Switzerland

Mats Staub kehrt nach Basel zurück – mit einer Kunstinstallation, die nach Hause bestellt werden kann

Mats Staub ist ein Mensch, der seinen eigenen Beruf erfunden hat. Der 48-jährige Berner Dramaturg sammelt seit elf Jahren Geschichten, die ihm wildfremde Menschen erzählen. Zum Beispiel zum Thema Grosseltern. Oder zur Frage, was die zehn wichtigsten Erlebnisse im Leben waren.

Aus den Ton- und Videodokumenten kreiert er raumgreifende Installationen, die er weltweit in Theaterhäusern oder an Festivals und in Museen zeigt. Staub geht in seinen Arbeiten immer von persönlichen Erlebnissen und Fragestellungen aus. Ausgangspunkt für sein neustes Werk «Death and Birth in My Life» war der Tod seines Bruders im Jahr 2014.

Der Schmerz über diesen Verlust führte Staub zur Frage, wie wir mit den letzten Dingen im Leben umgehen: «Welche Todesfälle und Geburten haben mein Leben bisher geprägt? Wen habe ich empfangen, wen verloren und verabschiedet? Und was ist mir dabei passiert?» E

Ein langsam anwachsendes Geschichten-Archiv

Antworten auf seine existenziellen Fragen sammelt Staub an jedem Ort, den er mit der Installation besucht. So wird «Death and Birth in my Life», wie andere Produktionen des Künstlers auch, zu einem Langzeitprojekt und letztendlich zu einem Geschichten-Archiv.

In der mehrteiligen Videoinstallation erzählen sich jeweils zwei Menschen sehr persönliche Erlebnisse zum Thema Leben und Tod. Staub sagt: «Erzählen und Zuhören ist immer ein emotionaler Akt. Es hat etwas Heilsames an sich.» Er wolle, so der Künstler, mit seiner Arbeit einen Raum schaffen, der Empathie, Teilhabe und Verbundenheit ermögliche.

Screenshot aus der Installation «Death and Birth in My Life».

«Death and Birth in my Life» wurde im Juni 2019 erstmals in der Kaserne Basel gezeigt und tourt seither in ganz Europa. Unter anderem war die Installation am Festival Theaterformen Hannover, an den Salzburger Festspielen, im Museum The Whitworth in Manchester oder im Museum für Kommunikation in Bern zu sehen. Nun kehrt die Arbeit in Zusammenarbeit mit der Kaserne nach Basel zurück, aber – coronabedingt – in veränderter Form.

Das Publikum wird zum Gastgeber

Da wegen der Pandemie die Installation derzeit nicht in öffentlichen Räumen gezeigt werden kann, verlegt Staub seinen Aktionsradius ins Private. Das Publikum kann sich einzelne Filme aus der Installation nach Hause bestellen. Interessierte können sich auf der Website des Künstlers anmelden. Das Produktionsteam sendet den Gastgeberinnen und Gastgebern Unterlagen zum Projekt und fixiert einen Termin. An diesem erhalten sie dann Besuch von einem Projektbetreuer, der einen Beamer mit den ausgewählten Filmen mitbringt.

Die Gastgeber sind aufgefordert, Personen aus ihrem Umfeld einzuladen, das Projekt vorzustellen und einzelne Filme zu zeigen. Das flexible Wohnzimmerformat erlaubt es, das Projekt über einen längeren Zeitraum zu erleben und darüber mit Bekannten ins Gespräch zu kommen. Zur Auswahl stehen zehn Filme aus Europa und Afrika, in Deutsch, Englisch oder Französisch.

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