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«Nach tausend Filmen hab ich aufgehört zu zählen»: Blick-Leser Pascal Storror ist einer der grössten Horror-Fans der Schweiz

«Warum schauen Menschen eigentlich Horrorfilme?», wollten wir kürzlich von der Blick-Community wissen. Dutzende Fans erzählten uns von ihrer Leidenschaft für furchteinflössendes Kino.

Einer von ihnen ist Pascal Storrer (34). Seit seiner Kindheit schaut der Basler Horrorfilme und hat sogar schon die Drehorte von verschiedenen Klassikern besucht.

«Die Albträume hörten dank Horrorfilmen auf»

«Mein erster Horrorfilm war ‹Der Weisse Hai› – damals war ich ungefähr zwölf», erzählt Storrer. Kurz darauf folgten «Scream» und «Halloween». Obwohl er eigentlich noch zu jung für solche Filme war, hatten die Eltern nichts dagegen. Und geschadet hat es nicht – im Gegenteil: «Als Kind hatte ich oft Albträume», erzählt er. «Interessanterweise verschwanden diese, sobald ich anfing, solche Filme zu schauen.»

Die Slasher der Achtziger- und Neunzigerjahre haben es dem Blick-Leser besonders angetan. «Ich kann solche Filme alleine schauen und danach problemlos einschlafen», erzählt Storrer. Dass Horrorfilme immer blutrünstig sein müssen, ist aber ein Irrtum – der 34-Jährige mag gerade die Vielfältigkeit des Genres: «Das sind ja nicht alles einfach Gemetzel, sondern je nach Sub-Genre auch richtig gute Geschichten mit Botschaften, die zum Denken anregen.»

Er muss es wissen. Wie viele Horrorfilme Storrer mittlerweile gesehen hat, kann er gar nicht mehr sagen. «Bei tausend habe ich aufgehört zu zählen», sagt der Sammler. Als es irgendwann doch etwas zu viel wurde, musste er ausmisten. Seine absoluten Favoriten, sauber nach Kategorien sortiert, füllen aber noch immer zwei Regale.

Zu Besuch am Drehort von «Halloween»

Storrers Liebe zu Gruselfilmen ist so gross, dass er 2018 auf einem Roadtrip durch die USA sogar verschiedene Drehorte von Kultfilmen abklapperte. «Obwohl ich vorher nie dort war, hatte ich fast schon eine Art Fernweh, zum Beispiel nach der fiktiven Kleinstadt, in der ‹Halloween› spielt», erzählt er. Andere gehen in die «Harry Potter»-Studios, Storrer reiste mit seiner Freundin nach South Pasadena, um dort diese eine Stelle zu besuchen, an der Jamie Lee Curtis im Film mit einem Kürbis auf einem Mäuerchen sitzt.

Auf der Jagd nach verschiedenen Film-Locations erlebte Storrer dann auch selbst eine Szene wie aus einem Horrorfilm-Drehbuch. «Auf dem Highway wurden wir von einem LKW-Fahrer unter Druck gesetzt, wie im Spielberg-Klassiker ‹Duel›», erzählt er. Dort wird der Protagonist von einem rostigen Lastwagen verfolgt und terrorisiert. Der Horror-Fan sah also nicht nur die Drehorte, sondern spürte das Kribbeln eines Highway-Thrillers am eigenen Leib.

«Es gibt immer kritische Stimmen»

Auf die Frage nach dem Warum weiss der Filmkenner aber auch heute noch keine klare Antwort. «Entspannend ist es nicht», sagt er. «Es geht mir um die Atmosphäre.» Diese würde sich auch im Soundtrack widerspiegeln. «Wenn die berühmte Titelmelodie von ‹Halloween› läuft, wird es mir direkt warm ums Herz.» Vor allem im Herbst, wenn es draussen langsam kalt, nass und düster wird, gibt es für den Blick-Leser nichts Schöneres als einen Abend mit Gruselfilmen.

Doch steckt in jedem Horrorfilm-Fan ein kleiner Psychopath? Storrer muss über das Vorurteil lachen. «Es gibt immer kritische Stimmen bei Dingen, die der Mainstream nicht versteht», sagt er. Wenn er im Kino durchs Publikum schaut, sieht er aber alles, von aufgeregten Teenagern bis zu Senioren. Alles ganz normale Menschen. «Andererseits», scherzt er, «in jedem Klischee steckt wohl auch ein Funken Wahrheit.»

Horrorfilme – warum tut man sich das an?

Auch wenn manche Menschen gewalttätige Filme als geschmacklos oder krank empfinden, haben Horrorfilme eine riesige Fangemeinde. Die Wissenschaft kennt verschiedene Erklärungsansätze. Manche Forscher sprechen etwa von der sogenannten Angstlust. Zwar sehen wir Szenarien, die kaum jemand selbst erleben möchte – weil wir uns dabei aber in einer sicheren Umgebung befinden, können wir die Furcht geniessen.

Somit dienen Gruselfilme dem sogenannten Mood-Management, also der Stimmungsregulierung. Menschen nutzen gewalttätige Inhalte, um ein zu geringes Erregungsniveau zu steigern. Wenn wir in einem Film mitfiebern, schüttet unser Körper den Botenstoff Dopamin aus, der eine euphorisierende Wirkung hat.

Wird am Ende des Films der Killer besiegt, gibt uns das erst recht ein gutes Gefühl. Hier kommt die Dispositionstheorie ins Spiel: Der Zuschauer empfindet manche Figuren als sympathisch, andere weniger. Passiert im Film nun jemandem, den wir nicht mögen, etwas Schlimmes, wird das als gerecht empfunden. Das gilt in beide Richtungen: So ist es auch möglich, dass manche Menschen dem Killer die Daumen drücken, weil sie die anderen Figuren als unsympathisch empfinden.

Nur weil jemand Freude an blutrünstigen Filmen hat, heisst das aber noch lange nicht, dass in ihm ein Psychopath steckt. Der Zusammenhang zwischen medialer und realer Gewalt ist in der Wissenschaft stark umstritten. Helmut Hartwig, Professor für ästhetische Erziehung in Berlin, ist ausserdem der Meinung, dass «die Verdummung der Wahrnehmung, wie sie durch das normale Fernsehen stattfindet» problematischer ist als jeder Horrorfilm.

Und wenn wir schon beim Thema sind: Vor einigen Monaten haben wir einen kleinen Test gebastelt – würdest du einen Horrorfilm überleben? Beweis deine Überlebensinstinkte unten im Quiz!

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