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Novak Djokovic verteidigt Forderungen und Privilegien: «Ich habe mir meine Privilegien verdient und nur die besten Absichten»

Fast im Stundentakt äussern Tennis-Spieler, die in Melbourne unter eine 14-tägige, harte Hotel-Quarantäne gestellt wurden, in den sozialen Medien ihre Befindlichkeit. Jüngst beklagte der Spanier Roberto Bautista Agut, immerhin die Nummer 13 der Welt, es sei wie im Gefängnis. «Diese Leute verstehen nichts vom Tennis, nichts vom Training. Sie verstehen von gar nichts etwas.» Als er realisierte, dass dies in Australien und ausserhalb der Tennis-Blase eher schlecht ankam, entschuldigte er sich. Es habe sich um eine private Unterhaltung gehandelt. Ihm sei nicht klar gewesen, dass sie aufgenommen werde. Er bewundere die Leistung der Behörden.

Bautista Agut ist einer von 72 Spielern und Spielerinnen, die auf einem der 3 Flüge aus Los Angeles, Abu Dhabi und Dubai nach Melbourne gereist waren, und deren Besatzung danach positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Die Folge: 14-tägige Quarantäne für alle und die Streichung der 5 Stunden, welche zuvor für Trainings und Verpflegung ausserhalb des Zimmers zugesichert worden waren. Die Forderung von Novak Djokovic, die Frist zu verkürzen und möglichst viele Athleten in Privatunterkünfte mit einem Tennisplatz zu transferieren, stiessen bei den Behörden auf taube Ohren. Im Gegenteil: Sie sorgen nur für zusätzlichen Unmut.

Der Uruguayer Pablo Cuevas macht das beste aus der Quarantäne

Balkon, Fitnessraum und alle Annehmlichkeiten

Denn Novak Djokovic reiste wie Rafael Nadal, Serena Williams, Dominic Thiem, Naomi Osaka und Ashleigh Barty nicht nach Melbourne, sondern nach Adelaide, wo sie Ende Monat einen Schaukampf bestreiten und wo ihnen eine privilegierte Behandlung zuteil wird. Denn dort profitierten die Top-Spieler von einem Fitnessstudio im Hotel, das sie ausserhalb der fünf vorgesehenen Stunden nutzen können. Der Franzose Jeremy Chardy sagte: «Sie werden in der Lage rauszugehen. Es wird wie ein normales Leben.» Und im Gegensatz zu den in Melbourne untergebrachten Spielern verfügen die Privilegierten einen Balkon. Und können damit an die frische Luft.

Zudem reisten Djokovic und Nadal mit gesamter Entourage an. Nadal lässt sich unter anderem von einem Trainer, dem Manager seinem Vater, einem Physiotherapeuten und dem Medienmanager begleiten, die Kosten trägt er selber. Das führt zwangsläufig zu Unstimmigkeiten. Anfang Woche stellte sich Craig Tiley, der Geschäftsführer von Tennis Australia und Veranstalter der Australian Open, in einer Telefonkonferenz der Kritik. Doch statt sich zu entschuldigen, rechtfertigte er die Massnahmen. «Sie sind die besten Spieler der Welt. Meine Haltung ist: Wenn du an der Spitze stehst, liegt es in der Natur der Sache, dass du einen besseren Deal als andere erhältst.»

Die Betroffenen bat er, sich in den sozialen Medien zurückzuhalten. Vor allem jene, die in Adelaide eine privilegierte Behandlung erfahren. Novak Djokovic ignorierte diese Bitte. Am Mittwoch um Mitternacht Ortszeit rechtfertigte er sich für sein Schreiben. «Meine guten Absichten wurden als egoistisch, schwierig und undankbar ausgelegt. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein», schrieb er. Manchmal frage er sich, weshalb er sich nicht einfach zurücklehne und seine Vorteile geniesse. «Ich weiss, wie die Welt funktioniert und weshalb einige mehr und besser behandelt werden als andere. Ich habe mir meine Privilegien hart erarbeitet.»

Aber er habe ein Herz für seine Spielerkollegen. Und er wisse genau, wie es ihnen ergehe. «Ich weiss, wie viel ein gutes Wort, oder eine kleine Geste bedeuten können, weil ich selber auch einmal klein und unbedeutend gewesen bin in dieser Hackordnung.» Deshalb wolle er seine Position nutzen, um anderen zu helfen, auch wenn er oft missverstanden werde. Mit Turnierdirektor Craig Tiley habe er sich immer sehr gut verstanden. Er respektiere und schätze dessen Bemühungen, und er habe ihm deshalb in einem Schreiben mögliche Verbesserungen der Situation für jene vorgeschlagen, die in Melbourne unter Quarantäne gestellt worden seien.

Djokovics Stellungnahme im Wortlaut

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