Switzerland

Keine Grenze für Toplöhne bei der ZKB

Stefan Feldmann und Markus Späth-Walter sind keine linken Polteri. Eher von der Sorte Sozialdemokraten, die den 1. August zufrieden mit einem Cervelat in der Hand feiern. Aber am Montag im Kantonsrat ärgern sie sich. Und sie ärgern sich laut.

Zunächst, am Morgen, räuspert sich Stefan Feldmann, Buchhändler aus Uster. Er hat die ­Zürcher Regierung aufgefordert, eine Liste zusammenzustellen. Darauf sollten die Spitzenlöhne der Zürcher Staatsbetriebe verzeichnet werden, von den Elektrizitätswerken über das Unispital bis zur Kantonalbank. «Dahinter steckt nur ein Ziel, nämlich Transparenz», erklärt Stefan Feldmann.

Ausgerechnet die Zürcher Kantonalbank, wo die höchsten Löhne bezahlt werden, verzichtet auf Transparenz. Sie schweigt zur Frage, wie viele Angestellte über 430'000 Franken verdienen (dies entspricht dem Jahreslohn einer Regierungsrätin). In einem Schreiben beruft sich die Staatsbank auf den Datenschutz, die «Geheimhaltung ihres Geschäfts­geheimnisses» und ihre Konkurrenz. Und sie macht klar: «Als selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt steht unsere Bank ausserhalb der Zentralverwaltung und verfügt über eine weitreichende Autonomie.»

«Eine Frechheit»

«Inhalt und Tonalität des Schreibens sind eine Frechheit», kritisiert Stefan Feldmann. «Es klingt wie: ‹Was erlaubt ihr euch überhaupt, solche Fragen zu stellen?› Da hat sich die Bank verrannt. Dabei ist sie die Bank des Zürcher Volkes.» Was Feldmann damit meinte: Die ZKB befindet sich vollständig im Besitz des Kantons, und bei einer allfälligen Pleite haftet die Öffentlichkeit mit Steuergeld.

Im Jahresbericht von 2018 steht immerhin, wie viel die acht Männer der ZKB-Geschäftsleitung verdienten: 13,8 Millionen Franken, also 1,73 Millionen im Durchschnitt. Am meisten erhielt Bankdirektor Martin Scholl mit 2,2 Millionen. Im Vergleich zu UBS und Credit Suisse wirkt ­dieser Lohn klein. Doch bei der leicht grösseren Raiffeisenbank verdient der Direktor höchstens 1,5 Millionen Franken. Und bei der etwas kleineren Postfinance 830'000 Franken.

Ansonsten geben sich die Staatsbetriebe zur Freude von Stefan Feldmann sehr offen. Bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich zum Beispiel verdient die fünfköpfige Geschäftsleitung im Durchschnitt 392000 Franken pro Jahr. Eine Person erhält dabei mehr als 430'000 Franken.

Vor allem zeigt die Liste hohe ­Saläre bei öffentlichen Spitälern. Elf Chefärztinnen am Kantonsspital Winterthur kommen auf mindestens 430'000 Franken Lohn, eine sogar auf über eine Million. Und am Unispital Zürich verdienen 44 Kaderärzte mehr als 430'000 Franken, 7 erhalten über eine Million. Grund dafür sind vor allem Extrasaläre und Boni: Mit der Behandlung von Zusatzversicherten können Kaderärzte ihren Lohn massiv aufstocken (TA von gestern).

«Weniger gierige Leute»

Was passiert nun mit den Informationen über die Toplöhne? Hier setzt Markus Späth-Walters Ärger ein. Der pensionierte Gymnasiallehrer aus Feuerthalen will die Löhne der Staatsbetriebe auf maximal eine Million Franken beschränken.

«Eine Million entspricht fast dem dreifachen Lohn eines Regierungsrats und dem doppelten eines Bundesrats», sagt Späth-Walter. «Wir sind gut beraten, in diesem Selbstbedienungsladen nicht mitzumachen. Da begnügen wir uns lieber mit weniger gierigen und korrumpierten Leuten, die dafür motiviert sind.»

Darauf wird sein Ärger grösser: Das Parlament verfällt in ein Mantra. Praktisch alle Kantonsrätinnen und Kantonsräte stimmen dem SP-Politiker zu. Und lehnen seinen Vorschlag dennoch ab.

Was soll ich mit Millionen?

So sagt Tobias Weidmann, Unternehmer und SVP-Vertreter aus Hettlingen: «Mich stören masslose Managerlöhne auch. In Anbetracht eines Medianlohns von 7000 Franken in Zürich ist das für die Bevölkerung nicht nachvollziehbar. Allerdings – und hier kommt das Aber – setzt die 1-Millionen-Grenze einen falschen Anreiz. Es entstünde eine Sogwirkung. Die Löhne würden steigen.»

Und Apotheker Lorenz Schmid von der CVP Männedorf sagt: «Ich weiss beim besten Willen nicht, was man mit einem Lohn von über einer Million anstellen soll. Solche Saläre sind wirtschaftsfeindlich. Aber eine allgemeine Begrenzung bringt nichts. Bescheidenheit ist das Stichwort. Wir müssen die Aufsichtsräte kontrollieren.»

«Seis drum», sagt Markus Späth-Walter am Ende des Tages; die Obergrenze ist mit 104 zu 58 Stimmen abgelehnt. Nur SP, AL und Grüne waren dafür. «Mit exakt diesem Resultat habe ich gerechnet. Es ging mir auch um eine politische Profilierung.»

Was ihn freuen dürfte: Bald behandelt das Parlament einen Vorstoss von CVP, SP und GLP. Er verlangt, die Zusatzverdienste von Chefärzten einzuschränken. Die Chancen stehen gut.