Switzerland

Mehr Direktzahlungen für das Tierwohl, weniger Dünger und weniger Pestizide – Guy Parmelin stellt die Pläne für die Agrarpolitik ab 2022 vor

Der Bundesrat präsentiert seine Pläne für die Agrarpolitik ab 2022. Die Landwirtschaft soll ökologischer werden. Verfolgen Sie die Pressekonferenz mit Agrarminister Guy Parmelin live.

Die Reform der Agrarpolitik hat schon viele Gestalten angenommen. Zuerst war sie ein Agrarmarkt-Öffnungsprogramm – das war 2017, noch in der Strategiephase. Nachdem die Bauernlobby dagegen Sturm gelaufen war, wollte das Bundesamt für Landwirtschaft dann fast alles belassen, wie es ist. Das war vor einem Jahr. Nun – nach dem Klimajahr und unter dem Druck von zwei populären Volksinitiativen gegen Pestizide – verabschiedet der Bundesrat eine Reform im grünen Mantel. Die Landwirtschaft soll ökologischer werden.

Konkret will der Bundesrat die Latte bei den Direktzahlungen höher legen. Die Bauern sollen zum Beispiel weniger Dünger pro Hektare Land ausbringen dürfen. Ackerbauern sollen mehr Fläche für die Biodiversität ausscheiden müssen. Zusätzlich schafft der Bund grössere finanzielle Anreize für Umwelt- und Tierwohlleistungen: Er will mehr Geld aus dem Direktzahlungsbudget an jene Bauern auszahlen, die ihre Kühe weiden lassen, Nützlingsstreifen anlegen oder besondere Leistungen für die Artenvielfalt erbringen. Im Gegenzug sinkt das Budget der pauschalen Flächenbeiträge. 

Landwirtschaftsminister Guy Parmelin legt den Medien die bundesrätlichen Pläne in der Agrarpolitik dar.

Landwirtschaftsminister Guy Parmelin legt den Medien die bundesrätlichen Pläne in der Agrarpolitik dar. 

Peter Klaunzer / Keystone

Die Regierung schlägt auch ein verbindliches Reduktionsziel für Stickstoff vor: Der Überschuss an Stickstoff soll bis 2025 um 10 Prozent sinken, bis 2030 um 20 Prozent. Die Überdüngung ist ein Hauptproblem der Schweizer Landwirtschaft: Die Bauern bringen mehr Dünger auf den Feldern aus, als die Pflanzen aufnehmen können. Der überschüssige Stickstoff reichert sich im Boden an und sickert als Nitrat ins Grundwasser. Im vergangenen Sommer hatte das Bundesamt für Umwelt berichtet, dass der gesetzlich zugelassene Nitrat-Wert im Ackerbaugebiet an über 40 Prozent der Messstellen überschritten wird.

Bei den Pestiziden will der Bundesrat die Bauern mit finanziellen Anreizen dazu bringen, weniger zu spritzen. Bauern, die auf Herbizide, Insektizide oder Fungizide verzichten, sollen mehr Geld erhalten. Der Bundesrat verweist auch auf einen Vorschlag aus dem Ständerat: Dessen Wirtschaftskommission ist Anfang Woche in die Offensive gegangen und fordert, dass die Risiken von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 Jahren um die Hälfte reduziert werden. Wird das Reduktionsziel nicht erreicht, soll der Bundesrat weiterführende Massnahmen umsetzen müssen, zum Beispiel eine Lenkungsabgabe auf Pestizide.

Die Agrarreform geht nun ins Parlament. Die beiden Initiativen gegen Pestizide kommen spätestens im November zur Abstimmung.

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