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Richard Grenell: Trumps Undiplomat steht in Berlin vor dem Abgang

Richard Grenell wird seinen Posten als amerikanischer Botschafter in Berlin wohl demnächst räumen. Durch sein rüpelhaftes Verhalten brachte er die deutsche Öffentlichkeit gegen sich auf. Dabei war manches, was er sagte, richtig oder zumindest diskussionswürdig.

Als Taktgeber nur selten erfolgreich: Richard Grenell löste in Deutschland eher Trotzreaktionen als echte Debatten aus.

Als Taktgeber nur selten erfolgreich: Richard Grenell löste in Deutschland eher Trotzreaktionen als echte Debatten aus.

Kai Bienert / www.imago-images.de

Irgendwann in den 1960er Jahren kam in den USA der Begriff «public diplomacy» auf. Es war die Zeit des Kalten Krieges, und Diplomaten sollten von nun an nicht mehr nur im Stillen wirken, sondern auch Herzen und Köpfe der Bevölkerung ihrer Gastländer gewinnen. An einen Botschafter wie Richard Grenell dürften die Erfinder des Konzepts zuallerletzt gedacht haben.

Öffentliche Diplomatie betrieb Grenell als amerikanischer Gesandter in Berlin gleichwohl: Anders als die meisten seiner Kollegen erregte er mit seinen Stellungnahmen immer wieder breite Aufmerksamkeit. Dass es ihm dabei je darum ging, die Deutschen für sich oder für die Politik seines Landes zu gewinnen, erscheint allerdings zweifelhaft. Positiv fiel Grenell wohl vor allem seiner eigenen Regierung auf, deren Standpunkte er derart penetrant vertrat, dass «Der Spiegel» ihn einen «kleinen Trump» nannte.

Kaum Distanz zum politischen Geschehen

Tatsächlich glichen die Äusserungen des Botschafters stilistisch wie inhaltlich jenen des Präsidenten, der ihn ernannt hatte. Seinen Posten in Berlin trat Grenell im Mai 2018 an. Für Aufregung sorgte er bereits an seinem ersten Tag im Amt, als er deutsche Firmen auf Twitter aufforderte, ihre Geschäftsbeziehungen mit Iran umgehend zu beenden.

Wenig später erklärte er, in Europa konservative Politiker wie den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz unterstützen zu wollen. Kurz sei ein Rockstar und er, Grenell, ein grosser Fan, sagte der Botschafter dem rechten Internetportal «Breitbart». Das war ein Affront gegen die Regierung der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, hatte sich Kurz doch als Kritiker von deren Flüchtlingspolitik profiliert.

In diesem undiplomatischen Stil ging es weiter: Deutschlands Rüstungsausgaben seien zu niedrig, kritisierte der Botschafter. Deutschen Firmen, die sich am Bau der Pipeline Nord Stream 2 beteiligen, die Erdgas von Russland nach Westeuropa bringen soll, drohte er mit Sanktionen. Sollte Deutschland beim Aufbau eines 5G-Mobilfunknetzes chinesische Firmen zum Zug kommen lassen, werde dies Folgen für die Zusammenarbeit der Nachrichtendienste haben, schrieb er dem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier. 

Selbst seine Ausweisung wurde gefordert

Deutsche Politiker reagierten auf all diese Äusserungen empört. Tatsächlich hatte Grenell ihnen durch seine Profilierungsversuche eine Möglichkeit verschafft, sich ihrerseits zu profilieren. Worte wie «Kolonialherr» oder «Besatzungsoffizier» machten die Runde; Grenells Drohungen wurden als Einmischung in Deutschlands innere Angelegenheiten gewertet. Der frühere sozialdemokratische Kanzlerkandidat Martin Schulz nannte den Botschafter rechtsextrem; der FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki, der sich viel auf sein Gespür für die Volksmeinung zugutehält, forderte gar Grenells Ausweisung.

War Richard Grenell als Botschafter erfolgreich? Zumindest seine eigene Karriere scheint er in Berlin befördert zu haben: Manche in Washington sehen ihn sogar als möglichen neuen Aussenminister, sollte sich der derzeitige Amtsinhaber Mike Pompeo um einen Sitz im Senat bewerben. Den politischen Anliegen, die er als Botschafter ansprach, hat Grenell allerdings kaum einen Dienst erwiesen, eher im Gegenteil: Durch sein gemessen an diplomatischen Gepflogenheiten rüpelhaftes Auftreten löste er in Deutschland vor allem Trotzreaktionen aus.

Er warf berechtigte Fragen auf

Das ist deswegen so bedauerlich, weil manches, was Grenell sagte, durchaus richtig oder wenigstens diskussionswürdig war: Dass Deutschland mehr für die Verteidigung tun muss, sehen auch viele Deutsche mittlerweile ein, und welcher Ansatz im Umgang mit autoritär regierten Ländern wie Russland oder Iran der richtige ist, darüber kann man zumindest streiten. Bedenken wegen einer chinesischen Beteiligung am Aufbau des 5G-Netzes wiederum werden längst nicht nur in Trumps Umfeld geteilt: Nur wenige Tage nachdem Grenell im März 2019 seinen Brief an Altmaier verschickt hatte, verabschiedete das EU-Parlament eine entsprechende Resolution.

Die Art und Weise, wie Grenell kommunizierte, legte freilich den Verdacht nahe, dass es ihm häufig weniger um die Sache als um den Knalleffekt ging. Eigentliche Debatten vermochte er so kaum anzustossen. Sollte in Berlin Erleichterung über seinen angekündigten Abgang herrschen, dürfte diese schon bald Enttäuschung weichen: Dass Trump einen Nachfolger entsendet, der den Deutschen besser behagt, ist kaum zu erwarten. «Sie machen einen grossen Fehler, wenn Sie glauben, der Druck Amerikas höre auf. Sie kennen die Amerikaner nicht», schrieb Grenell selbst am Sonntag auf Twitter.

Sie können Deutschlandkorrespondent Hansjörg Müller auf Twitter folgen.

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