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Switzerland

Schuld an den hohen Pharma-Preisen hat das Ausland

Das Weisse Haus macht Trittbrettfahrerei in Europa dafür verantwortlich, dass Medikamente in den USA so viel kosten. Offenbar hält man Reformen vor der eigenen Haustür für unnötig. 

Laut Trump sollen ausländische staatliche Krankenkassen für die hohen Medikamentenpreise in den USA verantwortlich sein.

Laut Trump sollen ausländische staatliche Krankenkassen für die hohen Medikamentenpreise in den USA verantwortlich sein.

Bryan Woolston / Reuters

Ob in der Nato, im Handel oder in der Entwicklung von Medikamenten: Die USA werden in den Augen der Trump-Regierung rundum ausgenutzt. Vermeintliche Alliierte und Partnerländer verhielten sich unfair und trügen zu wenig zu einer gerechten Lastenverteilung bei, behauptet das Weisse Haus unablässig. Diese Woche hat es eine Studie vorgelegt, um diese Behauptung im Bereich der Arznei-Entwicklung zu untermauern, und kommt zum Schluss, dass die Trittbrettfahrerei des Auslands in den vergangenen 15 Jahren zugenommen hat.

Die Preise von 200 Arzneien mit hohem Verkaufsvolumen in Europa seien von durchschnittlich 51% der US-Preise im Jahr 2003 auf noch 32% im Jahr 2017 gesunken, stellt die Studie fest. Der Grund: Staatliche Krankenkassen agierten in vielen Industrieländern als Monopolisten und seien in der Lage, die Preise zu drücken. Strikte Preiskontrollen führten dazu, dass die Produkte im Ausland unter dem fairen Marktwert verkauft würden, während Amerikaner die Rechnung dafür zahlten, dass solche Medikamente überhaupt verfügbar seien, heisst es. Würde diese Trittbrettfahrerei reduziert und würden die ausländischen Preise in Einklang mit dem jeweiligen Pro-Kopf-Einkommen gebracht, wären die globalen Umsätze der Pharmaindustrie im Jahr 2017 um 194 Mrd. $ höher ausgefallen. Ein Abbau der Preiskontrollen im Ausland würde die Gewinne und die Innovation erhöhen und damit für mehr Wettbewerb und niedrigere Preise für US-Patienten sorgen, behauptet das Weisse Haus.

Das mögen aufsehenerregende Argumente für den Wahlkampf sein, in dem das Krankenversicherungswesen und Arznei-Preise ein Riesenthema sind. Sie dienen möglicherweise auch dazu, eine neue Front in Trumps merkantilistischem Handelskrieg zu eröffnen, und sind deshalb ernst zu nehmen. Wer aber nur mit dem Finger auf andere zeigt, ist unglaubwürdig. Sind die höheren Preise in den USA tatsächlich einem «freieren» Markt geschuldet? Wie steht es um die Transparenz in dem Markt und die diversen Vermittler zwischen Pharma und Versicherern? Und wieso kommt der populäre Plan, dem staatlichen Medicare-Programm Preisverhandlungen mit der Pharma-Industrie zu erlauben, nicht zum Zug? Die Studie des Weissen Hauses macht klar: Ihm ist das Wohl der Pharmaindustrie wichtiger als jenes der Bevölkerung. 

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