Switzerland

Michelle Gisin und die leisen Töne vor dem Heimweltcup in St. Moritz

Der Vortag des Rennens verläuft in St. Moritz gewöhnlich so: Nach dem Training treffen die Skifahrerinnen in einem Nobelhotel auf Medienleute. Am runden Tisch werden Fragen gegen Antworten getauscht. Später werden die Startnummern draussen auf einer Bühne ausgelost, bestenfalls mit vielen Zuschauern. Das ist auch die Gelegenheit für Fans, um an Autogramme zu kommen. In diesen Momenten bekommt man tatsächlich das Gefühl, man lebe in einer Skination.

Zelt statt Nobelhotel: Michelle Gisin beim Medientermin in St. Moritz

In der Pandemie sind aber einige Dinge absurd geworden. Dazu gehören eine Startnummernvergabe vor Partypublikum oder eine Medienschar, die in einem geschlossenen Raum Athletinnen umzingelt. Deshalb steht Michelle Gisin draussen in einem halb offenen Zelt in St. Moritz Bad, mit zwei Metern Abstand zu den Fragenden. Irgendwann rutscht haufenweise Schnee vom Zeltdach, weil im Oberengadin seit Freitag ein richtiger Winter stattfindet und es pausenlos schneit. Gisin sagt: «Ich hoffe, dass es klappt, dass wir in irgendeiner Form ein Rennen haben.» Ob die beiden Super-Gs am Samstag und Sonntag durchgeführt werden können, ist zumindest fraglich. Der Optimismus auf der anderen Seite der Absperrung ist verhalten. Ein Reporter fragt proaktiv: «Was macht man an Tagen, an denen man frühmorgens erfährt, dass kein Rennen ist?»

Wintereinbruch in St. Moritz: Michelle Gisin gefolgt von Lara Gut-Behrami.

Auch eine volle Tribüne hilft wenig

Das Wetter taugte im Skisport seit jeher zum Small Talk. Neu liegt im Werkzeugkasten der Fragenden Corona. Beim Heimweltcup in St. Moritz sind am Wochenende keine Zuschauer zugelassen. Die Öffentlichkeitsarbeit der Athletinnen wurde auf ein Minimum runtergedrosselt. Das bringt selbstredend Vorteile mit sich. Gisin sagt unter anderem, sie habe «extrem viel Ruhe», alles sei «sehr entspannt» und letztlich «viel weniger energieraubend». Die Zuschauer, der Hype im Zielraum, er mag zwar fehlen. Doch anders als im Fussball oder Eishockey ist im Skisport der Einfluss der Ränge auf das sportliche Geschehen bescheiden. Auch eine volle Tribüne auf Salastrains kann die Linie am Hang nicht idealer machen. Gisin sagt:

Die Ausgangslage ist schwer einzuschätzen. Ungewisse Wetterbedingungen treffen auf ungewisse Formstände. Der letzte Vergleich im Speedbereich fand im Februar in La Thuile statt. Nach diesem Super-G wurde die Saison abgebrochen. Gisin hatte zuletzt viel Slalom trainiert. Wo sie in den schnellen Disziplinen steht, ist ebenfalls schwer zu erraten. Sie sagt: «Mal schauen, wie ich mich auf den langen Ski zurechtfinde.» Und: «Wir werden sehen.»

Die vagen Äusserungen haben eine Vorgeschichte. Vor der letzten Saison wollte Gisin ziemlich unverhohlen die damals unwiderstehliche Mikaela Shiffrin herausfordern. Shiffrin gewann die grosse Kristallkugel nicht, sondern die Italienerin Federica Brignone – mit mehr als doppelt so vielen Punkten wie Gisin. In dieser Saison will sie deshalb bewusst defensiver kommunizieren. Und es scheint so, als würde sich das Vorhaben positiv in den Zahlen niederschlagen. Gisin ist ein überaus guter Saisonstart gelungen. In drei Rennen war sie nie schlechter als Platz 5, in Levi gelang ihr mit dem 2. Rang das beste Slalomergebnis überhaupt. Mit den leisen Tönen baut sie sich viel weniger Druck auf.

Michelle Gisin (links) bei ihrem zweiten Platz in Levi. Die Slowakin Petra Vlhova (Mitte) siegte, die Österreicherin Katharina Liensberger wurde Dritte.

«Ich bin ja immer noch die kleine Schwester»

Mit den Resultaten im Rücken verströmt Gisin viel Ruhe an diesem Freitagnachmittag. Etwas merkwürdig sei es zwar schon, dass sie nun die einzig verbliebene aktive Fahrerin der Familie sei, sagt sie. Nachdem ihre älteste Schwester Dominique 2015 zurücktrat, teilte am vergangenen Montag ihr Bruder Marc den Rücktritt mit. Die drei Geschwister stehen sich sehr nahe. Dominique begleitete Michelle eng, als diese sich an die schnellen Disziplinen wagte. Marc trainierte hie und da mit Michelle. Wenn einer der drei ein Rennen hatte, litten die anderen mit. «Ich bin stolz auf Marc und seine Karriere. Aber ich habe ihn bei diesem Entscheid nicht versucht, zu beeinflussen. Ich bin ja immer noch die kleine Schwester.» Die kleine Schwester ist nun die letzte Gisin in der Skiwelt.

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