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Kantonspolizei Zürich: Frau gibt Polizei 1-Stern-Bewertung – Anzeige

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Eine 28-jährige Zürcherin fühlte sich von einem Polizisten schlecht beraten und machte dies mit einer negativen Google-Bewertung öffentlich. Dafür wurde sie von ihm angezeigt.

Eine 28-jährige Frau wollte Mitte Dezember eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Am Telefon erklärte ihr ein Polizist des Postens in Stäfa ZH, dass sie persönlich vorbeikommen solle. Die 28-Jährige nahm sich am Nachmittag frei und musste feststellen, dass der Posten geschlossen war. Gegenüber dem «Blick» ärgert sich die Frau darüber, dass ihr der Polizist am Telefon nicht gesagt habe, dass der Posten am Nachmittag nicht offen sei.

Am nächsten Morgen nahm sie sich wieder frei und fuhr erneut zum Posten der Kantonspolizei Zürich in Stäfa. Der Polizist, den die 28-Jährige bereits am Telefon gesprochen hatte, stand am Schalter und erklärte ihr, dass die Frist für eine Anzeige bereits abgelaufen sei. «Warum hat er mir das nicht schon am Telefon gesagt? Das hätte mir viel Aufwand erspart», sagt die Frau zur Zeitung.

«Er hat einfach einen schlechten Job gemacht»

Zu Hause angekommen, machte sie ihrem Ärger Luft – bewertete den Polizeiposten Stäfa auf Google mit einem von fünf Sternen und fasste zusammen, was passiert war, und nannte den Namen des Polizisten, mit dem sie Kontakt gehabt hatte. Die mittlerweile gelöschte Bewertung kam beim Stäfner Beamten aber gar nicht gut an: Er erstatte Strafanzeige gegen die 28-Jährige wegen Ehrverletzung und übler Nachrede. «Ich habe niemanden beleidigt und mich nicht im Ton vergriffen – er hat einfach einen schlechten Job gemacht», so die Frau.

Die Kantonspolizei Zürich bedauert den Vorfall, wie sie gegenüber dem «Blick» sagt: «Es entspricht nicht unserer Haltung, bei Kritik Anzeige zu erstatten.» Der verantwortliche Polizeichef hat zudem seinen Urlaub abgebrochen, um sich bei der 28-Jährigen zu entschuldigen – der Stäfner Polizist hat die Anzeige zurückgezogen. Ohne Konsequenzen kommt er aber nicht davon – er wurde an eine Stelle versetzt, wo er keinen Kontakt mit Bürgern hat.

(wed)