Switzerland

Positiv getestet? Weil das Contact-Tracing überfordert ist, zählt nun die Eigeninitiative

Das Contact Tracing kann mit der Ausbreitung des Coronavirus in der Schweiz oft nicht mehr mithalten. Wer ein positives Testergebnis erhält, muss deshalb selbständig reagieren – doch wie?

In vielen Kantonen ist das Contact Tracing am Anschlag, auch bleiben Anrufe bei Corona-Hotlines vielfach unbeantwortet.

In vielen Kantonen ist das Contact Tracing am Anschlag, auch bleiben Anrufe bei Corona-Hotlines vielfach unbeantwortet.

Gaetan Bally / Keystone

Leichte Kopfschmerzen, trockener Mund, kratziger Hals, leichter Husten – mit diesen Symptomen einer Covid-19-Erkrankung reihte sich Andreas* am vergangenen Donnerstag in die Warteschlange vor dem Testzentrum in Visp im Kanton Wallis ein. Nach dem Test blieb er daheim, ohne Kontakt zu anderen Personen, und wartete. Weniger als 24 Stunden danach leuchtete sein Handy-Display auf: «Ihr Covid-19 Test vom 22. 10. ist POSITIV. Bleiben Sie zuhause. Der Gesundheitsdienst wird Sie schnell kontaktieren.»

Hier müsste nun eigentlich das Contact Tracing einsetzen, doch sind die kantonalen Stellen vielerorts mit der rasch steigenden Zahl Infizierter überfordert – so auch in Andreas' Fall. Was gilt es also nun zu tun?

1. In Isolation begeben

Positiv Getestete müssen sich unverzüglich in Isolation begeben, jeglicher Kontakt zu anderen Personen soll vermieden werden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt. Wer mit mehreren Personen in einem Haushalt lebt, soll sich alleine in einem Zimmer einrichten und wenn möglich ein eigenes Badezimmer benutzen.

2. Kontakte informieren

In einem zweiten Schritt gilt es für Angesteckte, alle Personen zu informieren, mit denen man bis zu 48 vor dem Auftreten der Symptome Kontakt hatte (während mindestens 15 Minuten und näher als mit 1,5 Meter Abstand). Diese Personen müssen sich ab dem letzten Kontakt mit der positiv getesteten Person für zehn Tage in Quarantäne begeben.

«Bei mir betraf es hauptsächlich die Familie», sagte Andreas. Alle diese engen Kontakte hat er per Online-Formular beim Kanton angegeben. Der Versuch, bei der kantonalen Corona-Hotline durchzukommen, scheiterte, ein Mail an die zuständigen Stellen blieb ebenfalls unbeantwortet. Die Familienangehörigen hätten nun, drei Tage nach seinem positiven Corona-Test, eine SMS mit Quarantäne-Anweisungen erhalten, sagt Andreas. «Hauptsächlich bin ich aber froh, dass sie keine Symptome zeigen.»

3. Covidcode eingeben

Wer die SwissCovid-App des Bundes nutzt, erhält auf Anfrage beim Kanton einen sogenannten Covidcode. Aktiviert man diesen, erhalten Nutzerinnen und Nutzer der App eine anonymisierte Benachrichtigung, sollte ein enger Kontakt bestanden haben. Dies geschieht auf freiwilliger Basis, wie das BAG schreibt.

4. Symptome überwachen

Das BAG empfiehlt positiv getesteten Personen, deren Symptome sich verschlimmern oder die besorgt über ihren Gesundheitszustand sind, einen Arzt zu konsultieren.

Bei Andreas, der sich nun seit vier Tagen in Isolation befindet, haben sich die Symptome nicht verschlechtert. Besser fühlt er sich indes auch nicht, auch wenn gravierendere Symptome wie beispielsweise Atemnot oder Schmerzen in der Brust bisher ausblieben. Nach einem Telefonat mit der Assistentin seiner Hausarztes ist Andreas nun für 14 Tage krankgeschrieben. «Ein Freund wird nun meine Medikamente abholen und sie mir in den Briefkasten legen», sagt er, etwas verunsichert darüber, wie lange er nun wirklich isoliert bleiben muss.

5. In Isolation bleiben

Über die Dauer der Isolation herrscht oft Unklarheit. Grundsätzlich gelten die Vorgaben des Kantons, schreibt das BAG. Sollten sich die Behörden jedoch nicht melden, was in der derzeitigen Situation wohl vermehrt der Fall sein wird, gilt eine Isolationsdauer von zehn Tagen ab Beginn der Symptome. Auch muss man bei Ende der Isolation mindestens 48 Stunden symptomfrei sein.

* Name geändert

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