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Nick Caves neues Album: Melancholisches Massaker

Nach einer morosen Platte wieder einmal Musik mit Konturen: Nick Cave befreit sich aus der selbst gewählten Langeweile.

Warren Ellis schrieb die Musik, Nick Cave die Texte – eine bewährte Arbeitsteilung seit vielen Jahren.

Warren Ellis schrieb die Musik, Nick Cave die Texte – eine bewährte Arbeitsteilung seit vielen Jahren.

Foto: PD

Nick Cave und seine Frau Susie Bick haben einen Zwillingssohn verloren, Arthur, der vor sechs Jahren im LSD-Rausch von einer Klippe gestürzt war; er war 15 Jahre alt. Wie Eltern einen solchen Tod verarbeiten, können Aussenstehende nicht nachfühlen. Nick Cave tat es mit seinen Songs. «Skeleton Tree» von 2016 und das drei Jahre später erschienene «Ghosteen» waren Trauerarbeiten, von der Presse vielleicht auch aus Mitgefühl zu Meisterwerken hochgestemmt. Je stiller er seine Musik gestaltete, desto aufgeregter fielen die Kritiker über sie her.

Ein Hang zur Jesuspose

Wer vom letzten Album unbeeindruckt blieb, behielt es als Ausdruck einer kraftlosen, fast durchgängigen Monotonie in Erinnerung; Nick Cave schien sein Songschreiberhandwerk verlernt zu haben. Der Trauerfilm, den er und seine Frau über den Tod ihres Sohnes hatten drehen lassen, machte alles noch schlimmer: Die veröffentlichte Intimität berührte einen peinlich. Caves Auftritt im Zürcher Hallenstadion im November 2017, bei dem er während der Zugaben in Jesuspose mit dem Publikum fraternisierte und es dann selektiv auf die Bühne bat, wirkte nur noch bizarr; als hätte er vergessen, wer er gewesen war. Jemand nämlich, der genau gegen diese Art von Anbiederei seine ganze, wilde Karriere lang angetreten war.

Warren Ellis hat die Musik arrangiert, und man spürt beim Hören, wie gut er und Nick Cave sich verstehen.

Das zumindest kann man von «Carnage» nicht sagen, Nick Caves 19. Studioalbum, erneut mit dem Multiinstrumentalisten Warren Ellis eingespielt. Der Mann mit dem stoischen No-Bullshit-Gesicht weiss, wie er die Beschwörungen seines Freundes kontrastieren muss. Da ergänzen sich Pathos und Lakonie.

Zwar folgt auch die neue Platte der kargen Instrumentierung, dem langsamen, selten von einem Beat getragenen Balladentempo der Stücke, dem Totengräbersound von Caves Stimme. Die Zurückhaltung auf dem neuen Album habe eine Menge damit zu tun, schrieb Cave im Internet, dass er und seine Band wegen der Corona-Krise keine Konzerte hätten geben dürfen. Wer Nick Cave & The Bad Seeds live gesehen, die kathartischen Explosionen ihrer Musik erlebt hat, versteht die Erklärung sofort.

Dennoch entwickeln die neuen Songs eine Dynamik, die man bei seinem letzten Album vermisst hat. Denn das hat der Sänger nicht verlernt: aus dem Nichts heraus eine beklemmende Atmosphäre zu erzeugen, bei der er sich von pulsierenden elektronischen Klängen, Gitarre und gelegentlich von einem Chor unterstützen lässt. Warren Ellis hat die Musik arrangiert, und man spürt beim Hören, wie gut er und Nick Cave sich verstehen: Die Musik vertont, was der Sänger besingt.

«Hand of God» ist so ein Lied, das leise beginnt und sich zu einem zweifelnden Glaubensbekenntnis steigert. Es finden sich auf der Platte mehrere gute Songs wie «Shattered Ground» oder «Carnage», das Titelstück mit einem für Cave so typischen Titel: Blutbad, Massaker. Der beste Song, «White Elephant», greift politisch ein und zeigt, dass es der Sänger als Schreiber immer noch kann. Sein Text überblendet den «Black Lives Matter»-Protest mit dem Erstickungstod des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizisten. Zugleich schickt Cave Donald Trump eine Warnung nach: «If you even think about coming round here, I’ll shoot you in the fucking face.» So haben wir unseren Apokalyptiker gern.

Nick Cave & Warren Ellis: «Carnage». Goliath Records.

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