Switzerland

Kontrolleur beim Tierdrama: Er arbeitete für zwei Kantone gleichzeitig

Der Fall um den Hobby-Tierhalter in Oftringen beschäftigt das Aargauer Veterinäramt schon Jahre. Doch just, als die Situation eskaliert, hat das Amt mit Personalproblemen zu kämpfen, die kein gutes Licht auf die Führungskultur werfen. Am 4. Februar, als die Polizei den Tierhalter verhaftete, ist der Teamleiter gar nicht mehr im Veterinäramt angestellt. Er arbeitet seit 1. Januar Vollzeit als Ableitungsleiter im Landwirtschaftsamt eines Ostschweizer Kantons.

Dennoch mischt er im Oftringer Fall noch immer mit und verschickte am 2. Februar sogar einer Anwohnerin eine Antwortmail auf ihre Meldung. In dieser Mail schreibt er unter anderem: «Ein gewisser Futtervorrat ist für die Schafe noch vorhanden.» Wie kann es sein, dass ein ehemaliger Angestellter, der in der Verwaltung eines anderen Kantons arbeitet, für den bisherigen Arbeitgeber noch immer offizielle Mails verschickt? Die Leiterin des Amtes für Verbraucherschutz, Alda Breitenmoser, bestätigt auf Anfrage, dass der Teamleiter ab Januar nur noch stundenweise für das Amt tätig war, um den Übergang zu gewährleisten.

Sein Nachfolger trete die Stelle am 1. März an. «Für diese Übergangsphase haben wir das Pensum einer Person einer anderen Abteilung aufgestockt, um das Team Primärproduktion zu unterstützen», sagt Breitenmoser. Ab Anfang 2020 sei auch nicht mehr der ehemalige Teamleiter, sondern eine andere Person mit dem Dossier Oftringen betraut gewesen. «Der ehemalige Teamleiter verschickte im Februar noch Mails, weil er über den Fall Oftringen die besten Kenntnisse hatte», erklärt die Amtschefin. «Die Aufgabe des ehemaligen Teamleiters war ab Anfang 2020 primär Beratung und nicht das Tagesgeschäft.»

Die Aussagen Breitenmosers zeigen, dass der bisherige Teamleiter also trotz Neuanstellung in einem anderen Kanton sich teilweise noch um das Tagesgeschäft seiner alten Wirkungsstätte kümmerte. Breitenmoser verweist auf die laufende Untersuchung der Vorgänge. «Wir sind hier selbstkritisch und fragen uns, wie wir uns in Zukunft organisieren müssen.» Sie habe Verständnis für die Verärgerung der Bevölkerung über diesen Fall. «Aber bei aller Tragik ist es auch eine Chance, besser zu werden.»

Tierdrama von Oftringen