Switzerland

Nsame sieht Rot: Harmlose Young Boys patzen im Ländle

15. Spieltag, 23./24. Januar 2021

Vaduz - Young Boys

Kurz vor dem Halbzeitpfiff wurden sie zu Hauptdarstellern: Nsame (rechts) greift dem Vaduzer Verteidiger Schmid ins Gesicht.

(frh) Die Formkurven beider Teams könnten gegensätzlicher nicht sein. Während YB Sieg an Sieg aneinanderreiht und der nächsten Meisterschaft entgegen schwebt, hat Vaduz bereits sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und ist auf bestem Weg in Richtung direktem Wiederabstieg.

Die erst kürzlich mit Edelmetall beschenkten Berner (Jean-Pierre Nsame wurde an den Swiss Football Awards als bester Spieler geehrt, Gerardo Seoane als bester Trainer) bestimmen im Rheinpark in Vaduz von Anfang an Tempo und Rhythmus der Partie. Wie beim Handball passen die Gäste die Kugel von links nach rechts und versuchen, die Lücke in der Vaduzer Abwehr zu finden. Vorerst bleibt die Suche erfolglos.

Aber auch die Liechtensteiner kommen dann und wann vielversprechend vors Tor. Einmal wird ein Schuss von Gajic geblockt, immer wieder sorgt Stürmer Djokic mit seinen Vorstössen für Probleme. Die grossen Chancen aber bleiben zunächst auf beiden Seiten aus.

In der 39. Minute dann der Schock für YB. Nsame lässt sich gegen Schmid zu einer Tätlichkeit hinreissen und greift dem Vaduzer ins Gesicht. Nach dem Videostudium schickt Schiedsrichter Fähndrich den Berner Topstürmer frühzeitig unter die Dusche. Eine erhebliche Schwächung für YB, das mit den zäh verteidigenden Hausherren ohnehin seine liebe Mühe hat.

In Hälfte zwei beisst sich der Leader weiter die Zähne an der diszipliniert agierenden Vaduz-Abwehr aus. Seone reagiert, wechselt offensiv, die zündenden Ideen aber bleiben aus. Mehr noch: Ohne Nsame findet der Meister im Angriff kaum noch statt. Wenn es vor einem Tor mal gefährlich wird, dann ist der FC Vaduz involviert. Einem Torerfolg am nächsten kommt Gajic: In der 81. Minute landet sein Freistoss am Aussenpfosten. Danach passiert nichts mehr. Es bleibt beim torlosen Unentschieden, mit dem die Young Boys nach diesem Spielverlauf sicherlich besser leben können.

Enttäuschte St.Galler nach dem Abpfiff der Heimpartie gegen Lugano.

(dwa) Der FC St.Gallen bleibt gegen Lugano in dieser Saison tor- und sieglos. Beim 0:1 gegen die Tessiner sorgt ein umstrittener Penalty für die Entscheidung. Ansonsten wiederholen sich zahlreiche Muster vom Duell Mitte Dezember. Und es verfestigt sich die Erkenntnis, dass den Ostschweizern im Angriff jegliche Durchschlagskraft fehlt.

Wenn St.Gallen gegen Lugano antritt, ist das ist in den allermeisten Fällen nichts für Fussball-Gourmets. Den Ostschweizern fehlt seit dem Abgang ihrer treffsicheren Angreifer Itten und Demirovic offensiv weiterhin jegliche Durchschlagskraft. Die Tessiner ihrerseits mauern und setzen bloss auf Konter. Dass es im heutigen Duell trotzdem einige Chancen auf beiden Seiten und sogar noch ein Tor gibt, macht das Spiel kaum besser.

Für die Entscheidung sorgen im Kybunpark zwei Szenen in der zweiten Halbzeit. Zunächst sieht der St.Galler Boubacar Faye Traorè nach einem Foulspiel die zweite gelbe Karte und wird des Feldes verwiesen. Kurze Zeit später schaltet sich der VAR nach einer Intervention des eingewechselten Tim Staubli im Strafraum ein. Schiedsrichter Fedayi San konsultiert die TV-Bilder und entscheidet auf Penalty. Der frühere St.Galler Mijat Maric bezwingt St.Gallen-Goalie Zigi sicher zum 1:0-Siegestreffer. St.Gallen-Trainer Peter Zeidler bezeichnet es nach Spielschluss als «sehr ärgerlich», dass der VAR die entscheidende Szene als klare Fehlentscheidung taxierte und eingriff.

Edon Zhegrova ist nach der deutlichen Pleite gegen den FC Zürich bedient.

Im Klassiker gehört dem FCZ nach sieben Minuten die erste nennenswerte Chance. Blaz Kramer wird steil lanciert, umkurvt Heinz Lindner, setzt seinen Schuss aus spitzem Winkel aber nur an den Aussenpfosten. Danach flacht das Spiel ab. Der FC Basel lässt mehrheitlich den Ball laufen, doch die Chancen gehören den Gästen. Nach 19 Minuten schiesst Antonio Marchesano drüber. Ab der 30. Minute ändert sich das Spiel komplett, plötzlich gibt es Chancen hüben wie drüben. Innert zwei Minuten pariert FCZ-Torhüter Yannick Brecher glänzend gegen Schüsse von Arthur Cabral und Pajtim Kasami. Auf der Gegenseite hat erneut der wirblige Marchesano die Führung auf dem Fuss. Frei vor dem Tor setzt er aber eine Direktabnahme zu hoch an.

Die zweite Halbzeit beginnen die Gäste gefährlicher. Kurz nach Wiederanpfiff köpft Kramer einen Freistoss freistehend neben das FCB-Gehäuse. Die Basler brauchen lange, um den Tritt zu finden. Nach 64 Minuten fordert der eingewechselte Edon Zhegrova Brecher, doch der Zürcher Schlussmann obsiegt erneut. Zhegrovas Chancen läutet 15 turbulente Minuten ein: Nach 67 Minuten entwischt Kramer der Basler Innenverteidigung und lenkt eine Flanke Marchesanos ins Tor ab. Nur sechs Minuten danach doppelt Lasse Sobiech nach einem ruhenden Ball von FCZ-Rückkehrer Blerim Dzemaili, der in der Startelf steht und ein überzeugendes Comeback feiert, nach. Doch dieses Mal gelingt dem FCB eine Reaktion. Nur zwei Zeigerumdrehungen später bringt Cabral mit einem sehenswerten Volley die Hoffnung zurück. Eine Hoffnung, die aber nur kurz anhält. Denn in der 80. Minute präsentiert sich die Basler Abwehr erneut zu schläfrig. Nathan verwertet eine Flanke im Anschluss an eine Ecke. Damit ist das Spiel gelaufen, doch das Endresultat steht noch nicht fest. Denn in der Nachspielzeit verwertet der omnipräsente Marchesano auch noch einen Foulpenalty. Es ist der Abschluss eines rundum missglückten Jahresauftaktes des FC Basel.

Torschütze Karlen (verdeckt) wird nach seinem Führungstreffer von den Kollegen geherzt.

Wenn Sion in diesen Tagen und Wochen auf dem Feld steht, entwickeln sich daraus nur selten wirklich ansehnliche Spiele. Das ist auch beim 1:0-Auswärtssieg in Lausanne nicht anders, doch das hat anfänglich nur bedingt etwas mit den beiden Mannschaften zu tun. Auf dem Rasen im Stade de la Tuilière liegt Schnee, das Geläuf ist glitschig, der Ball für die Spieler nur schwer kontrollierbar, wirklicher Spielfluss mag besonders in Hälfte eins nicht aufkommen. Nur gut für die Gäste aus Sion, dass sie ihren Führungstreffer nicht aus dem Spiel heraus erzielen müssen, und ihnen stattdessen ein Eckball genügt:

Anto Grgic – seit Wochen Dreh- und Angelpunkt im Sittener Ensemble – bringt den Ball flach in den Strafraum, wo Gaetan Karlen heranrauscht und am ersten Pfosten abschliesst.

Lausanne, geschwächt durch den langwierigen Ausfall seines Topstürmers Aldin Turkes, versucht sein Bestes, Turkes-Ersatz Guessand kommt das ein oder andere Mal aussichtsreich vors Tor, doch auch ihm will nicht wirklich Handfestes gelingen.

Im zweiten Umgang schmilzt dann der Schnee allmählich, das Spiel wird schneller, Lausanne vergibt weitere Chancen, Sion trifft durch Abdellaoui noch einmal die Latte (58.). Kurz vor Schluss haben die Sittener Glück, dass sie nach einem Foul im eigenen Strafraum keinen Penaltypfiff gegen sich bekommen. Es bleibt bei Karlens Treffer.

Und damit darf Sion-Coach Fabio Grosso, der das Spielgeschehen weitgehend mit gequälter Mimik verfolgt, aufatmen. Sein Chef Christian Constantin erhöhte den Druck unlängst und forderte öffentlich Resultate. Gewiss, die Walliser bieten selten Spektakel, doch letztlich lesen sich die Zahlen nicht allzu schlecht: Seit nunmehr fünf Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen, durch den Sieg gegen Lausanne klettert man vorübergehend an Luzern vorbei auf Rang 8.

Die aktuelle Tabelle

Mit einem 2:1-Auswärtssieg in St. Gallen hatten sich die Young Boys in die kurze Winterpause verabschiedet, mit einem Dreier auf fremdem Terrain gegen den FC Lugano sind sie nun auch ins neue Jahr gestartet. Aus den einst so auswärtsschwachen Bernern ist längst eine Macht in der Fremde geworden. Ihr 2:0-Sieg sorgt dafür, dass sie nach 14 Runden, nach der endlich einmal alle Teams gleich viele Partien ausgetragen haben, mit acht Punkten Vorsprung auf Basel und St. Gallen sowie elf auf Lugano die Tabelle anführen und auf gutem Weg sind, zum vierten Mal in Folge Schweizer Meister zu werden.

Jene, die sich zuvor das Handball-WM-Spiel der Schweizer gegen Island angeschaut hatten und vom Triumph noch etwas aufgewühlt waren, bekamen beim Spiel in der Südschweiz die Gelegenheit, den Puls wieder runterzufahren oder sich sogar ein kleines Nickerchen zu gönnen. Die Nachtragspartie der 6. Runde im Cornaredo war zwar die Begegnung zwischen dem Tabellendritten Lugano und dem Leader YB, doch von Klasse war eine ganze Halbzeit lang nichts zu sehen. Fast nichts: Adrian Guerrero besass die Möglichkeit zur Tessiner Führung, scheiterte aber an Goalie David von Ballmoos.

Als dann aber die Offensive der Gäste zehn Minuten nach der Pause erwachte und mit dem ersten Torschuss das 1:0 durch Christian Fassnacht erzielte, kam etwas Leben in die Bude. Nachdem Mattia Bottani kläglich mit einem Fehlschuss das 1:1 vergeben hatte, beendete auch YB-Goalgetter Jean-Pierre Nsame seinen Winterschlaf. Zuerst traf er mit einem Kopfball die Lattenoberkante, dann nützte er eine Viertelstunde vor Schluss ein Zuspiel von Meschack Elia zum 2:0. Kurz zuvor war bei den Luganesi der vom SC Kriens verpflichtete Stürmer Asumah Abubakar eingewechselt worden, doch auch mit dem Portugiesen bissen sich die Gastgeber nun die Zähne an der stabilen Berner Abwehr aus. Diese hat nach 14 Partien lediglich zehn Gegentore kassiert.

Das Nachtragsspiel auf dem tiefen Boden im Kybunpark bietet kaum Höhepunkte. Die Liechtensteiner machen im eigenen Strafraum dicht, kommen nur zu einem einzigen Schussversuch in der ersten Halbzeit. Die St.Galler ihrerseits bestimmen zwar das Geschehen - bringen in der ersten Halbzeit vor dem Tor bis auf zwei Halbchancen durch Victor Ruiz aber ebenfalls wenig zustande.

Nach einer Stunde erst können die Ostschweizer ihre Überlegenheit in Tore ummünzen. Nach einem Missverständnis in der Vaduzer Abwehr setzt Ruiz nach und bedient Kwadwo Duah vor dem Tor. Das 2:0 zehn Minuten später ist ein Zufallsprodukt. Basil Stillhart wird von Ruiz stark per Absatzkick bedient, trifft den Ball volley nicht richtig - so dass der Ball für Benjamin Büchel zum unhaltbaren Lobball wird. Verdient ist der St.Galler Sieg aber allemal: Über 60 Prozent Ballbesitz und ein Schussverhältnis von 19 zu 2 sprechen eine deutliche Sprache. Es ist das erste mal in dieser Saison, dass die Ostschweizer ein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied gewinnen.

Für die Vaduzer gibt es am Tabellenende je länger je weniger Hoffnung.
St.Gallen hingegen erobert sich mit dem Sieg den dritten Platz von Lugano zurück.

Fabio Dapréla erzielt den späten Ausgleich für Lugano.

Die Super League ist zurück: Am Sonntag standen sich der FC Sion und der FC Lugano im ersten Spiel nach der Winterpause gegenüber. Die Nachholpartie der 10. Runde bot lange wenig Unterhaltung und entschädigte schliesslich mit einer ereignisreichen Schlussphase, in der die Luganesi in letzter Sekunde das 1:1 erzielten. Nach einer Ecke stocherte Lugano-Verteidiger Fabio Daprelà den Ball zum verdienten Ausgleich ins Tor. Zuvor hatte Anto Grgic die Sittener mittels Foulelfmeter in Führung gebracht (75.).

Beide Teams setzten mit dem Remis eine Serie fort. Für den FC Lugano war es das vierte Unentschieden in Folge, für den FC Sion das vierte Spiel hintereinander ohne Niederlage. Während die Tessiner auf den dritten Tabellenplatz vorrücken, verbleiben die Walliser auf Barrage-Rang 9.

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