Switzerland

Kontaktloses Zuprosten: Ferner die Gläser nie klingen

Hände gehören zurzeit desinfiziert, Hälse auch. Und in beiden Fällen ist Alkohol im Spiel. Da er zurzeit aber nicht an öffentlichen Theken anstossen kann, versucht es der Falter halt virtuell. 

Die Hausbar mag so gut bestückt sein – doch wie stösst man bloss an?

Die Hausbar mag so gut bestückt sein – doch wie stösst man bloss an?

Dominic Steinmann

Das öffentliche Leben mag beinahe im künstlichen Koma liegen, aber am Tropf hängt die Gesellschaft noch lange nicht: Getrunken wird immer (jetzt vielleicht erst recht). Und dass beispielsweise die Bülacher Brennerei Erismann nun mit dem Slogan «Mit Schweizer Alkohol gegen Coronavirus» wirbt, muss jetzt nicht gleich das Heer der Präventionsfachleute auf den Plan rufen: Mit dem Aufruf wird niemand zur Berauschung verführt, sondern ein Desinfektionsmittel zum Preis von 35 Franken pro Halbliter angepriesen. Fast jede hiesige Brennerei bietet dieses zurzeit manchenorts knappe Gut nun an.

Ferner die Gläser nie klingen

Im Falle von Engpässen können sich in diesen Wochen auch Mitglieder des Drogistenverbands bei den Schweizer Brennern eindecken, laut einer Vereinbarung zwischen den beiden Seiten. In vielen Ländern nutzen Destillerien nun ihre Kapazitäten, indem sie neben Wodka oder Obstbränden auch Desinfektionsmittel herstellen. Für einen Einsatz in Cocktails ist dieses Wässerchen bei einem Alkoholgehalt von 75 Prozent natürlich nicht zu empfehlen. Umgekehrt wäre es ja auch jammerschade, den hochwertigen Whisky zum Reinigen der Hände einzusetzen – da nimmt man lieber einfach Seife.

Ob die orale Zuführung von Kirsch und anderem Hochprozentigem ebenfalls zur Eindämmung der Viren beiträgt, ist eine umstrittene Frage. Dass das zurzeit nicht an den öffentlichen Theken geschehen kann, ist allerdings eine herbe Einschränkung für Nachtschwärmer aller Art. Werden auch sie nun zu Sofa-Surfern und Couch-Potatoes, die ihren Kartoffelschnaps nur noch im Liegen heben? Dem Falter, wiewohl durchaus mit einem Flair fürs Häusliche ausgestattet, sträubt sich der Flaum auf den Flügeln bei dieser Vorstellung. Er seufzt tief und verscheucht die Gedanken mit zuckenden Fühlern. Es kommen wieder andere Zeiten, bestimmt! Denn sind Bars, über ihre Funktion als Schankstätten hinaus, nicht vor allem Begegnungsorte, nach denen man sich in dieser Krise ganz besonders sehnt?

Bis auf weiteres aber regiert nun das fernmündliche Anstossen: Ferner die Gläser nie klingen! Skype-Apéros haben Hochkonjunktur, wie man hört, und so hat auch der Falter im Freundeskreis einen Versuch gestartet. Im Vorfeld hat er Cynar sour und Negroni gemixt, was bei allenfalls knapp bestückter Hausbar durchaus in Freestyle-Manier geschehen darf: Nebst den klassischen Zutaten können gerade bei Negroni-Varianten  auch andere Ingredienzien beim Ausbalancieren der Bitter- und Süssstoffe behilflich sein, von Gran Classico bis zu ein paar Amaro-Spritzern – ganz nach Geschmack.

Ist dieser Teil einmal erledigt, installiert man sich vor dem Laptop, stellt die Verbindung her und rückt sich allein oder paarweise in den Rahmen des Bildschirms, um dann das Glas gegen selbigen zu stossen. So ertönt sogar ein feines Klirren, fast wie echt. Der virtuelle Apéritif ist eröffnet.

Partyleben im Netz

Ja, es ist trotz allem berührend, vertraute Gesichter auf diese Weise wieder einmal zu sehen – selbst wenn das Bild mitunter so verschwommen im Wohnzimmer ankommt, als würde es aus einer Marssonde gesendet. Und nein, als längerfristigen Ersatz für die Begegnung mit Freundinnen und Freunden, die ganz in der Nähe leben, wird man solche Video-Meetings hoffentlich nie sehen.

Auch das öffentliche Partyleben zappelt übrigens zurzeit mit reduziertem Puls im Netz, in dem sich viele so gerne verfangen. Auf Instagram etwa wirbt ein «Club Q» (für «Quarantine») für täglichen Sound bis Mitternacht, DJane und DJ legen auch privat auf solchen Kanälen auf. Der Falter wippt mit den Flügeln im Takt – ein schöner, aber doch auch etwas trauriger Versuch.

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