeinschaften. Sie sind es, die den Unterhalt der Familien sichern, die Kinder erziehen und ihr Können weitergeben. «Derzeit beschäftigen wir 120 Frauen, davon können monatlich 800 Menschen leben», so Klemenz.

Klemenz ist in Venezuela zur Welt gekommen und in Brugg AG aufgewachsen. Einer ihrer Grossväter war von hier nach Kolumbien ausgewandert, der andere war ein Wayuu-Indigener: «Meine Mutter wurde adoptiert, darüber wurde nicht gerne gesprochen. Denn die Indigenen geniessen wenig Ansehen in Venezuela. Aber ich bin stolz auf meine Wurzeln.» Gegründet hat Klemenz Mama Tierra gemeinsam mit Lourdes Grollimund (45), die dreifache Mutter stammt ebenfalls aus Venezuela und hat an der Elite-Uni Stanford studiert, heute lebt sie ebenfalls in der Schweiz. Klemenz: «Wir haben uns an einer Demo am Bürkliplatz in Zürich gegen das Maduro-Regime kennengelernt.»

Ein Leben ohne Strom und fliessend Wasser

Beide gehen regelmässig nach La Guajira, um die Dörfer ihrer Kunstwerkerinnen für ein paar Wochen zu besuchen, elf Stunden geht es via Kolumbien bis ins Grenzland in der Wüste. «Die Menschen leben dort ohne Strom und fliessend Wasser in einfachsten Verhältnissen. Der Klimawandel trocknet die Wüste immer mehr aus, sodass die Indigenen kaum noch vom Eigenanbau leben können.» Zudem hat der Hurrikan Iota Ende 2020 grosse Teile der Ernte zerstört und den Boden für die kommenden Monate unfruchtbar gemacht. Die Pandemie hat die Indigenen bereits vor einem Jahr in eine Ernährungskrise gestürzt.

Eine Tasche von Mama Tierra kostet um die 200 Franken, davon fliesst ein fairer Anteil zu der Kunsthandwerkerin. Als gemeinnütziger Verein (NGO) engagieren sich Klemenz und Grollimund für optimale Arbeitsbedingungen. «Wir garantieren einen sicheren Lohn, stellen vom Garn bis zur Nadel alle Materialien zur Verfügung, es gibt Mutterschaftsurlaub und Jahresbonus.» Neu wird mit Biobaumwolle und veganem Leder gearbeitet, für eine intakte Umwelt.

Mythen des Wayuu-Volks machen Mode

Unterstützt werden Klemenz und Grolimund auch hierzulande, so verzichteten die Models Angeline Suppiger (27) und Marina Summer für das Shooting der neuen Kampagne auf eine Gage – ebenso wie der Fotograf Philip Jeker (43). Die Basler Illustratorin Patrizia Stalder (38) kreierte die aktuelle Isashii-Kollektion. Die Inspiration hinter den meisten Mama-Tierra-Designs stammt von den indigenen Mythen des Wayuu-Volks. Bei den immer wiederkehrenden Motiven auf den Accessoires handelt es sich um totemische Tiere wie die Schlange. Himmel, Sonne und Sterne weisen auf den Glauben nach dem Tod der Wayuu-Indigenen hin. Dieser Glaube besagt, dass die Seelen der Verstorbenen in der Milchstrasse zu Sternen werden.

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