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Mathematik des Todes: Dieser Mann errechnet, wie lange Sie leben

Christian Hesse berechnet das Sterberisiko von Menschen mit erstaunlicher Präzision. Weshalb der Stuttgarter Mathematiker das Coronavirus fürchtet, aber Covid auch ein wenig dankbar ist – und der Geburtstag ein Risikotag ist.

«Das Schöne an mathematischen Methoden ist, dass man damit über alles nachdenken kann»: Christian Hesse.

«Das Schöne an mathematischen Methoden ist, dass man damit über alles nachdenken kann»: Christian Hesse.

Foto: Miina Jung/sz.de

Es gibt ein Zitat von Hermann Hesse, das fast genauso von seinem Namensvetter Christian Hesse stammen könnte: «Es wird immer gleich ein wenig anders, wenn man es ausspricht.» Allerdings müsste es dann am Ende «ausrechnet» heissen. Denn genau das tut der Stuttgarter Mathematikprofessor seit Langem: Szenarien derart anschaulich berechnen, dass einem ganz anders wird. An diesem Wintermorgen etwa beziffert er gut gelaunt sein aktuelles Sterberisiko, das pro Tag 28 Mikromort beträgt. «Das ist überschaubar, aber ich bin ja auch ein risikoscheues Schreibtischwesen», sagt er.

Mikromort bedeutet übersetzt so viel wie «kleiner Tod» und ist die Einheit, mit der Statistiker das Risiko messen, an einem Tag ums Leben zu kommen. Einzug in die Wissenschaft erhielt das Mass Anfang der Achtzigerjahre, als der US-Forscher Ronald Howard es als anschauliche Einheit zur Bewertung selbst kleinster Risiken vorschlug. Ein Mikromort bezeichnet die Masseinheit der Wahrscheinlichkeit von eins zu einer Million, dass ein bestimmtes Handeln zum Tod führt. Auf dieser Basis kann das allgemeine Lebensrisiko gut beziffert werden. Im Prinzip rechnet man dafür einfach alle persönlichen Mikromort pro Tag zusammen. Heraus kommt das tägliche individuelle Lebensrisiko, das bei einem Kettenraucher oder Extrembergsteiger natürlich höher ausfällt als bei einem gesundheitsbewussten Yogi oder einer Büroangestellten.

«Ein Mikromort entspricht dem Sterberisiko eines gesunden 25-Jährigen in Mitteleuropa an einem ganz normalen Tag», erklärt Hesse. Raucht diese Referenzperson an diesem Tag drei Zigaretten, erhöht sich der Wert um ein Mikromort, auf den Mount Everest zu steigen würde ihn auf 35'000 treiben, eine Bypass-Operation am Herzen auf 16'000.

Hesse rattert solche Informationen herunter wie andere Sportergebnisse. Zahlen sind seine Welt, waren es schon immer. Er hat sie in Giessen studiert, in Harvard erforscht und in Berkeley gelehrt, bevor er mit gerade mal 30 Jahren zum seinerzeit jüngsten Professor Deutschlands an die Universität Stuttgart berufen wurde. Dort lehrt und forscht er bis heute im Institut für Stochastik und hat ausgerechnet damit etwas geschafft, was eigentlich jeder Wahrscheinlichkeit widerspricht: Menschen mit Mathematik zu begeistern. Das mag zum Teil am spürbaren Enthusiasmus für sein Fach liegen. Vor allem aber ist es wohl der Gabe zu verdanken, das Anschauliche im Abstrakten zu finden. «Zahlen sprechen nicht für sich selbst. Man muss sie deuten und in die Realität übersetzen», sagt Hesse.

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