Switzerland

Kampf gegen Covid-19: Anwälte verhindern Corona-Testcenter für Kinder

Die Kinderpermanence in Zürich wollte ein dringend nötiges Testcenter speziell für Kinder einrichten. Doch daraus wird nun nichts, ein Mitmieter fühlt sich dadurch gestört.

Das Leitungsteam der Kinderpermanence beim HB: Katja Berlinger Gesamtverantwortliche Leitung, CEO und Arzt Rudolf Mallmann und Veronica Cortés, Leitung Pflege und Empfang (v.l.n.r.).

Das Leitungsteam der Kinderpermanence beim HB: Katja Berlinger
Gesamtverantwortliche Leitung, CEO und Arzt Rudolf Mallmann und
Veronica Cortés, Leitung Pflege und Empfang (v.l.n.r.).

Foto: Boris Müller

Kaum waren die Sommerferien vorbei, wurden die Kinder zum Testen gebracht. Bis zu dreissig Kinder pro Tag waren es, und mit der steigenden Zahl der Neuinfektionen wurden es immer mehr. Das bereitete Katja Berlinger, Leiterin von Swiss Medi Kids, Sorgen: «Wie kommen wir durch die Grippesaison, wenn sich noch mehr Kinder testen lassen müssen?» Schon heute gibt es zu wenig Kinderärzte, und wenn Eltern keinen Termin mehr erhalten, kommen sie in die Kinderpermanence gleich beim Zürcher Hauptbahnhof.

Katja Berlinger plante deshalb ein Testcenter speziell für Kinder, wie es sie bereits in Lausanne und Neuenburg gibt. Nachdem die Vermieterin ihrem Projekt schriftlich zugestimmt hatte, begann sie mit der Arbeit. Sie besprach sich mit Architekten, Praxismanagern und Anwälten, liess von einem Infektiologen den Gang von der Haustür bis ins Behandlungszimmer abklären, gelangte an den Zürcher Stadtrat, an die kantonale Pandemie-Taskforce und an Zürcher Spitäler. Alle waren damit einverstanden, und das Center hätte wohl am 1. Dezember eröffnen können wenn sich nicht im letzten Moment eine Mieterin dagegen gewehrt hätte.

Infizierte werden zunehmend stigmatisiert

Von der Kinderpermanence sieht man auf den Eingang des eingerüsteten Hauptbahnhofs herunter sie befindet sich im 4. Stock eines stattlichen Gebäudes gegenüber. Das Testcenter hätte auf derselben Etage in den Räumen des Nachbarn eingerichtet werden sollen, dem kurzfristig ein Untermieter abgesprungen war. Sie wären ideal gewesen. Die Permanence hätte Kinder, die sich testen lassen wollen, noch klarer von jenen trennen können, die mit einer Mittelohrentzündung oder einem gebrochenen Arm in die Praxis kommen.

Katja Berlinger versteht nicht, weshalb sich die eine Mieterin, eine Anwaltskanzlei, dagegen gewehrt hat. «Wir sind ja bereits ein Testzentrum und haben Hunderte von Kindern getestet. Bisher hat das niemanden gestört.» 1122 Tests waren es bis am 20. Oktober. Neun davon waren positiv. Aber Berlinger beobachtet auch: «Wer an Covid erkrankt ist oder nur schon in Verdacht gerät, dies zu sein, wird zunehmend stigmatisiert.»

Kinder müssen sich bei Kinderärzten testen lassen Testcenter stehen meist nur Personen ab 12 Jahren offen. Dies, weil es einen Arzt braucht, um abzuschätzen, ob ein Kind tatsächlich getestet werden muss. Würde dies bei jedem Schnupfen und Husten getan, müsste fast jedes Kind während eines Winters drei- bis viermal getestet werden.

«Es ist mir unverständlich, dass man in einer solch ausserordentlichen Situation wie heute nur an sich selber denken kann.»

Rudolf Mallmann, ärztlicher Leiter der Kinderpermanence

Hätte die Kinderpermanence das Center einrichten können, wäre der Betrieb für alle noch sicherer geworden auch für die Mieter im Haus. Damit sich keine Warteschlangen bilden, hätten die Eltern online erst einen Fragebogen ausfüllen müssen und je nach Resultat einen Termin bekommen. Nur mit diesem Nachweis wären sie vom Sicherheitsangestellten vor dem Haus eingelassen worden. Er hätte sie mit neuen Masken ausgestattet, zum Lift begleitet, und oben wären sie direkt in den Testraum geführt, der Lift desinfiziert worden. «Wir haben alles durchgedacht», sagt Katja Berlinger. Das Konzept hat sie zusammen mit dem Stadtspital Triemli erarbeitet, das bereits Erfahrung im Testen hat.

Die Räume hätten noch einen anderen Vorteil gehabt: Sie sind nur wenige Meter vom Notfallzimmer der Permanence entfernt: «Gerade bei kleinen Kindern ist es mitunter schwer einzuschätzen, wie ihr Zustand tatsächlich ist, und es braucht mehr als nur einen Test», sagt Rudolf Mallmann, der ärztliche Leiter der Permanence. Ein Kind kann plötzlich einbrechen und lebensbedrohliche Atemprobleme bekommen. Dann muss es schnell gehen. Es wird ausgezogen und gewogen, damit man ihm die richtige Dosis an Medikamenten verabreichen kann. Schon vor der Pandemie musste im Winter ein- bis zweimal pro Tag die Ambulanz kommen, um ein Kind mit Blaulicht ins Spital zu fahren.

Mallmann hat während der Pandemie Hunderte Kinder behandelt, hat sich aber nie angesteckt. Er kann nachvollziehen, dass man Angst vor einer Ansteckung hat. «Es ist mir aber unverständlich, dass man in einer solch ausserordentlichen Situation wie heute nur an sich selber denken kann.» Schliesslich könne man sich gut schützen.

Nicht Lift mit Infizierten teilen

Wie begründet die Anwaltskanzlei ihren Widerstand? «Wir können nicht akzeptieren, dass unsere Mandantinnen und Mandanten den Lift mit infizierten Personen teilen müssen. Das macht kein Spital so», sagt einer der Anwälte. Korrekterweise müsse die Kanzlei sie darüber informieren, und viele kämen dann wohl nicht mehr persönlich vorbei. Der Anwalt will weder seinen Namen noch jenen der Kanzlei nennen.

Die Kanzlei glaubt, dass es in erster Linie um pekuniäre Interessen gehe, dass man ein Testcenter an einer so guten Lage einrichten möchte: «Der wohltätige Ansatz ist nur vorgeschoben.» Man bringe dem Vorhaben viel Empathie entgegen. Das Geschäftshaus sei aber nicht der richtige Ort, um Personen auf eine hochansteckende Krankheit zu testen, und würde die Permanence ausgebaut, kämen wohl noch mehr. Besser wäre es, man würde die Kinder in einem Zelt im Innenhof abklären.

Das Haus ist im Besitz der Immobilienfirma PSP Swiss Property. Weshalb hat sie ihre Zusage von Anfang September zurückgezogen? «Es gab nie eine definitive Zusage», sagt ihr Sprecher. Nachdem man die grundsätzliche Zustimmung signalisiert habe, sei man nach Abklärungen und Abwägungen aber zum Schluss gekommen, dass ein Testcenter in diesem Haus nicht vertretbar sei. Wie viele Mieter sich dagegen ausgesprochen haben, lässt er offen. Es sei für die PSP aber stets klar gewesen, dass ohne Zustimmung aller Mieter das geplante Vorhaben undenkbar sei.

Nur, so kritisiert Katja Berlinger, habe man dies in der schriftlichen Zusage nicht geschrieben. Sonst hätte sie alle Mieter gefragt, bevor sie diesen Aufwand betrieben und ein solches unternehmerisches Risiko eingegangen wäre. Sie weist den Vorwurf zurück, dass sie das Testcenter des Geldes wegen einrichten will: Der Aufwand für jeden einzelnen Test sei enorm, das Entgelt klein: Ärzte erhielten lediglich 50 Franken pro Test, keiner reisse sich darum, sie durchzuführen. Gerade für Eltern sei es aber vordringlich zu wissen, ob die ganze Familie in Quarantäne gehen müsse oder ob die Eltern wieder arbeiten gehen können.

Kinder blieben ungetestet

So würden auch andere Organisationen ein Testcenter für Kinder begrüssen: «Falls die Zahlen weiter steigen, wird es willkommen sein», sagt Christoph Berger, Leiter der Abteilung Infektiologie des Zürcher Kinderspitals. Dann könne es sein, dass die Kinderärzte nicht mehr in der Lage seien, Kinder gemäss den Empfehlungen des Bundes zu testen. Es gäbe ohnehin zu wenig Kinderärzte, und für viele Eltern sei es schon vor Corona schwierig gewesen, einen Termin für ihr Kind zu bekommen.

So wird die Permanence die Kinder weiterhin testen. Ganz hat ihre Leiterin die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass dies wie geplant im Testcenter möglich sein wird.

Football news:

Neymar über Maradona: du wirst für immer in unserer Erinnerung bleiben. Fußball - PSG Und Brasiliens Nationalspieler Neymar haben sich über den Tod von Argentiniens Ex-Nationalstürmer Diego Maradona geäußert
Wenn Fußball ein Film wäre, wäre Diego seine Hauptfigur. Showsport-Leser verabschieden sich von Maradona
Napoli-Fans feierten in Erinnerung an Maradona eine Feuershow vor dem Stadion
Maradona unterzeichnete Dokumente über Einbalsamierung und Ausstellung. Die Familie wusste nicht, dass Argentiniens Ex-Nationalspieler Diego Maradona am 25.November an einem Herzstillstand starb. Wie der Journalist Hernan Castillo berichtet, unterschrieb der Fußballer Dokumente, nach denen er nach dem Tod einbalsamiert und ausgestellt werden soll
Zork über Holands Zukunft: wir haben langfristige Pläne
Juve spielt gegen Genoa, Inter gegen Fiorentina, AC Mailand - Torino und andere Paare des Achtelfinales des italienischen Pokals
Musa über Sheffield: ich Möchte auf Topniveau spielen, bei allem Respekt vor diesem Klub