Switzerland

Schutzkonzept für Bergbahnen: So gondeln wir in den Sommer

Macht Ferien in der Schweiz! Nicht nur Tourismusverbände richten diesen Appell angesichts der Corona-Krise an die Bevölkerung, sondern auch der Bundesrat. «Die Corona-Krise trifft die Branche hart. Mit seinen Landschaften und der Natur lädt unser Land aber regelrecht dazu ein, hier Ferien zu machen. Es warten 18 Naturpärke und 1500 Seen», twitterte SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga (60). Und sie verriet auch ihren Geheimtipp «abseits der bekannten Pfade»: das Waadtländer Dörfchen Montricher.

Doch Appelle und Geheimtipps nützen wenig, wenn die touristische Verkehrsstruktur stillsteht. Die Tourismusbranche wartet deshalb sehnsüchtigst auf den 8. Juni. Dann endlich sollen auch wieder Seil- und Bergbahnen oder Schiffe den Tourismusbetrieb aufnehmen. Der Bundesrat wird am Mittwoch grünes Licht dafür geben, denn die entsprechenden Schutzkonzepte sind vorhanden.

Seilbahn-Präsident: «Wir sind parat»

«Wir sind parat!», freut sich FDP-Ständerat Hans Wicki (56, NW) als Präsident von Seilbahnen Schweiz. Dass die Bahnen nicht schon vorher ihren Betrieb aufnehmen konnten, war ein Ärgernis. «Es gibt kein schlüssiges Argument, dass man mit dem Zug nach Davos fahren darf, danach aber nicht mit der Seilbahn in die Parsennhütte», so Wicki. «Jetzt muss dieser Öffnungsschritt kommen!»

Das Schutzkonzept der Bergbahnen orientiert sich an jenem für den öffentlichen Verkehr. Grundsätzlich gilt also: Die Hygienemassnahmen stehen ganz zuoberst auf der Liste – es wird viel mehr gereinigt und desinfiziert. Wo möglich, wird der Zwei-Meter-Abstand eingehalten. Wo nicht – etwa in kleineren Gondeln oder bei viel Publikum – wird das Maskentragen empfohlen. Eine Maskenpflicht gibt es für die Gäste aber nicht.

«Wir stellen Eigenverantwortung und Solidarität in den Vordergrund», sagt Wicki. Eine Maskenpflicht hält er für unnötig. «Wir haben die Zahl der Neuinfektionen auch ohne Maskenpflicht auf zehn pro Tag hinuntergebracht, da muss man das Augenmass bewahren.» Zudem gebe es kaum eine Seilbahn, in der man länger als 15 Minuten gemeinsam unterwegs sei.

Entscheidend ist für Wicki, dass die Bahnen flexibel auf die jeweilige Situation reagieren. «Einzelne Bahnen werden vielleicht ihre Gondeln nur zu 60 oder 70 Prozent auslasten, um so für mehr Abstand zu sorgen», so der FDP-Mann. «Und in kleineren Gondeln wird je nach Situation nach Familien und Einzelpersonen sortiert.» Es gibt aber auch Bahnen, die zur Abtrennung extra Plexiglasscheiben in ihren Gondeln montieren.

Schutzmaske empfohlen

Bei den Bahnen sind die Vorbereitungen jedenfalls schon weit fortgeschritten. Bei der Seilbahn Weissenstein in Oberdorf SO sind Ein- und Ausgang getrennt, damit sich die Gäste nicht kreuzen. «Die Sechser-Gondeln sind in der Diagonale zwei Meter breit – da kann der Abstand bei Zweierbesetzung eingehalten werden», sagt Geschäftsführer Konrad Stuber (59).

Bei geringem Besucherandrang könne man die Gäste gut auf die Gondeln verteilen. Bei einem grösseren Ansturm empfehle man Masken, so Stuber. Zudem würden Griffe und Handläufe der Gondeln bei jedem Umlauf kurz gereinigt. «Die Bahn stoppen müssen wir deswegen aber nicht – sonst hätten wir ein Geholper auf der ganzen Strecke.»

Ähnlich tönt es bei den Jungfraubahnen im Berner Oberland. Auch hier gilt eine Maskenempfehlung, wenn es eng wird. «In unseren Verkaufsstellen sind Schutzmasken erhältlich», so Kommunikationschefin Kathrin Naegeli (49). Zum Unternehmen gehört auch die Firstbahn. «Je nach Situation werden die Sechser-Gondeln auch mal mit einer Familie, auch mal nur mit einer Person besetzt», sagt Naegeli.

Für die Jungfraubahn hingegen, die von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch führt, empfiehlt sie eine Sitzplatzreservation. «Schon vor dem Lockdown gab es eine Obergrenze von 5500 Besuchern pro Tag – damit haben wir die Kundenströme im Griff.»

Weniger ausländische Gäste

Unklar ist vorerst auch, wie gross die Nachfrage sein wird. Denn viele ausländische Gäste bleiben dieses Jahr aus. «Die Schweizer Gäste schauen zuerst auf das Wetter – bei schönem Wetter wird es eine höhere Nachfrage geben, bei schlechtem Wetter bleibt es ruhiger», so Naegeli.

Seilbahn-Präsident Wicki befürchtet jedenfalls keine Schreckensszenarien mit überfüllten Bahnen. «Der Tourismus lebte bisher zu 60 Prozent von ausländischen Gästen, diese Lücke werden die inländischen Touristen nicht so rasch wettmachen.»

Er verweist zudem auf die neu geplante Tourismus-Kampagne, für welche das Parlament gerade erst 40 Millionen Franken abgesegnet hat. «Damit können wir Orte bewerben, die nicht zu den touristischen Hotspots gehören, aber ebenso schön sind», so Wicki. «Damit lassen sich die Ferien stärker auf das ganze Land verteilen. So lässt sich eine Überlast einzelner Orte verhindern.»

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