Switzerland

Polizeiarbeit im Lockdown: «Müssen auch Leuten mit Symptomen helfen»

Wegen des hochansteckenden Coronavirus hat die Schweiz weitgehend auf Homeoffice umgestellt. Wie für das Gesundheitspersonal ist das aber auch für Polizisten nicht möglich. Täglich sind sie auf den Strassen, um nach dem Rechten sehen. Wie gehen die verschiedenen Polizeikorps mit der neuen Situation um und wie hat sich ihre Arbeit seit der weitgehenden Stilllegung des öffentlichen Lebens verändert?

Die Berner Polizei versucht die Weisungen des Bundesamt für Gesundheit, so gut es geht, einzuhalten, auch wenn das nicht immer möglich sei: «Etwa wenn sich eine Person bei einer Anhaltung wehrt und in der Folge mit Einsatz von Körperkraft angehalten werden muss», erklärt Polizeisprecher Christoph Gnägi. Zudem komme es vor, dass man Personen helfen müsse, die Krankheitssymptome zeigten. Obwohl nun weniger Menschen auf den Strassen sind, seien die Polizisten der Kantonspolizei Bern nicht weniger gefordert: «Im Gegenteil», sagt Gnägi.

So werde nun zusätzlich kontrolliert, ob die Massnahmen des BAG auch eingehalten würden. «Grösstenteils stellen wir fest, dass das Verständnis für die notwendig gewordenen Massnahmen da ist und unsere Arbeit geschätzt wird», sagt Gnägi. Es gehe darum, das Virus einzudämmen und die Risikogruppen zu schützen. «Stellen wir fest, dass dies noch nicht so ist, suchen wir in der Regel immer zuerst das Gespräch. Fruchtet dies nicht und zeigt sich jemand nicht einsichtig, kann eine Busse oder eine Anzeige folgen.»

«In Bezug auf Einbruchsdelikte lässt sich derzeit eine rückläufige Tendenz ausmachen. Dies ist angesichts der Tatsache, dass Einbrüche in Wohnräumlichkeiten typischerweise dann erfolgen, wenn sich niemand darin aufhält, durchaus nachvollziehbar», so Gnägi.

Auch im Kanton Luzern ist eine leichte Verlagerung im Tagesgeschäft spürbar: «So nehmen gewisse Delikte wie beispielsweise Taschendiebstähle ab, während es vermehrt zu Meldungen betreffend Einhaltung der geltenden Vorschriften des Bundes gibt», sagt Polizeisprecher Simon Kopp. Ob sich wegen der leeren Strassen weniger Unfälle ereignen, könne nicht beantwortet werden: «Darüber führen wir keine separaten Statistiken.» Ob Menschen während des Lockdown wegen der psychischen Belastung häufiger durchdrehen und sich selbst oder andere verletzen, kann Kommunikationschef Christian Bertschi nicht bestätigen: «Im Kanton Luzern hat die Luzerner Polizei keine Auffälligkeiten festgestellt.»

Nach wie vor beschäftige sich die Polizei vorwiegend mit Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Verkehrsdelikten, Streitigkeiten und weiteren Einsätzen. Weniger zu tun gebe es nicht: «Nein, die Anzahl der Einsätze und Interventionen hat nicht abgenommen», sagt Kopp.

«Der Respekt vor dieser Krankheit ist auch bei uns spürbar», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Trotzdem habe sich die Polizeiarbeit bis auf das Durchsetzen der neuen Massnahmen grundsätzlich nicht verändert. «Jedoch wird es wohl eine Zunahme von Problemen im zwischenmenschlichen Zusammenleben geben», prognostiziert er. Dabei geht es vorwiegend um Fälle wie zum Beispiel häusliche Gewalt, aber auch um Fälle, bei denen die Polizei Menschen in psychischen Notsituationen beistehen muss.

Den Vorwurf eines Lesers, dass die Kantonspolizei St. Gallen jetzt vermehrt Blitzer aufstelle, weist der Krüsi zurück: «Die Kantonspolizei St.Gallen wird sicher nicht vermehrt Blitzer aufstellen.» Die Verkehrssicherheit und das Vermeiden von Unfällen hätten dennoch oberste Priorität: «Insbesondere bei schweren, gefährdenden Verletzungen des Strassenverkehrsrechts werden wir konsequent durchgreifen», so Krüsi. «Die Kantonspolizei weist zudem darauf hin, dass infolge des Coronavirus kein rechtsfreier Raum besteht.» Der Einsatz von Echtzeitüberwachung, wie diese im Kanton Aargau praktiziert wird, wird es bei der Kantonspolizei St. Gallen nicht geben: «Auf eine Echtzeitüberwachung verzichten wir», so Krüsi.

«Für die einzelnen Mitarbeitenden sind es Massnahmen wie Homeoffice oder das Verzichten auf den Handschlag bei der Begrüssung, die im Alltag am meisten Spuren hinterlassen», sagt Toprak Yerguz, Mediensprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt. Die Polizisten seien aufgrund ihrer Aufgaben stark exponiert. «Es hat eine interne Verlagerung der Kräfte stattgefunden», so Yerguz. Wo möglich wurden die Mitarbeitenden der Kantonspolizei räumlich besser verteilt oder, sofern mit Büroarbeiten beschäftigt, ins Homeoffice geschickt. Ausserdem sind die Polizisten nun verstärkt auf den Strassen und öffentlichen Plätzen anzutreffen.

Für statistische Aussagen zu Einsätzen wegen psychischer Probleme sei es aber noch zu früh: «In den vergangenen zwei Wochen scheint es hier aber ‹gefühlt › aus polizeilicher Sicht keine Auffälligkeit zu geben.»

(rc)

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