Switzerland

Mitholz wird zum Geisterdorf – schwerer Schlag für Bewohner: «Ich bin 75! Wohin soll ich in zehn Jahren gehen?»

Die Räumung des ehemaligen Munitionslagers in Mitholz BE hat gravierende Folgen. Die 170 Dorfbewohner werden ihre Häuser wohl für rund zehn Jahre verlassen müssen. Den Bund dürfte das deutlich über eine Milliarde Franken kosten. Dies teilte Verteidigungsministerin Viola Amherd (57) am Dienstag den Mitholzern mit.

Diese reagierten teils emotional auf die Schreckensnachricht. ««Ich bin 75! Wohin soll ich in zehn Jahren gehen?», fragt etwa der besorgte Rentner Fritz Rösti (75). «Es gibt viel zu verarbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen», meint der Mitholzer Ruedi Rauber (34). Er versuche jetzt aber, positiv zu denken.

Wer hilft bei der Wohnungssuche?

«Es war klar, dass wir weggehen müssen. Aber dass es für so lange ist, erstaunt mich doch», ergänzt der Landwirt Patric Schmid (38). Hausfrau Barbara Rauber (36) fragt sich derweil, wohin sie nun gehen kann – und wer einem bei der Suche eines neuen Wohnorts behilflich sei.

Dass es für viele Bewohner ein emotionaler Moment ist, kann Bundesrätin Amherd gut nachvollziehen, wie sie zu Blick TV sagt. «Es geht schliesslich um die Heimat von vielen Familien.» Diese zu verlassen, sei «schwer zu verarbeiten». Die Räumung eines Dorfes sei eine «einschneidende Massnahme».

Amherd: «Es darf nichts beschönigt werden.»

«Für mich ist wichtig, dass die Bevölkerung offen und transparent informiert wird. Es darf nichts beschönigt werden», so die Verteidigungsministerin weiter. Sicher sei schöner, wenn man positive Nachrichten überbringen könne. Aber es gehöre zum Amt einer Bundesrätin, dass man auch mit solchen Situationen umgehen könne.

Der Grund für die Räumung des Dorfes ist das ehemalige Munitionslager, das 1947 bei einer Explosion verschüttet wurde. Mit der Räumung kann frühestens 2031 begonnen werden. Allein die Vorarbeiten werden zehn Jahre in Anspruch nehmen. (nmz)