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Mal verpfiffen, mal kollabiert: Mönchengladbach hat keine guten Erinnerungen an Real Madrid

Der Match in der Champions League zwischen Borussia Mönchengladbach und Real Madrid ist erst das fünfte Aufeinandertreffen der Klubs – die Duelle zuvor waren denkwürdig.

Im Viertelfinale des Europapokals 1976 begegnen sich Real Madrid und Mönchengladbach das erste Mal. Real wirft die Borussia aus dem Wettbewerb.

Im Viertelfinale des Europapokals 1976 begegnen sich Real Madrid und Mönchengladbach das erste Mal. Real wirft die Borussia aus dem Wettbewerb.

Horstmueller Gmbh / Imago

Zu den vielen Legenden, die den Fussballklub Borussia Mönchengladbach umranken, gehört eine, die von einem Brief erzählt, der niemals seinem Empfänger zuging. Aufgesetzt hatte ihn Jupp Heynckes, der damals, im Dezember 1985, Trainer von Borussia Mönchengladbach war. In dem Schreiben ging es um nicht mehr und nicht weniger als seinen Rücktritt.

Heynckes, der als Spieler in Gladbach grosse Erfolge gefeiert hatte, galt auch als Trainer als äusserst ambitioniert. Schon damals trauten ihm viele Experten Titel zu. Sie sahen sich bestätigt, als Heynckes’ Team am 27. November Real Madrid empfing. Es war der Achtelfinal des Uefa-Cups. Nicht am heimischen Bökelberg, der war zu klein für die internationalen Auftritte der Borussia, sondern im Düsseldorfer Rheinstadion, das des grösseren Fassungsvermögens wegen an bedeutenden Anlässen genutzt wurde. Ein Match gegen Real war zweifellos ein solcher.

Gladbach lieferte ein nahezu perfektes Spiel. Der Favorit aus Spanien wurde mit 5:1 gedemütigt. Gänzlich zufrieden trotz dem stürmischen Auftritt war Heynckes allerdings nicht, denn Frank Mill, der Mittelstürmer, hatte es versäumt, das 6:1 zu erzielen. Und war das Gegentor der Spanier nicht vermeidbar gewesen?

Mancher fragte sich: Ist dieser Trainer masslos in seinem Ehrgeiz? Glaubte ernsthaft jemand, dass Real in dieser Verfassung die Gladbacher mit 4:0 schlagen würde? Aber Heynckes war wohl eher Realist. Der einstige Weltklasse-Angreifer wusste um die Heimtücke des Wettbewerbes; darum, welche Wendungen grosse Matches nehmen können. Zwar erlebte er das 7:1 gegen Inter 1971 nicht als Spieler, jenen legendären Match, der wegen des berüchtigten Büchsenwurfes vom Bökelberg annulliert wurde. Aber er war als Spieler selber Real Madrid begegnet. Welchen Wirbel ein solches Team vor heimischer Kulisse entfachen kann, zeigte sich dann zwei Wochen später: Jorge Valdano und Carlos Santillana trafen jeweils zwei Mal. Gladbach, von Beginn an konsterniert, schied aus. Heynckes war bedient, kurz davor, den Job aufzugeben. Tagelang sprach er mit der Mannschaft kein Wort. Den Brief indes schickte er nicht ab, doch lange blieb er nicht mehr Trainer in Gladbach. Das Ausscheiden begriff Heynckes wohl als Menetekel. Ihn zog es zum mächtigen Rivalen nach München.

Wenn heute Dienstag Real Madrid wieder einmal gegen die Borussia in einem internationalen Wettbewerb antritt, dann ist dies nicht nur ein sehr rares Ereignis. Es gemahnt die Gladbacher Anhänger vor allem daran, dass die gemeinsame Geschichte der beiden Klubs bis anhin von einer erschütternden Einseitigkeit zugunsten Reals ist. Und manchen beschleicht das Gefühl, dass sich darin verdeutlicht, dass es das Schicksal ganz generell selten gut mit den Gladbachern meinte. So war es auch 1976, als beide Mannschaften im Europacup der Landesmeister aufeinandertrafen. Auch hier schied Gladbach aus; einem 2:2 in Düsseldorf folgte ein 1:1 in Madrid.

«Schwärzeste Stunde»

«Es gehört zu den magischen Europapokal-Nächten. Ohne Happy End und trotz einem spielerischen Feuerwerk der Gladbacher zu den schwärzesten Stunden des Niederrhein-Klubs», kommentierte die Westdeutsche Zeitung. Und das lag vor allem daran, dass der Partie ein Schiedsrichter zugeteilt war, der den Gladbachern zwei reguläre Treffer aberkannte. «Es war der Tag, an dem die Borussia verschaukelt wurde. Wir waren raus aus dem Landesmeisterpokal und verstanden die Welt nicht mehr», erinnerte sich Rainer Bonhof.

Gegenspieler der Gladbacher waren weniger die Angreifer Reals als der niederländische Referee Leonardus van der Kroft. Dessen eklatantes Versagen bedeutete für ihn, dass der Auftritt in Madrid der letzte auf internationaler Ebene war. Vermag angesichts dieser Geschehnisse die düstere Ahnung von Jupp Heynckes neun Jahre später vor dem 0:4 verwundern? Er war es, der im Estadio Santiago die Führung der Gladbacher erzielt hatte.

Insofern hat dieses Aufeinandertreffen in der Champions League eine ganz spezielle Note. Nicht wenige Gladbacher Anhänger wird es an die einstige Grösse des Klubs erinnern, als er in den siebziger Jahren zweimal den Uefa-Cup gewann. Und wer sich einmal in die Historie versteigt, der wird schnell erkennen, dass Real unter Jupp Heynckes 1998 jenen mehr als drei Jahrzehnte währenden Dämmerschlaf in der Champions League beendete und Juventus Turin im Final mit 1:0 besiegte. So gross wie der Ehrgeiz des Trainers Heynckes sind heute allenfalls die Ansprüche von Real Madrid. In Mönchengladbach dagegen ist man sich darüber einig, dass schon die Teilnahme am Wettbewerb für das Team von Trainer Marco Rose einen Erfolg darstellt.

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