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Puzzles sind der Corona-Renner – bevor im Zürcher Oberdorf das Licht ausgeht, wappnet sich die Kundschaft für die nächsten sechs Wochen

Auch das Zürcher Oberdorf macht für sechs Wochen die Läden dicht. Dank Online-Bestellungen werden Brettspiele und Jeans weiter zu haben sein. Das Modell funktioniert nicht für alle Geschäfte.

Kathrin Leimbacher ist stellvertretende Geschäftsleiterin des Schuhhauses Gräb im Oberdorf.

Kathrin Leimbacher ist stellvertretende Geschäftsleiterin des Schuhhauses Gräb im Oberdorf.

Karin Hofer / NZZ

Zürich versinkt im Schnee. Aber die weisse Pracht wandelt sich auf dem Asphalt in knöcheltiefen Matsch. Elegantes Schuhwerk ist der Situation definitiv unangemessen, der Stadtmensch braucht Winterstiefel mit gutem Profil. Das Schuhhaus Gräb an der Oberdorfstrasse ist deshalb in diesen Tagen trotz Corona vielbesucht.

Geduldig warten Passanten vor der weit offenen Eingangstür des Traditionsgeschäfts: Höchstens 13 Kundinnen und Kunden dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten. Fast ebenso viel Verkaufspersonal unterstützt die bunt gemischte Käuferschaft dabei, die passende Fussbekleidung zu finden. Das kann je nachdem gegen eine Stunde dauern.

Schach ist ausverkauft

Am Montag ist Schluss, zumindest für sechs Wochen. So hat der Bundesrat entschieden. Auch im Spielladen schräg gegenüber werden demnächst die Lichter ausgehen. Noch hat aber der Geschäftsinhaber Beat Liechti zu tun. «Nein, nein, ich verschwinde nicht von dieser Welt. Ich bin auch in den nächsten Wochen da», sagt der hagere grosse Mann einem Kunden am Telefon.

Liechti trägt einen knallroten Faserpelz, seine schwarze Schutzmaske ziert der Schriftzug «Rien ne va plus». Der Name des 40 Quadratmeter grossen Geschäfts in Zeiten der verordneten Entschleunigung könnte passender nicht sein. An der Oberdorfstrasse türmen sich Brett-, Würfel- und Denkspiele, Puzzles und Sammelkarten in allen Variationen.

Beat Liechti betreibt seit über 30 Jahren das Spielwarengeschäft Rien ne va plus.

Beat Liechti betreibt seit über 30 Jahren das Spielwarengeschäft Rien ne va plus.

Karin Hofer / NZZ

Zum Angebot gehören Würfel in allen Farben und aus diversen Materialien.

Zum Angebot gehören Würfel in allen Farben und aus diversen Materialien.

Karin Hofer / NZZ

«Puzzles gingen bereits nach dem ersten Lockdown durch die Decke», berichtet Liechti. Normalerweise interessierten sich vor allem ältere Frauen und Touristinnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dafür. «Weil die Leute nicht mehr zusammenkommen können, stehen solche Beschäftigungsformen auch bei anderen hoch im Kurs.» Ebenso Paarspiele oder Klassiker wie Backgammon – und Schach. Seit der Netflix-Serie «The Queen’s Gambit» ist das Königsspiel permanent ausverkauft.

Eine dick vermummte Frau mit grossem Wanderrucksack betritt den Laden. «Ein cooles Spiel hast du mir letztes Mal für meinen Göttibuben empfohlen», sagt sie und strahlt. Liechti schmunzelt. Die allermeisten Spiele hat der 63-Jährige selber ausprobiert, mit seiner Familie und mit Freunden. Seit über 30 Jahren hält er im Oberdorf die Stellung.

Sorgfältig packt er nun der Kundin drei grosse Spielkartons ein. Sie hat kurz vor dem zweiten Lockdown Nachschub bestellt. Anders als im März wird Liechtis Laden aber diesmal nicht gestürmt. Trotz der Begrenzung auf maximal drei Kunden bilden sich vor der Tür keine Schlangen. «Der Schnee hält viele vom Einkaufen ab», vermutet Liechti. Er nimmt es gelassen. Auch die bevorstehende Schliessung ist für ihn kein Drama. Auf seine Stammkundschaft kann er zählen. Das zeigen die Erfahrungen vom letzten Jahr.

Im März hat Liechti begonnen, Bestellungen online entgegenzunehmen. Während des Lockdowns fuhr er mit dem öffentlichen Verkehr kreuz und quer durch die Stadt, um den Kundinnen und Kunden die gewünschten Spiele an die Haustür zu bringen. Er wird es wieder tun, aber etwas strukturierter, wie er sagt. Klar ist für ihn auf alle Fälle: «Däumchen drehen will ich nicht.»

Run auf Wanderschuhe

Kathrin Leimbacher, die stellvertretende Geschäftsleiterin des Schuhhauses Gräb, beschäftigt momentan vor allem, was nach der sechswöchigen Schliessung kommt. «Der Februar war nie ein starker Monat. Wenn dann aber wie letztes Jahr kein Frühlingsverkauf möglich ist, wird die Lage prekär», sagt sie. Denn das 1882 eröffnete Traditionsgeschäft ist auf Laufkundschaft angewiesen. Es setzt auf persönliche Beratung, der Onlinehandel fällt kaum ins Gewicht.

Leimbacher freut sich über die momentane Nachfrage nach festem Schuhwerk und warmen Finken. Umso mehr betrübt sie, dass das bereits im September und Oktober bestellte Sortiment stark geschrumpft und nicht mehr lieferbar ist. Übers Ganze gesehen seien aber die Einbussen weniger gravierend gewesen als bei anderen Schuhgeschäften, sagt sie. «Die Nachfrage nach Wanderschuhen im Sommer hat uns gerettet.» Ein weiterer Vorteil ist, dass Gräb keine Miete bezahlen muss. Das Schuhhaus besitzt die Liegenschaft mit dem schönen Jugendstilschriftzug seit über 100 Jahren.

Letzten Sommer waren Wanderschuhe besonders angesagt.

Letzten Sommer waren Wanderschuhe besonders angesagt.

Karin Hofer / NZZ

In dieser komfortablen Lage ist Beat Liechti nicht. Sein Vermieter sei aber überaus fair. Ohne «bittibätti» habe ihm dieser zwei Tage nach dem ersten Lockdown eine 50-prozentige Senkung des Mietzinses während dreier Monate angeboten. Auch diesmal werde er Liechti beistehen. «Aber letztlich wissen wir einfach nicht, ob es uns und andere eines Tages abserviert.»

Die grosse Ungewissheit versuchen die Ladenbetreiber der überschaubaren Welt zwischen Bellevue und Grossmünster zu verscheuchen. Und weil es mittlerweile auch an der Oberdorfstrasse Leerstände und viele Wechsel gibt, freuen sich die immer noch mutig sich behauptenden kleinen Geschäfte über jeden, der in diesen Tagen den Weg zu ihnen findet. Kundenbindung ist das A und O, die Unabhängigkeit vom Tourismus der grösste Trumpf.

«Wir wissen, was uns erwartet»

Reto Zumsteins Mini-Jeansladen ist etwas versteckt. Die Türe ist offen, aber niemand da. Das Knarren der Holztreppe kündigt den Inhaber von Struuss.ch an. «Danke, ich fühle mich sehr entspannt», sagt er auf die Frage, wie es ihm wenige Tage vor dem zweiten Lockdown gehe, und lacht. Dann wird er ernst: «Wir haben damit gerechnet. Im Unterschied zum letzten Frühling wissen wir, was uns erwartet.»

Corinne und Reto Zumstein betreiben den Jeansladen Struuss.ch.

Corinne und Reto Zumstein betreiben den Jeansladen Struuss.ch.

Karin Hofer / NZZ

Nach dem Entscheid des Bundesrats vom Mittwoch deckten sich manche Stammkunden noch schnell mit Hosen, Hemden und Jacken ein. Auch am letzten Tag vor der Schliessung rechnet Zumstein nochmals mit viel Betrieb. Denn wie im Schuhhaus Gräb wünscht seine Käuferschaft fachkundige Beratung. «Wer ohne Anprobieren online eine bestimmte Grösse bestellt, riskiert wegen der unterschiedlichen Schnitte einen Fehlkauf», sagt Zumstein.

Trotzdem hat er vor zehn Monaten den Online-Handel intensiviert. Inzwischen weist er auf der Website auf die Möglichkeit hin, Kleider zu bestellen und abzuholen. «Am Abend sind wir jeweils da, die Kundinnen und Kunden dürfen aber nicht anprobieren.» Werden diese das Angebot trotz möglichen Fehlkäufen nutzen? «Viele tragen jahrelang den gleichen Schnitt, wir haben auch nach Online-Einkäufen wenig Rückgaben», sagt er.

Den Jeansladen gibt es seit bald 30 Jahren. 2007 übernahm ihn Zumstein zusammen mit seiner Frau. Wie Beat Liechti hat das Ehepaar zudem das Glück, auf das Entgegenkommen des Vermieters zählen zu können. Er erliess ihnen bereits im März die Hälfte der Mietkosten und wird es wieder tun. Existenzängste haben Reto und Corinne Zumstein nicht.

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