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Macron wird in der muslimischen Welt zur Hassfigur

Frankreich werde nicht auf Karikaturen des Propheten Mohammed verzichten, kündigte Präsident Macron an. Damit bringt er die muslimische Welt in Wallungen. In der Türkei und mehreren arabischen Ländern werden französische Produkte boykottiert.

«Französische Produkte werden zum Heil des Propheten Mohammed boykottiert», heisst es auf einem Plakat in einem jordanischen Supermarkt.

«Französische Produkte werden zum Heil des Propheten Mohammed boykottiert», heisst es auf einem Plakat in einem jordanischen Supermarkt.

Str / EPA

Bereits Anfang Oktober hatte ein Satz des französischen Präsidenten die Muslime in aller Welt aufhorchen lassen: «Der Islam ist eine Religion in der Krise», sagte Emmanuel Macron in einer programmatischen Rede, in der er skizzierte, wie er radikale Strömungen unter französischen Muslimen bekämpfen will. Die angesehene Al-Azhar-Universität in Kairo bezeichnete Macrons Rede daraufhin als «rassistisch». Diese Kritik mutet jedoch harmlos an im Vergleich zu dem Unmut, der Macron seit wenigen Tagen vor allem im Nahen Osten entgegenschlägt.

Macron wird zum Teufel stilisiert

Auslöser der Hasswelle war Macrons Auftritt bei der Gedenkfeier für den ermordeten Lehrer Samuel Paty in der Sorbonne am vergangenen Mittwoch. Paty war am 16. Oktober von einem jungen Islamisten getötet worden, nachdem er seinen Schülern im Staatskundeunterricht zum Thema Meinungsfreiheit die sogenannten Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Nun gelobte Macron: «Wir werden nicht auf Karikaturen verzichten, auch wenn andere sich zurückziehen.»

Während der fanatische Mord an Paty in der islamischen Welt praktisch mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen wurde, versetzte Macrons Aussage zu den Karikaturen viele Muslime in Wallungen. Unter Hashtags wie #MacrontheDevil wird der französische Präsident in sozialen Netzwerken als Schwein, Hund oder mit einem Fussabdruck im Gesicht dargestellt. Manche prophezeiten ihm eine schwere Bestrafung. Ein Aufruf zum Boykott französischer Produkte stiess in Katar, Kuwait und Jordanien auf Gefolgschaft. Auf Videos im Internet ist zu sehen, wie Mitarbeiter französische Milchprodukte aus den Regalen räumen.

In den von der Türkei besetzten Kurdengebieten im Nordosten Syriens demonstrierten am Wochenende syrisch-arabische Kämpfer gegen Macron. Dabei war auch die Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat zu sehen. Allerdings protestierten nicht nur Extremisten. Eine Mehrheit der Muslime lehnt selbst wohlwollende Darstellungen ihres Propheten ab. So schmückten auch gemässigte Anhänger der syrischen Opposition ihr Facebook-Profil mit der Aufschrift «Respect Mohammed». Die in Katar lebende ägyptische Fussballlegende Mohammed Abutrika unterstützte den Boykott französischer Produkte.

Während der Kooperationsrat der sechs Golfmonarchien und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit den französischen Präsidenten ebenfalls kritisierten, hielten sich muslimische Staats- und Regierungschefs mit Ausnahme des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bisher zurück. Erdogan hatte am Wochenende bereits Macrons mentale Gesundheit in Zweifel gezogen und erntete in den sozialen Netzwerken Anerkennung dafür. Am Montag rief Erdogan ebenfalls dazu auf, keine französischen Produkte mehr zu kaufen.

Kampf um die muslimische Führungsrolle

Zu den prominenten Kritikern gehört auch der pakistanische Premierminister Imran Khan. Er warf Macron eine «bewusste Provokation der Muslime» durch die Ermutigung zu «blasphemischen Karikaturen» vor. Auffallend ist jedoch, dass der Boykott vor allem in arabischen Ländern auf Widerhall stiess, die wie Katar eng mit der Türkei verbündet sind oder in denen die Muslimbruderschaft als Partei eine politische Stimme hat – wie in Kuwait, Jordanien oder Marokko. Auch der Fussballer Abutrika soll der Muslimbruderschaft nahestehen und wurde deshalb 2017 von Kairo auf eine Terrorliste gesetzt.

Länder wie Ägypten, Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate scheinen dagegen derzeit kein Interesse an einer kulturkämpferischen Konfrontation mit Frankreich oder dem Westen zu haben. Ihre Hauptfeinde sind Iran sowie Erdogans Türkei und die mit ihm verbandelte Muslimbruderschaft. In diesem Kampf suchen sie die Nähe zu Israel und den USA. Um der expansiven türkischen Aussenpolitik in Syrien, im Irak oder in Libyen etwas entgegenzusetzen, versucht Riad zudem seinerseits, einen arabischen Wirtschaftskrieg gegen Ankara anzuzetteln. In den vergangenen Tagen haben sich die Aufrufe im Internet gemehrt, türkische Produkte zu boykottieren.

Der syrische Kurdengeneral Maslum Abdi setzte sich sogar für Macron ein. «Der französische Präsident hat sich am Schutz der Muslime vor dem Islamischen Staat beteiligt und eine wichtige Rolle bei dessen Zerstörung gespielt», schrieb der Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von den USA und Frankreich unterstützt werden, auf Twitter. Dies zeigt: Je nach den eigenen Machtinteressen lässt sich der Islam relativ flexibel interpretieren.

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