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Porträt über Achtsamkeitstrainerin: Sie ist ein Star unter den Life-Coaches

Die Deutsche Laura Malina Seiler verspricht Sinnsuchenden mittels eigenem Magazin, Podcast und Onlinekursen ein besseres Leben. Sie ist Vertreterin einer «Achtsamkeitsindustrie» – die auf manche gefährlich anziehend wirkt.

Vermittelt eine Welt ohne Störgeräusche: Life-Coach Laura Malina Seiler.

Vermittelt eine Welt ohne Störgeräusche: Life-Coach Laura Malina Seiler.

Foto: Farina Deutschman

Laura Malina Seiler, 34, nennt sich selbst «spirituelle Lehrerin und Visionärin», aber das erfasst es nicht ganz. Wer ungefähr zwischen 25 und 45 Jahren alt ist, eine Frau und bereit, dem Leben eine andere Richtung zu geben, wird sie kennen – und womöglich ihre Bestseller «Mögest du glücklich sein» und «Schön, dass es dich gibt!» lesen, am Kiosk für 16 Franken ihr Magazin «I am» erstehen oder ihren Podcast anhören, der nach eigenen Angaben über 30 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Mehr als 25’000 Sinnsuchende haben an ihrem Onlinekurs «Rise Up and Shine Uni» teilgenommen, der aus vier Modulen besteht und für rund 400 Franken nicht weniger als ein Bausteinsystem für ein besseres Leben zu sein verspricht.

«Die Oprah Winfrey von Berlin» hat eine Frauenzeitschrift Seiler einmal genannt, ein Vergleich, der sie nicht stört: «Sie ist eins meiner grössten Vorbilder.» Das sagt sie im November bei einem Video-Interview in ihrem Büro in Berlin, zurückgekehrt aus Hawaii, von wo sie gerne Bilder ihrer Familie postete: Mit Partner Paul beim Surfen oder Sohn Carlo, 2, auf dem Arm.

Eine gestylte Form von Eskapismus

Laura Malina Seiler hört schon zu. Aber noch lieber erklärt sie, wie man in Phasen äusserer Krisen wie jetzt mit seinem Inneren umgehen sollte. «Wichtig ist, die Hoffnung zu bewahren. Wir können uns was Schönes vorstellen oder was Negatives. Und beides hat einen Effekt, wie es mir geht.» Seiler beginnt jeden Tag mit einer Meditation und liest, wenn überhaupt, frühestens am Nachmittag Nachrichten, weil sie sich nicht schon morgens «schlecht fühlen» möchte.

Man kann das auch eine gestylte Form von Eskapismus nennen – wer Seiler länger folgt, taucht ein in eine Welt mit wenig Störgeräuschen, in der ein Problem eine «Herausforderung» ist, alle unglaublich nett zueinander sind und eine eigene Sprache gesprochen wird, die zwischen Therapeuten-Deutsch und Youtuber-Verzückung schwankt: Seilers Lieblingswörter sind wunderschön, fantastisch oder wundervoll, in ihre Sätze flicht sie immer wieder «Liebe», «Dankbarkeit», «Spiritualität», «Universum» und «Heilung» ein.

Seiler liest frühestens am Nachmittag Nachrichten, weil sie sich nicht schon morgens «schlecht fühlen» möchte.

Nähe stellt sie dadurch her, dass sie bereitwillig aus ihrem Leben erzählt: Von ihren Verletzungen (ihre Mutter verliess die Familie, als sie zehn Jahre alt war), ihrem ungeraden beruflichen Werdegang (sie hat mal PR für Bushido gemacht und interkulturelle Kommunikation studiert), ihrem jahrelangen Gefühl, nichts wert zu sein, bis sie auf ein Meditationsseminar ging, was einer Erleuchtung gleichgekommen sein muss. Ihre Biografie: Der beste Beweis, dass man etwas erreichen kann, wenn man nur will. Ihre Ausbildung im Wesentlichen: Die Schule des Lebens zusammen mit Seminaren bei einer Berliner Coaching-Akademie.

In der Szene der Life-Coaches besetzt sie die Rolle der hippen Städterin. Andere Grössen wie der ehemalige Unternehmensberater John Strelecky, der frühere Basketballer Christian Bischoff oder die Psychologin Stefanie Stahl sind zu Gast auf ihren medialen Kanälen, alle natürlich «gute Freunde».

Von einer «Achtsamkeitsindustrie» sprechen manche, es ist eine boomende wie unübersichtliche Branche; Erscheinung einer Gesellschaft, in der Religionen ihren Einfluss verloren haben und Spiritualität und Gemeinschaftsgefühl in unterschiedlichen Ausformungen angeboten werden; leicht konsumierbar, meist mit einer strahlenden Persönlichkeit als Aushängeschild. Viele mögen aus diesen Wohlfühlpaketen brauchbare Denkanstösse für sich ziehen. Für einige aber können sie einen gefährlichen Sog entwickeln.

Auf der «Laura-Wolke» schweben

Man kann das Ende Juli sehen, als Laura Malina Seiler zu ihrem jährlichen mehrtägigen Festival lädt, diesmal nur online. Die Speakerinnen und Workshopleiter sind eine wilde Mischung, Männer in bunten Hemden, die sich auch mal halbironisch als «King of Kalendersprüche» vorstellen, beseelte Frauen, die versprechen, «Geldblockaden lösen» zu helfen. Mittendrin die Gastgeberin, für alle nur «Laura», auf einem grauen Sofa. Sie bietet an, Einzelne zu coachen, vor den Bildschirmen aller zahlenden Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Eine Frau, vielleicht Ende 20, setzt sich. Sie habe das Gefühl, im vergangenen halben Jahr noch «mehr ich geworden» zu sein, sie ernähre sich vegan, wasche die Haare nur noch mit Wasser, überhaupt schwebe sie «schon länger auf der Laura-Wolke». Ihr Partner nur könne mit dieser Laura-Wolke nichts anfangen – was das für die Zukunft der Beziehung bedeute?

Es ist diese Szene, bei der man versteht, was die deutsche Sektenexpertin Sabine Riede meint, als sie am Telefon sagt, sie sehe in der Life-Coaching-Szene durchaus Elemente, die an Sekten erinnern und deswegen gefährlich für manche werden können. Grossveranstaltungen, eine aufgeladene emotionale Atmosphäre, eine eigene Sprache, die einen Zusammenhalt verstärkt, dazu eine Persönlichkeit als zentrale Figur, und auch: Einzelne auf der Bühne vor den Augen aller von ihren Problemen erzählen zu lassen: «Ein Vorführeffekt, bei dem sich viele nachher nicht mehr wohlfühlen und der die Privatsphäre verletzen kann.»

Zu Sabine Riede, Leiterin der Sekten-Info in Nordrhein-Westfalen, kamen in den vergangenen Jahren immer mehr besorgte Angehörige oder Menschen, die in eine Abhängigkeit von einem Life-Coach geraten waren. Bei Laura Malina Seiler allerdings seien ihr keine Fälle bekannt. Aber sie findet: Lebenshilfe, die sich an eine Masse richte, und die die individuelle Lebenssituation des Einzelnen nicht genügend berücksichtige, «kann langfristig nicht funktionieren». Wer immer wieder «Mut zur Veränderung» propagiere, befeuere damit einen Unmut und die Bereitschaft, immer weitere Angebote zu erstehen. Ein Life-Coach «kann nie eine gute Freundin ersetzen. Eine echte Freundin, mit der ich einen Spaziergang machen kann und ein Gespräch habe, die mich unterstützt, wenn es mir nicht so gut geht, ist vermutlich auf lange Sicht der hilfreichere Weg.»

Seilers eigene Zukunft sieht ganz gut aus: Gerade hat sie die «Higher Self App» auf den Markt gebracht, beworben als «Dein spirituelles Fitnessstudio». Im Frühjahr bekommt sie ihr zweites Kind, ausserdem schreibt sie an einem Roman. Die fernere Vision aber ist eine andere. Eine eigene Talkshow, mit Menschen, die «spirituell sind, von denen man es aber nicht denkt». Ihren Wunschgast für die erste Sendung kennt sie schon: Angela Merkel.

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