Switzerland

Langlauf-Hoffnung rang vor einem Jahr mit dem Tod – jetzt gibt sie ihr Comeback: Hinter diesem Lächeln steckt eine tragische Geschichte

«Ist es nicht verrückt?», fragt Hannah Halvorsen letzte Woche nach einer Trainingseinheit. Tatsächlich ist es verrückt, was die 22-jährige Langläuferin aus Anchorage (Alaska) durchgemacht hat. Und noch verrückter ist, dass sie bald wieder im Weltcup angreifen wird.

Was ist passiert? Es war der 1. November 2019, als Halvorsen in ihrer Heimatstadt zu Fuss eine Strasse überqueren will und von einem Geländewagen voll erfasst wird. Die junge aufstrebende Athletin prallt auf der Motorhaube auf und wird dann aufs Trottoir geschleudert. Sie wird schwer verletzt ins Spital gebracht. Hirnblutungen, Schädelbruch, ein gebrochenes Schienbein und der Riss zweier Bänder im linken Knie. Wegen den Kopfverletzungen schwebt sie in Lebensgefahr.

Der lange Weg zurück auf die Ski

Eine erfolgreiche Weltcup-Karriere auf den dünnen Langlauf-Latten rückt in weite Ferne. An den Crash und die 10 Tage danach hat sie keinerlei Erinnerungen. Aber Halvorsen kämpft sich Schritt für Schritt zurück. Die Knieoperationen müssen wochenlang warten, weil ihr Gehirn noch zu geschwollen ist, um Halvorsen einer Operation zu unterziehen. Wochen und Monate verbringt sie daraufhin in der Physiotherapie.

Sieben Monate nach dem Unfall kann sie wieder laufen. Erlaubt sind aber nur 30 Sekunden am Stück. Jede Woche kommen 30 Sekunden dazu. Am 19. Oktober dieses Jahres darf sie zurück auf ihre geliebten Ski. Weil sie eine Sonnenbrille getragen habe, habe sie niemand weinen sehen, sagt Halvorsen. «Es fühlte sich so friedlich an, in den Bergen. Und die Sonne sah so schön aus. Es erinnerte mich daran, warum ich das mache.»

Auch über ein Jahr später spürt sie die Folgen des Unfalls noch. Wegen eines Schleudertraumas hat sie noch Schmerzen am Genick und im Rücken. «Ich kann immer noch nicht länger als eine Stunde auf dem Sofa sitzen», erzählt die Langläuferin den «Anchorage Daily News».

Corona spielt ihr in die Karten

Halvorsen, die nebenbei an der Anchorage Pacific University studiert, wird schon Anfang Dezember mit der US-Delegation nach Europa reisen, um im Weltcup zu starten. Ist das nicht ein bisschen früh? Hier kommt die Corona-Pandemie der 22-Jährigen zugute. Weil sie unbedingt wieder starten will, die lokalen Events in Alaska aber wegen Covid-19 reihenweise abgesagt werden, startet sie bei der Elite.

Ob sie dazu schon bereit ist, steht für ihren Trainer Erik Flora ausser Frage: «Wenn man sie beim Training beobachtet und nichts von ihrem Unfall weiss, würde man es nicht merken. Sie sieht toll aus auf ihren Ski.»

Die Angst vor dem Flug nach Europa

Halvorsen ist noch nicht in Weltcup-Form. Deshalb wird sie oft gefragt, ob sie denn keine Angst habe, wieder gegen grosse Nummern wie Therese Johaug oder Heidi Weng. Die Alaskanerin: «Gegen die besten zu fahren, darüber mache ich mir keine Sorgen. Eher das lange Sitzen bei einem Transatlantik-Flug. Nur schon der Flug nach Seattle (etwa dreieinhalb Stunden, d.Red.) wird sehr schmerzhaft. Ich muss aufstehen und herumlaufen, wenn ich kann.»

Die ersten Wettbewerbe in Kuusamo (Fi) an diesem Wochenende lässt Halvorsen noch sausen. Aber in Davos am 12./13. Dezember wird die Kämpferin zurück im Weltcup sein. 13 Monate nach einem lebensbedrohenden Unfall. Verrückt, nicht? (leo)

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