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Mein Englisch tönt besser als deines – weshalb wir uns bei Fremdsprachen meistens überschätzen

Menschen neigen zur Selbstüberschätzung. Das zeigt sich auch bei Akzenten. Diese fallen uns vor allem bei anderen Personen auf, nicht aber bei uns selbst. Dies bestätigt nun auch eine neue Studie.

Akzente fallen meist vor allem bei anderen Personen auf, nicht aber bei einem selbst.

Akzente fallen meist vor allem bei anderen Personen auf, nicht aber bei einem selbst.

Hannah Mckay / Reuters

Akzente bereichern die Kommunikation. Die Vielzahl kleiner Abweichungen von der korrekten Intonation oder Betonung machen Gespräche farbiger und abwechslungsreicher. Dennoch haben Akzente einen schlechten Ruf. Wer eine Fremdsprache lernt, will sie tunlichst vermeiden, um auch bei der Musikalität eines Idioms zu überzeugen. Das gelingt einigen Leuten besser, anderen schlechter. Dabei teilen wohl die meisten Menschen die Beobachtung, dass Akzente vor allem bei anderen Personen auffallen, nicht aber bei einem selbst. Dass dies nicht bloss eine subjektive Wahrnehmung ist, bestätigen nun Wissenschafter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der University of Malta.

Die Forscher liessen in einer Studie 24 Studentinnen englische Sätze vorlesen. In der Folge wurden die Stimmen ver­fremdet und von Frauen- in Männerstimmen umgewandelt. Durch diese Verfremdung blieben zwar alle akustischen Merkmale des Akzents erhalten, doch die Stimme war nicht länger als die eigene erkennbar. Wie die Wissenschafter in einer Mitteilung schreiben, holte man die Probandinnen nach einigen Wochen ins Labor zurück. Dort wurden sie gebeten, die Aussprache der vermeintlichen Männer zu bewerten. Jede Studentin hörte vier verfremdete Stimmen, darunter auch die eigene, was den Probandinnen aber nicht bewusst war.

Das Resultat: Die Probandinnen bewerteten die Aussprache ihrer eigenen, aber ver­fremdeten Stimme besser als jene der anderen. Warum? Erstens, so die Erklärung der Forscher, seien Akzente, die man selber kenne, einfacher zu verstehen. Zweitens komme der «Mere-Exposure-Effekt» zum Tragen. Dieser aus der Psychologie bekannte Effekt besagt, dass man Dinge, die einem vertraut sind, als angenehmer empfindet. Und zu jenen Dingen, die einem – zumindest unbewusst – bestens vertraut sind, gehört der eigene Akzent. Was lernt man? Etwas mehr Bescheidenheit bei der Beurteilung der eigenen Artikulation ist geboten – allein schon als Korrektiv zu einer geradezu angeborenen Selbstüberschätzung.