Switzerland

«Lohndumping gegenüber den eigenen Leuten»: Harsche Vorwürfe an die Post

Corona, Black Friday und die Weihnachtssaison sorgen für eine Paketflut. Um diese zu bewältigen holt sich die Post Unterstützung von ausserhalb. Dafür nimmt sie Partner-Firmen unter Vertrag und vergibt Zustell- oder Transportaufträge. Die Partner stellen entweder Pakete zu – übernehmen also die Arbeit von Pöstlerinnen und Pöstlern – oder transportieren Ware zwischen den Poststellen.

Die Aufträge schreiben die einzelnen Post-Filialen online auf einem Portal aus, mit Einsatzzeit, Route und Transportvolumen. Im Frühling dieses Jahres beschwerten sich die Pöstlerinnen und Pöstler in Oerlikon, weil dort besonders viele Aufträge ausgelagert wurde, weiss Dominik Dietrich von der Gewerkschaft syndicom. «Die Poststelle Oerlikon hat rund 30 Prozent der Pöstler-Arbeit an Externe gegeben.» Die Belegschaft fürchtete sich um ihre Arbeitsstellen und reichte eine Petition dagegen ein.

Dass die Post Zustellaufträge auslagert, sei eher ein neues Phänomen, sagt Dietrich. In Oerlikon sei es das erklärte Ziel gewesen, möglichst viele Subunternehmen zu beauftragen. Dietrich sieht darin keinen Einzelfall. «Wir befürchten, dass die ganze Post in Zukunft vermehrt auf diese Strategie setzen wird. Vor allem für jene Strecken, die nicht oder zu wenig rentabel sind.»

Hier kann man sich für offene Transport- und Zustellaufträge der Schweizerischen Post bewerben. Am Freitag waren zwölf Aufträge auf dem Portal, am Montag – Tag der Aufnahme – waren es drei.

Post hat rund 300 Transportpartner

«Die Post arbeitet schweizweit mit rund 300 Transportpartner zusammen», sagt Denise Birchler, Mediensprecherin der Post. Aus der Petition in Oerlikon habe man Konsequenzen gezogen und die Zusammenarbeit mit den Zustellpartnern stark reduziert.

Schweizweit würden gerade mal fünf Prozent aller Paket-Lieferungen durch Externe erledigt, so Birchler. «Dies immer mit dem Ziel, unsere Mitarbeitenden zu entlasten.» Deshalb würden die Partner meist auch nur zu Randzeiten arbeiten.

Der Filial- oder Basenleiter entscheide, wie viel Arbeit ausgelagert werde, schreibt Birchler weiter. Bei der Gewerkschaft sagt Dietrich: «Je nach Vision des Leiters gibt es weniger oder mehr, weil etwa der Chef lieber mit Pöstlerinnen und Pöstlern arbeitet.»

Vorwürfe gegenüber der Post

Dass die Post auf Subunternehmen zurückgreift, weil Corona eine Paketflut provoziert hat, versteht der Gewerkschaftler. «Das verurteilen wir auch nicht. Aber es darf nicht die Strategie der Post sein.» Einerseits gehe es um Arbeitsplätze und andererseits umgehe die Post die vereinbarten Regelungen aus dem Gesamtarbeitsvertrag. «Das ist Lohndumping gegenüber den eigenen Leuten!»

Die Post weist diesen Vorwurf zurück. «Wir achten bei den Partnern auf branchenübliche Arbeitsbedingungen, schreiben diese in den Verträgen fest und prüfen sie regelmässig», so Birchler von der Post.

Indiz der externen Pöstler: Das Auto

Auch wenn nun externe Pöstlerinnen und Pöstler die Pakete bringen: Laien würden sie kaum erkennen, sagt Dietrich von syndicom. Das klarste Indiz sei das Fahrzeug. «Sobald das Post-Logo nicht auf der Seite des Wagens ist, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Subunternehmen.» Die Pöstler selber würden zum Teil die Postunifrom tragen, zum Teil auch nur Jeans und Jacke.

Ab 2021 ist ein neuer Gesamtarbeitsvertrag gültig, den die Post mit syndicom ausgearbeitet hat. Dieser legt Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen in der Zusammenarbeit mit Transportpartnern fest. Setzt die Post in Zukunft also vermehrt auf Subunternehmen, muss sie sich auch dort an die Bedingungen gemäss Gesamtarbeitsvertrag halten.

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